Ukraine Poroschenko will Armee mit Milliarden aufrüsten

Ukraine: Regierungssoldaten fahren am Unabhängigkeitstag durch die Straßen von Kiew.

(Foto: REUTERS)

Im Osten des Landes wird erbittert gekämpft, in Kiew feiert die Ukraine die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Bei der Militärparade verspricht Präsident Poroschenko, die Armee besser auszustatten.

  • Die Ukraine feiert die Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
  • Präsident Poroschenko kündigt bei der Militärparade in Kiew an, der Armee mehr als 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.
  • Bundespräsident Gauck gratuliert und verspricht enge Bindung an den Westen.

Aufrüstung der ukrainischen Armee

Präsident Petro Poroschenko kündigt die Aufrüstung der ukrainischen Armee an. In den kommenden drei Jahren sollen dafür umgerechnet mehr als 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Bei seiner Rede in Kiew sagte er: "Der Krieg ist nicht unsere Initiative. Er wurde uns von außen aufgedrängt. Wir wählen den Frieden." Die Separatisten bezeichnete er als "brutale Terroristen".

Am Samstag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Poroschenko in Kiew getroffen und der Ukraine politische und finanzielle Unterstützung zugesagt. Dabei geht es um Bürgschaften über 500 Millionen Euro, die vom ukrainischen Staat oder privaten Investoren als Kredite für den Bau von Schulen oder der Wasser- und Energieversorgung genutzt werden können.

Fingerzeig in schwierigen Zeiten

Kanzlerin Merkel will in Kiew deutlich machen: Deutschland hilft der Ukraine, wo es kann. Ihre Kurzvisite beim ukrainischen Präsidenten Poroschenko hat aber auch eine weitere klare Botschaft. Von Stefan Braun mehr ...

Unabhängigkeitsfeier in Kiew

Überschattet vom blutigen Konflikt mit Separatisten im Osten des Landes feiert die Ukraine den 23. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Die damalige Sowjetrepublik Ukraine hatte am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit von Moskau erklärt.

Im Beisein von Oberbefehlshaber und Präsident Poroschenko fand am Sonntag in Kiew eine Militärparade statt. Mindestens 1500 Soldaten mit Fahrzeugen und schwerem Gerät nahmen an der Waffenschau im Zentrum der Hauptstadt teil. Die Parade gilt auch als Demonstration der Stärke im Konflikt der prowestlichen Regierung mit den prorussischen Aufständischen.

In der Ukraine ist die Waffenschau wegen der Kämpfe im Osten und in Zeiten knapper Staatskassen umstritten. Es handele sich aber um eine "Geste zur Unterstützung der kämpfenden Einheiten im Osten", nicht um eine Siegesparade, sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew.

Separatisten führen in Donezk gefangene Soldaten vor

Als Reaktion auf die Parade in Kiew führten prorussische Separatisten in der ostukrainischen Stadt Donezk Dutzende gefangene ukrainische Soldaten öffentlich vor, wie Journalisten vor Ort berichten. Die bei der Offensive gegen die Aufständischen gefangen genommenen Soldaten wurden am Sonntag auf den zentralen Leninplatz gebracht, wo Einwohner sie mit Rufen wie "Faschisten! Faschisten!" beschimpften, melden die Agenturen AFP und Reuters. Der Fotojournalist Evgeny Feldman zeigt ein Bild des Vorfalls:

Glückwünsche von Gauck an Poroschenko

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Hoffnung auf eine engere Anbindung der Ukraine an die EU geäußert. In einer Glückwunschbotschaft an Poroschenko zum Unabhängigkeitstag des Landes schrieb Gauck, das im Juni unterzeichnete Assoziierungsabkommen sei "ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass unsere Beziehungen in Zukunft noch enger und vertrauensvoller werden." Dieses Abkommen sei zugleich ein "solides Instrument zur Unterstützung eines nachhaltigen Reformprozesses in der Ukraine".

Zu den anhaltenden Kämpfen im Osten des Landes schrieb Gauck nach Angaben des deutschen Präsidialamtes: "Meine Gedanken gelten besonders der Zivilbevölkerung, die unter den Kampfhandlungen leidet." Die territoriale Integrität der Ukraine sei durch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim schwer verletzt worden.