Umfrage zu Anti-Islam-Bewegung Fast jeder Dritte hat Verständnis für Pegida

Fast jeder dritte Deutsche findet sie verständlich: Pegida-Proteste in Dresden.

(Foto: dpa)
  • Fast ein Drittel der Deutschen halten einer Umfrage zufolge den Einfluss des Islam in Deutschland für so groß, dass Proteste dagegen gerechtfertigt seien.
  • Besonders auffällige Ergebnisse zeigt die Umfrage bei AfD-Anhängern. Diese stechen durch hohe Zustimmungswerte zu Anti-Islam-Demonstrationen hervor und würden mehrheitlich auch eine Partei mit entsprechender Ausrichtung wählen.
  • Grünen-Chefin Peter gibt der CSU eine Mitschuld am Erstarken von Pegida und der AfD.
  • Die Bezeichnung Pegida wurde auch als "Unwort des Jahres" vorgeschlagen.

Viele Deutsche halten Pegida-Proteste für gerechtfertigt

Welchen Einfluss hat der Islam in Deutschland? Gibt es gar eine "Islamisierung", gegen die man sich wehren müsste, wie die Pegida-Bewegung ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes") meint? Begriff und Hintergrund der Debatte sind gleichermaßen diffus.

"Islamisierung ist ein ideologischer Kampfbegriff"

Tausende Menschen in Deutschland gehen gegen eine Islamisierung Deutschlands auf die Straße. Woher kommt ihre Angst vor Muslimen? Gibt es so etwas wie eine Islamisierung tatsächlich? Oder sind das Hirngespinste fremdenfeindlicher Wutbürger? Wichtige Fragen und Antworten. Von Markus C. Schulte von Drach mehr ...

Dennoch ist offenbar fast ein Drittel der Deutschen (29 Prozent) der Ansicht, dass der Islam auf das Leben in diesem Land einen so großen Einfluss hat, dass Protestmärsche wie die Pegida-Montagsdemos in Dresden gerechtfertigt seien. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Sterns. Zwei Drittel der Bundesbürger - nämlich 67 Prozent - finden demnach allerdings, dass die Gefahr einer Islamisierung Deutschlands übertrieben dargestellt werde. Für die Umfrage befragte das Forsa-Institut am 18. Dezember 2014 insgesamt 1006 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

AfD-Anhänger zeigen hohe Zustimmungswerte zu Anti-Islam-Demos

Unter denen, die die Pegida-Proteste für gerechtfertigt halten, sticht eine Gruppe besonders hervor: die Sympathisanten der rechtspopulistischen AfD mit 71 Prozent Zustimmung. Forsa-Chef Manfred Güllner sieht darin den Befund bestätigt, "dass die Anhänger der AfD keinesfalls die Mitte der Gesellschaft repräsentieren, sondern eine Randgruppe mit klarer fremdenfeindlicher Tendenz sind".

Unter den AfD-Anhängern herrscht auch die größte Bereitschaft, sich an Protestmärschen gegen eine "Islamisierung" Deutschlands zu beteiligen, wenn sie in der Nähe ihres Wohnorts stattfänden. 45 Prozent zeigten sich hierzu bereit. Auch Anhänger der Linken stechen mit 26 Prozent hervor. Das sind deutlich mehr als der Durchschnitt: Nur 13 Prozent aller Befragten würden an Protestmärschen teilnehmen.

Ebenso würden AfD-Anhänger sehr viel häufiger bei einer der kommenden Wahlen eine Anti-Islam-Partei wählen als der Durchschnitt der Befragten: 57 Prozent zeigten sich hierzu bereit - im Gegensatz zu zehn Prozent aller Deutschen. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Ost und West: 15 Prozent der Ostdeutschen würden der Umfrage zufolge einer Partei ihre Stimme geben, die den Islam in Deutschland bekämpft, aber nur neun Prozent der Westdeutschen.

Grünen-Chefin Peter: CSU macht Pegida stark

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter macht die CSU für das Erstarken der islamfeindlichen Pegida-Bewegung mitverantwortlich. "Gerade die CSU ist die Partei, die immer wieder Ressentiments gegen Zuwanderung schürt", sagte sie der Zeitung Die Welt. Wer mit Begriffen wie "Sozialschmarotzer" über Minderheiten rede und am Küchentisch die Muttersprache verbieten wolle, dürfe sich hinterher nicht darüber wundern, wenn Parteien und Gruppen am rechten Rand Zulauf erhielten. "Die CSU hat die AfD stark gemacht und macht nun Pegida stark", sagte Peter.

Pegida vorgeschlagen als "Unwort des Jahres"

Die Bezeichnung Pegida ist auch ein Kandidat für das "Unwort des Jahres". Die Abkürzung sei mehrmals vorgeschlagen worden, teilte die Darmstädter Professorin Nina Janich von der sprachkritischen Jury mit. Das Unwort wird am 13. Januar 2015 in Darmstadt bekanntgegeben. Insgesamt seien bisher knapp 1200 Einsendungen eingegangen. Einen klaren Favoriten unter den Vorschlägen gebe es nicht, meinte Janich. Für 2013 hatte es insgesamt 1340 Einsendungen gegeben.

Eingereicht werden können Begriffe, die gegen die Menschenwürde verstoßen oder gegen Prinzipien der Demokratie. Genannt werden können auch Formulierungen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die beschönigend, verschleiernd oder gar irreführend sind.