Unruhen in Teheran Clinton wirft Iran Scheinheiligkeit vor

Jagdszenen in Teheran: Mit aller Härte geht das Mullah-Regime gegen Demonstranten vor. Abgeordnete fordern den Tod für die Oppositionsführer. US-Außenministerin Clinton spricht den Demonstranten Mut zu - und attackiert die iranische Führung.

Die Nachwehen der Revolutionen in Ägypten und Tunesien greifen auf Iran über - und das Regime reagiert mit Härte. Zehntausende waren am Montag in Teheran auf die Straße gegangen. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurde ein Passant getötet, mehrere Demonstranten seien mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, berichteten Augenzeugen. In der Nacht auf Dienstag patrouillierten Sicherheitskräfte durch die Straßen von Teheran, um die Proteste zu unterdrücken.

Am Montag sei die Menschenmenge zunächst schweigend entlang der Straße der Revolution in Richtung Azadi-Platz marschiert, berichtete der Nachrichtensender CNN. Immer wieder hätten Sicherheitskräfte versucht, die Demonstranten auseinanderzutreiben. Amateurvideos auf Youtube dokumentieren regelrechte Jagdszenen in Teherans Innenstadt. Polizisten gingen mit Knüppeln gegen die Menge vor. Die Sicherheitskräfte setzten Augenzeugen zufolge Tränengas ein, um die Demonstranten vom Azadi-Platz fernzuhalten.

An anderer Stelle in Teherans Innenstadt sei die Polizei mit Motorrädern gegen die Demonstranten vorgegangen, die ihrerseits Mülleimer anzündeten. "Ein Iraner stirbt, aber er nimmt keine Demütigung hin", habe die Menge gerufen. Andere skandierten "Tod dem Diktator" - offenbar mit Bezug auf Irans obersten religiösen Führer Ayatollah Ali Chamenei.

Unübersichtliche Lage in Teheran

Die Regierung beschuldigte die Demonstranten, das Feuer auf Zivilisten eröffnet zu haben: Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars, die den paramilitärischen Revolutionsgarden nahesteht, sprach von "Elementen des Aufruhrs" und "terroristischen Söldnergruppen", die dem Passanten in den Kopf geschossen hätten.

Unabhängige Berichte über die Vorfälle in Iran gibt es kaum: Ausländischen Journalisten wurden Visa verweigert. Jene Reporter, die in Iran lebten, seien im Vorfeld eingeschüchtert worden. Darüber hinaus sei die Übertragungsgeschwindigkeit des Internets am Montag drastisch reduziert worden.

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