Amerika setzt zum Schlussstrich unter sein Irak-Abenteuer an - und auf den Straßen wird getanzt. Dank ist nicht zu erwarten. Immerhin hat die US-Armee nicht nur Sicherheit geschaffen.
Viele Offiziere und Soldaten aus Kansas, Ohio oder Tennessee werden die Fäuste geballt haben in den Hosentaschen, als die Jubelreden begannen und die Feuerwerkskörper krachten. Die Bagdader Regierung hat den Tag des Abzugs aller US-Truppen aus den Städten und Dörfern des Irak zum Nationalfeiertag ausgerufen.
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Truppen-Abzug im Irak: Die Bagdader Regierung hat den 30. Juni zum Nationalfeiertag ausgerufen. (© Foto: dpa)
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Und das, obwohl die rund 130.000 US-Soldaten dort in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich für Sicherheit gesorgt haben. Ebenso werden sich die Uniformierten fragen, wofür mehr als 4300 von ihnen eigentlich ihr Leben gelassen haben in Bagdad, Falludscha, Mossul oder irgendwelchen namenlosen Weilern zwischen Euphrat und Tigris.
Das Land wäre in Terror und Bürgerkrieg versunken, die Regierung von Nuri Al-Maliki ohne die Rückendeckung der US-Armee schon lange am Ende. Dennoch bejubelt eben dieser Maliki den Teilabzug als "Sieg" über die ausländischen Besatzer, klatschen und tanzen die Iraker auf den Straßen. Dankbarkeit sind in Krieg und Politik nicht zu erwarten.
Besonders, wenn man sich erinnert, dass die US-Armee nicht nur Sicherheit geschaffen hat. Sie hat seit März 2003 auch Zehntausende Iraker getötet, Tausende inhaftiert und unzählige gefoltert, das Land von Grund auf zerstört und die Pandora-Box ethnisch-religiöser Konflikte weit geöffnet. Am Ende bestätigt der nun begonnene Truppenabzug samt der peinlichen Bagdader Jubelfeier nur, was seit langem klar ist: Der Irak-Krieg war der falsche Krieg.
Militärisch ist Washingtons Streitmacht knapp um eine Niederlage in einem asymmetrischen Abnutzungskrieg herumgekommen. Politisch haben die USA ihre Ziele nicht erreicht. Der Diktator Saddam Hussein ist zwar gestürzt. Aber die neue Demokratie im Irak ist eine Fassadenveranstaltung. Politische Stabilität wird es an Euphrat und Tigris für lange Zeit nicht geben. Auch regionalpolitisch erscheint der Irak-Krieg als unverzeihlicher Fehler. Nutznießer des Sturzes des Saddam-Regimes ist Iran - ein Staat, dessen Einfluss mit der US-Invasion im Nachbarland eigentlich eingedämmt werden sollte.
Der US-Abzug aus den Städten ist nur der erste Schritt: Bis Ende 2011 sollen alle Truppen das Land verlassen haben. Gelingt dies, kann Washington nach dem missratenen Militärabenteuer im Zweistromland wenigstens den Anschein erwecken, dass seine Armee ihre Mission erfolgreich beendet hat und als Freund des irakischen Volkes abrückt - unter Hinterlassenschaft der Demokratie als Washingtoner Gastgeschenk. Glauben wird das im Irak aber kaum einer.
Über die eigene Regierung machen sich die meisten Iraker keine Illusionen. Gleichzeitig erkennen viele in den US-Soldaten inzwischen ein notwendiges Übel: zum Schutz vor innerirakischer Gewalt. Denn Bagdads Armee und Polizei werden umfassende Sicherheit eigenverantwortlich kaum garantieren können. Wenn es ihnen doch gelingen sollte, dann werden sie aller Voraussicht nach auf die altbekannten Saddam-Methoden zurückgreifen: unnötige Gewalt, Verstöße gegen alle Bürgerrechte, Folter.
Das Paradox des Irak-Kriegs ist: Er war Unrecht und eine politische Dummheit dazu. Dann aber sind die Besatzer notwendig geworden, um neues Unrecht und neue Instabilität zu verhindern. Die US-Truppen und die amerikanischen Aufbauhelfer müssten mindestens noch ein Jahrzehnt bleiben, um die notwendige Sicherheit für den Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen zu schaffen und die verfeindeten ethnischen und religiösen Gruppen auseinander zu halten.
Diesen Preis will und kann Washington nicht bezahlen. Also setzen die USA nun mit dem Truppenabzug aus den Städten zum geplanten Schlussstrich an: unter ein aberwitziges militärische Abenteuer, das unnötig viele Menschenleben sowie Hunderte Milliarden Dollar gekostet hat und die Nahost-Region noch für lange Zeit belasten wird.
(SZ vom 01.07.2009/dmo)
Die Ärzte in München
Sehr guterArtikel: Aberwitz ist das einzige Wort, das man über diesen Unrechtskrieg schreiben kann.
@Carmor
@Skalski: Wir Deutschen konnten froh sein das man uns nicht voll und ganz ausgelöscht hat. Da waren ein paar vergewaltigende Besatzer das kleiner Übel. Die Deutschen wollte man OTon "voll und ganz und für immer vernichten" wärend man die Irakis "befreien" wollte.
In beiden Fällen wurden diese Völker befreit, auch wenn unter anderen Umständen.
Vernichten wollte man das NS-Deutschland, nicht die Deutschen. Ist auch gelungen.
Erstaunlicherweise waren dieselben Nationen beteiligt - die Amerikaner, Briten und die Polen.
@Teobald:
"Die Amerikaner verlangen von den Irakern für die Zerstörung der Infrastruktur, die Schmach der militärischen Nierdlage und den Tod von tausenden Opfern unter der Zivilbevölkerung dankbar zu sein. "
Zerstörung der Infrastruktur und die zivilen Opfer sind grundsätzlich das Werk von Terroristen und inner-irakischen Kämpfen.
Welche militärische Niederlage haben die Iraker erlitten ? Der Saddam und die Terroristen haben eine Niederlage erlitten, nicht die Iraker.
@KvJ: Hallo, erstmal sind wir uns darin einig das ein Schauplatz an dem Soldaten in großer Zahl mit Waffen aufeinander schießen Krieg zu nenne ist.
2. Unabhängig daavon ob man da sein muß oder nicht meinte ich nur das es eine noch viel bl.ödere Idee ist als z.B. mit 5 wilden Tigern in eine Badewanne zu springen das THW in ein Kriegsgebiet zu schicken. Denn das THW besteht nicht aus Soldaten also muß man sie vom Schlachtfeld fern halten. Das eine moderne Armee besser ausgerüstet ist als das THW hat ja auch nichts damit zu tun.
3. Ja ich wär auch niemals nach Afgahnistan. Bin aber trotzdem gegen einen Abzug weil die Toten nach einem Abzug erstrecht auf unser Konto geht. Und da trifts dann die modernen Menschen und vorallem Frauen und Mädchen. Das möchte ich nicht. Deshalb sag ich egal was es kostet geben wir denen 2 generationen Zeit ein quentchen Freiden im Land aufzu bauen. Und 2 Generationen Schulbildung können nicht so falsch sein oder?
@Carmor (12.19) - Muss Ihnen da leider deutlich widersprechen. Nicht die Entsendung von Entwicklungshelfern ist - wie Sie es nennen "Gehirnblähung" - , sondern die massive Militärintervention in einen seit Jahrzehnten von Krieg und Bürgerkrieg zerissenem Land. Dieser Krieg (ich bin dankbar, dass Sie ihn auch so benennen!) wird durch die Anwesenheit alliierter Truppen ständig verschärft. Dieser Kriegg ist politisch, noralisch und militärisch sinn- und uferlos und kann nur in einem Desaster enden. Daher ist der Abzug aus Afghanistan überfällig. Aber wenn Sie unbedingt bei Ihrem Glauben bleiben wollen, dass Deutschland am Hindukusch verteigt wird, dann würde ich Ihnen den Begriff "Gehirnblähung" gerne zur anderweitigen Verwendung überlassen.
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