US-Präsidentschaftskandidat Wer ist Marco Rubio?

Marco Rubio während seines Wahlkampf-Auftakts im Freedom Tower von Miami. Das Gebäude war erster Anlaufpunkt vieler Kubaner in den USA nach ihrer Flucht.

(Foto: REUTERS)
  • Marco Rubio, mit 43 Jahren bislang jüngster Präsidentschaftskandidat, gehört zum moderat-konservativen Flügel der Republikaner.
  • Der Senator aus Florida hat kubanische Wurzeln und nimmt für sich in Anspruch, den amerikanischen Traum verwirklicht zu haben.
  • In der Außenpolitik gilt er als Hardliner, der ein stärkeres Eingreifen der USA in der Welt propagiert und Obama für seine Politik gegenüber Iran und Kuba kritisiert.
  • Rubio hofft auf Stimmen der spanischsprachigen Wähler. Er kommt damit in Konflikt zu seinen konservativen Parteikollegen, die Einwanderung skeptisch gegenüberstehen.
Von Johannes Kuhn, San Francisco

An Hillary Clinton kommt auch Marco Rubio nicht vorbei: "Erst gestern hat eine Führungsfigur von gestern eine Präsidentschaftskampagne mit dem Versprechen begonnen, uns zurück ins Gestern zu führen", rief der US-Senator seinen Anhängern im Freedom Tower von Miami zu. "Gestern ist vorbei. Und wir werden nie mehr dorthin zurückkehren."

Marco Rubio will zur Präsidentschaftswahl antreten

Der dritte Republikaner, der in das Rennen um die Nachfolge von Barack Obama einsteigt: Mit Floridas Senator Marco Rubio gibt ein Hoffnungsträger der Konservativen seine Kandidatur für die US-Präsidentschaft bekannt. mehr ...

Als selbsterklärter Kandidat von morgen warf der 43-Jährige am Montag seinen Hut in den Ring. Wer ist Rubio, bislang jüngster Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2016? Für welche Ideen steht der Republikaner? Ein erster Überblick.

Das ist Marco Rubio

"Ich habe den amerikanischen Traum selbst erlebt", betont der 43-Jährige immer wieder. Seine Eltern kamen 1956 als Einwanderer aus Kuba in die USA; sein Vater schlug sich als Barkeeper durch, seine Mutter als Kindermädchen. Sohn Marco machte als Anwalt und Berufspolitiker Karriere, die Aufstiegschance jedes Einzelnen durch Disziplin, familiäre Unterstützung und harte Arbeit ist die Erzählung, die er um seine Kandidatur strickt. Seit 2011 sitzt Rubio für Florida im US-Senat, er gilt als wortgewandt und charismatisch. Seine Ehefrau ist eine ehemalige Cheerleaderin für das Football-Team der Miami Dolphins, sie haben gemeinsam vier Kinder.

Rubios politischen Standpunkte

Rubio gilt als moderater Konservativer, was im Jahr 2015 "nicht ganz am rechten Rand" bedeutet. Die Tea Party half Rubio einst, in den Senat einzuziehen, sie hat inzwischen jedoch andere, extremere Favoriten. Rubios Steuerreform würde Steuererleichterungen für den Mittelstand, aber auch die Superreichen bringen; in der Außenpolitik, einem seiner Kerngebiete, gilt er als Hardliner, der ein stärkeres Eingreifen der USA in der Welt propagiert und Obama für seine Politik gegenüber Iran und Kuba kritisiert. Letzteres entspricht der Haltung vieler Kubanoamerikaner älterer Generation. Er lehnt außerdem die gleichgeschlechtliche Ehe, Abtreibung und inzwischen auch die Idee eines von Menschen verursachten Klimawandels ab. Damit liegt er auf einer Linie mit jenen Teilen der Parteibasis, die in den Vorwahlen den Ton angeben.

Rubio und sein Verhältnis zu den Latinos

Als Latino-Senator gilt Rubio als mögliche Brücke zwischen den Republikanern und einer Minderheit, die traditionell demokratisch wählt. In der Praxis ist das nicht so einfach: 2013 trieb Rubio ein Gesetz voran, das schärfere Grenzkontrollen mit einem Weg zur Staatsbürgerschaft für umdokumentierte Einwanderer verband. Der Vorstoß scheiterte und brachte ihm den Zorn der politischen Rechten ein, in Präsidentschaftsumfragen unter Republikanern sackte er seitdem ab. Inzwischen hat er die Devise "Sichert die Grenze zuerst" ausgegeben, was wiederum viele Hispanics enttäuscht. Immerhin spricht Rubio, anders als sein kubanischstämmiger Konkurrent Ted Cruz, fließend spanisch.

Rubios bislang größer Moment

... ist einer, den er lieber vergessen würde. Nach Barack Obamas Ansprache zur Lage der Nation im Jahr 2013 durfte er die Gegenrede der Republikaner halten. Dabei blieb ihm vor Aufregung im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg - seine kleine Trinkpause wurde im Kontext des sonst perfekt durchchoreografierten US-Politikbetriebs mit Spott aufgenommen.

Rubios Chancen

Ausgerechnet sein ehemaliger Mentor steht zwischen Marco Rubio und ernstzunehmenden Chancen auf den Vorwahl-Sieg: Jeb Bush, ebenfalls in Florida verortet, ebenfalls auf den moderaten Teil der Partei spekulierend, aber unter ungleich besseren Voraussetzungen startend. Sobald der ehemalige Gouverneur seine Kandidatur erklärt, dürften viele jener Spender ihre Geldbörsen öffnen, auf die eigentlich auch Rubio spekuliert. Allerdings sind die Vorbehalte gegenüber Bush in der Partei, vor allem im rechten Flügel, groß (die Positionierung Rubios als Zukunftskandidat ist auch eine Abgrenzung gegenüber Bush). Sollte Bushs Kampagne kollabieren, wäre Rubio womöglich die zweite Wahl unter den Moderaten. Und falls das nicht passieren sollte: Mit 43 Jahren hat der Senator seine beste politische Zeit noch vor sich.