Kampf gegen Gaddafi Libyen-Kontaktgruppe erkennt Rebellenrat als Regierung an

Die Unterstützung für die libyschen Rebellen wächst: Mitglieder der Libyen-Kontaktgruppe konnten in Istanbul weitere Staaten für eine Anerkennung des Nationalen Übergangsrates als einzige legitime Vertretung des Volkes gewinnen. Doch das reicht nicht, um einen Überlebenskünstler wie Gaddafi von der Macht zu vertreiben.

Auf der diplomatischen Ebene könnte es für die libyschen Aufständischen derzeit nicht besser laufen. Bei ihrem Treffen in Istanbul hat die internationale Libyen-Kontaktgruppe den Nationalen Übergangsrat der Rebellen als offizielles Organ mit Regierungsvollmacht anerkannt. Das geht aus der Abschlusserklärung des Treffens der Kontaktgruppe hervor. Zugleich forderte die Gruppe die Bildung einer Übergangsregierung in Libyen. Zur Libyen-Kontaktgruppe gehören alle Länder, die am Militäreinsatz gegen die Regierung von Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi mitwirken.

Sogar finanziell bewegt sich etwas. Mit der offiziellen Anerkennung des Übergangsrates sei es möglich, einen bestimmten Teil im Ausland eingefrorener libyscher Staatsgelder wieder zur Verfügung zu stellen, da dies nun in der Verantwortung des Übergangsrates liege, sagte Frankreichs Außenminister Alain Juppé am Rande des Treffens in Istanbul. Auch der Fahrplan der libyschen Aufständischen für eine Umwandlung ihres Landes in eine Demokratie findet international viel Beifall.

Nur für ihr Kernproblem finden die Aufständischen und ihre Sympathisanten von Washington bis Abu Dhabi keine Lösung: Wie wird man nur diesen hartleibigen Gaddafi los? Die Diplomaten und ihre libyschen Gesprächspartner wirken bei ihren Diskussionen über eine "Vision für ein neues Libyen" derzeit ein wenig wie Kaffeetanten, die eine noch nicht gebackene Sahnetorte verteilen. "Gaddafi ist alles zuzutrauen, er ist unberechenbar, selbst wir Libyer, die wir seine Herrschaft fast 42 Jahre lang ertragen mussten, wissen nie, was er als nächstes tun wird", erklärt ein Angehöriger der Delegation der Übergangsregierung.

Er hofft, dass Gaddafi noch vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan Anfang August gestürzt wird - von den Rebellen und ihren Unterstützern in Tripolis. "Einfach wird es nicht werden - denn in Tripolis gibt es keine Waffen in den Händen der Bevölkerung", sagt er. Der Mangel an Waffen und militärischer Ausbildung ist auch der Hauptgrund dafür, dass der Vormarsch der Rebellen auf Tripolis nicht richtig in Gang kommt. "Fakt ist, Gaddafi sitzt immer noch in Tripolis, das ist die Realität, auf der wir aufbauen müssen", erklären westliche Konferenzteilnehmer. Gaddafi, der versucht, die Libyer mit Märtyrer-Fantasien und Durchhalteparolen bei der Stange zu halten, ist für sie jedoch kein Gesprächspartner mehr.

Die Aufständischen hoffen derweil, dass das Gaddafi-Regime in den kommenden Wochen noch stärker von innen ausgehöhlt wird. "Es gibt viele Funktionäre in hohen Positionen, die gegen Gaddafi sind, die sich aber aus Angst um ihr Leben und ihre Familien nicht trauen, sich offen gegen ihn zu stellen", sagt ein Mitglied der libyschen Delegation. Der Aktivist im Maßanzug stammt aus Tripolis. "Es wäre schön, wenn wir das nächste Treffen nicht im Ausland, sondern in Tripolis abhalten können", sagt er, aber sehr überzeugt klingt er nicht.

Gaddafi hat unterdessen seine Anhänger zu einem Marsch auf die Rebellenhochburg Bengasi aufgerufen. "Die Stunde der Schlacht hat geschlagen. Macht euch bereit für einen Marsch auf Bengasi, um die Stadt von den Verrätern zu befreien, und auf Misrata und die Berge im Westen", sagte Gaddafi in einer Botschaft, die über Lautsprecher vor Regierungsanhängern in Tripolis ausgestrahlt wurde und die auch das Staatsfernsehen übertrug. Er wolle bis zuletzt kämpfen - seine Männer verteidigten die Ehre aller Araber und Afrikaner.

Bengasi im Osten des Landes und Misrata, etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, wird von den Rebellen gehalten, Misrata ist aber von Gaddafis Truppen umzingelt. Die "Kreuzritter der Nato" würden "besiegt, weil sie einen ungerechten Krieg führen", sagte Gaddafi. Die Nato kämpft für die Rebellen und fliegt seit Monaten Luftangriffe auf Regierungsstellungen. Gaddafi nannte den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einen "Kriegsverbrecher." Er habe die Beziehungen seines Landes zu Libyen zerstört.