Unruhen in London Welche Folgen hat der Sparkurs der Regierung Cameron?

Nach Angaben des Labour-Abgeordneten David Lammy ist die Arbeitslosenquote in Tottenham die höchste in London und die achthöchste in Großbritannien. Viele Jobs hängen hier von öffentlichen Geldern ab - und gerade dort spart die Regierung von David Cameron.

Bis 2015 sollen die Ausgaben um 91 Milliarden Euro gekürzt werden - das meiste Geld will Schatzkanzler George Osborne bei den Sozialausgaben sparen: Kindergeld, Betreuungsgeld, Wohnzuschüsse, Steuererleichterungen für Familien werden zusammengestrichen. Angst treibt viele Arme, Arbeitslose, Rentner, Alleinerziehende und andere Empfänger der entsprechenden Unterstützung um.

Im Februar 2011 hat der Gemeinderat von Haringey, der auch für Tottenham zuständig ist, beschlossen, in den nächsten Jahren die Unterstützung von Jugendlichen einzuschränken, Altenheime und Behindertenzentren zu schließen und die Finanzierung der Ausbildung von Sozialarbeitern zu reduzieren.

Die von der Cameron-Regierung geplanten Maßnahmen bezeichnete der Abgeordnete Lammy bereits im Oktober 2010 als "widerwärtige und unnötige Kürzungen, die katastrophal für unsere Gemeinde sein werden". Die Liberaldemokraten und Konservativen riskierten damit, "uns in die 80er zurückzuwerfen, als Frustration und Ärger, die sich aus vergeudeten Talenten und bitterer Armut speisten, zu sozialen Unruhen führten", hatte Lammy gewarnt.

Zu Recht, wie sich nun zeigt. 1985 war bei einer Polizeirazzia in Tottenham eine ältere Frau an einem Herzinfarkt gestorben. Bei anschließenden Unruhen war es zu Plünderungen, Bränden und Straßenschlachten zwischen der Polizei und Jugendlichen gekommen. Der Polizist Keith Blakelock war bei dem Versuch Feuerwehrleute zu beschützen von einem Mob ermordet worden. Er war beim Rückzug seines Teams gestolpert und gestürzt. Seine Mörder stachen und prügelten auf ihn ein, rissen ihm den Helm vom Kopf und versuchten offenbar, ihn zu enthaupten.

In den vergangenen Jahren hat sich die Stadt durchaus bemüht, Probleme, die etwa durch das Nebeneinander der vielen ethnischen Gruppen entstehen können, anzugehen. So unterstützt der Stadtrat von Haringey die Arbeit von Gruppen wie den Haringey Race and Equality Council, das Haringey Women's Forum, den African Caribbean Leadership Council, die Bangladeshi Women's Association und andere Organisationen.

Doch "der Wohlstand der City of London findet seinen Weg nicht zu Orten wie der Siedlung Broadwater Farm oder Northumberland Park", kritisiert Lammy im April 2011. London sei "die ungerechteste Stadt in den Industriestaaten - Londons reichste zehn Prozent besitzen 273 Mal mehr als die ärmsten zehn Prozent". Der Kapitalismus habe den Stadtbezirk Haringey vergessen.