London erlebte in den vergangenen Nächten einen Exzess der Gewalt. Was hat die Randale von Tottenham ausgelöst? Welche Rolle spielt dabei der Tod eines Familienvaters durch eine Polizeikugel? Und weshalb verschäft die britische Sozialpolitik die Situation?
Warum ist die Lage in Tottenham eskaliert?
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Ein ausgebranntes Haus im Stadtteil Tottenham. (© Getty Images)
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Am Anfang stand ein mysteriöser Todesfall: Am Abend des 4. August starb der Tottenhamer Mark Duggan durch eine Polizeikugel, die Umstände des Vorfalls sind noch ungeklärt. Zwei Tage später, am Samstagnachmittag, versammelten sich Duggans Angehörige und Freunde vor der örtlichen Polizeistation. Die mehr als 100 Demonstranten forderten Gerechtigkeit, Duggans Verlobte verlangte von den Behörden Antworten - ohne Erfolg.
Eigentlich planten die Teilnehmer von 17 Uhr an eine Stunde lang still zu protestieren und die Veranstaltung noch vor Einbruch der Dunkelheit zu beenden. Doch das erhoffte Gespräch mit einem Polizeioffizier kam nicht zustande, die Demonstranten verharrten vor dem Kommissariat. Vertreter der örtlichen Gruppen sollen die Behörden schon zu diesem Zeitpunkt der aufgeladenen Stimmung gewarnt haben. Am Abend kippte die bis dahin friedliche Kundgebung: "Kriminelle Elemente" hätten die Demonstration übernommen, konstatierte die Polizei. Der lokale Konflikt mündete in eine Gewaltorgie, deren Bilder die Welt bestürzten.
Schließlich stießen Hooligans von außerhalb hinzu, die Gewalt flammte auch in drei benachbarten Stadtteilen auf sowie in Brixton im Süden Londons - allesamt Problemviertel. Wie in Tottenham hat sich dort Frust und ein gewaltiges Konfliktpotential angestaut, die Empörung über den Todesfall Duggan ist der letzte Funke.
Auch in der Nacht zum Montag lieferten sich Jugendliche in anderen Bezirken Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie verabredeten sich übers Internet, zündeten Autos und Häuser an und plünderten Geschäfte. Bei den Tätern handle es sich offenbar um "Trittbrettfahrer", erklärte Scotland Yard. Die Beamten zeigten sich schockiert über das Ausmaß der Gewaltbereitschaft. Mehr als 100 Randalierer wurden festgenommen. Die Polizei zählte neun verletzte Beamte.
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Bundespräsident Gauck
Zitat:"Außerdem hat die Londoner Gewalt 2011 längst noch nicht das Ausmaß der französischen Unruhen von 2005 erreicht"
Ich denke diese Aussage ist unhaltbar. In den Banlieu's wurden nicht ganze Straßenzüge eingeäschert. Auch waren die Unruhen auf den betroffenen Stadtteil in Paris begrenzt und griffen nicht auf ganz Paris, bzw. auf andere Städte über.
Kann diese ganzen Parolen mit sozialer Benachteiligung nicht mehr hören.
Es gibt in England genug Gelegenheiten, etwas zu lernen. Wer arbeiten will, findet auch Arbeit.
Jedes sog. Opfer ist zunächst einmal für sich selbst verantwortlich.
Jeder hat die Pflicht, einem anderen nicht zu schaden.
Die kriminelle Randale ist durch nichts zu entschuldigen.
Großbritannien ist eine uralte Feudalgesellschaft. Nirgendwo in Europa gibt es noch so viele Standesschranken wie in England. Für einen Jungen oder ein Mädchen aus der Unterschicht ist das ganze Leben eine einzige Diskriminierung. Viele sind tatsächlich chancenlos und das ist ungerecht.
Und die Jugendlichen bekommen natürlich mit, dass in der Welt ein technokratischer Staat errichtet wird, der die Folterkammern des Mittelalters weit übertrifft. Und dieser technokratische Staat ist weder von der Vernunft geleitet noch der Vernunft zugänglich. Er ist autoritär, voller Willkür, von Standesdenken beherrscht und stur. Die jungen Leute werden von dieser Technokratie einfach vom Leben abgeschnitten. Wenn sie trotzdem den Aufstieg irgendwie schaffen, werden sie verstümmelt, körperlich wie seelisch, bis zu kleinen Robotern geworden sind, die sich in die Technokratie einfügen. Die Jugendlichen haben allen Grund, den Aufstand zu machen. Und die Reaktion der britischen Politiker zeigt nur, was für ein bornierter Haufen sie geworden sind. Das Wohlergehen des Volkes interessiert sie nicht mehr. Es kommt ihnen nur darauf an, ihre Privilegien zu verteidigen, auch mit Polizei und Militär. Sozialer Protest wird kriminalisiert.
Die Politiker haben die Demokratie zerstört. Auch wenn man diese Zerstörung nicht direkt sieht, ist sie viel schlimmer als die brennenden Häuser in London. In Großbritannien werden elektromagnetische Wellen in ganze Stadtviertel gesendet, um den sozialen Protest zu unterdrücken. Undemokratischer kann es doch nicht mehr zugehen. Warum regt sich über diese staatliche Gewalt niemand auf? In Paris kamen die beiden Jugendlichen übrigens um, als sie sich in einem Stromhäuschen verstecken wollten. Der Strom hatte sie verbrannt. Daraufhin brachen die Unruhen los.
Eine demokratische Erziehung gibt es in Großbritannien nicht. Und selbst wenn Jugendliche gelernt haben, wie man eine Petition schreibt, nutzt es nichts. Sie verhallt in der Technokratie wie Schall und Rauch.
Wenn die Jugendlichen unter diesen Bedingungen ausrasten, ist die Gewalt nur rechtmäßig. Man kann auch von Notwehr sprechen. Dass es Londoner Bürger trifft, deren Autos brennen und deren Geschäfte in Flammen aufgehen, das ist tragisch. Denn auch diese Bürger leiden unter der Technokratie. Aber es gibt auch Privilegierte, die von der feudalen Technokratie bevorzugt werden, damit sie dieses Unrechtssystem stabilisieren.
freuen sich vermutlich mal wieder unheimlich.
Der eine als ehemaliger Straßenkämpfer, der andere als Schreibtischtäter.
Der Grund für die Eskalation ist für die Randalierer nur der Funke der auf den Sozialen Spannungen und den neuen Einsparungen beruht.
Tötungsdelikte untereinander sind dort doch an der Tagesordnung und kein Mensch regt sich darüber auf. Auch der Tod dieses Mannes und das Schicksal der Familie interessiert doch niemanden.
Um den eigen Frust loszuwerden und gegen die Staatsmacht vorzugehen hätte auch "eine umgeworfene Mülltonne" gereicht.
Paging