Untersuchungsausschuss zu NSU-Morden Direkte Kontakte lassen sich nur bis 1998 nachweisen

In früheren Jahren hatte Thomas S. tatsächlich einen sehr engen Draht zu dem Trio. Als führender Kopf der Neonazi-Gruppe "Blood & Honour" in Chemnitz soll er dem Trio beim Untertauchen geholfen haben. Es besteht der Anfangsverdacht, dass Thomas S. den NSU unterstützte. Wegen Verjährung ist es allerdings möglich, dass Thomas S. sich dafür nicht mehr juristisch verantworten muss. Direkte Kontakte zum späteren NSU-Trio lassen sich offenbar nur bis zum Jahre 1998 nachweisen.

Im September 1998 hatte eine Quelle des Thüringer Verfassungsschutzes berichtet, Thomas S. sei zuletzt mit Beate Zschäpe liiert gewesen. S. hat selbst von einem "Techtelmechtel" gesprochen. Außerdem soll er dem Kreis um Zschäpe Sprengstoff besorgt haben. So wurden Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu den berüchtigten "Bombenbauern" aus Jena. Anfang 1998 waren sie untergetaucht. Gemeinsam sollen sie den NSU gebildet haben, der für zehn Morde verantwortlich gemacht wird. 1999 überprüften Zielfahnder aus Thüringen die Wohnung von Thomas S., auf der Suche nach dem Trio. Die Wohnung war leer. Ein Nachbar behauptete, Mundlos öfter in der Wohnung gesehen zu haben. Im November 1999 soll S. eine ihm angebotene Spende für das Trio abgelehnt haben, weil es mittlerweile kein Geld mehr benötigen würde. Der NSU verübte, wie man heute weiß, Banküberfälle.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, er habe umgehend eine Prüfung der "schwerwiegenden Vorwürfe" veranlasst und weitere Informationen zugesagt. Zu Thomas S. gab es bisher keine offizielle Stellungnahme.