Uigurische Region in China Geländewagen rasen in Menge - Dutzende Tote

Verheerender Anschlag im Nordwesten Chinas: Polizei in Ürümqi, Xinjiang

(Foto: REUTERS)

Blutige Gewalt in Xinjiang, der autonomen Region der Uiguren in China. Zwei Jeeps fahren in Ürümqi auf einen belebten Marktplatz, es gibt Explosionen. Erste Bilanz: Mehr als 30 Tote und fast 100 Verletzte.

Bei einem Anschlag in der westchinesischen Unruheprovinz Xinjiang sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und beruft sich auf Augenzeugen. Nach offiziellen Angaben sind in der Hauptstadt Ürümqi 31 Menschen getötet worden. 94 seien verletzt worden, berichtete am Donnerstag die offizielle Webseite der Lokalregierung des Uigurischen Autonomes Gebietes Xinjiang.

Der Anschlag ereignete sich am Morgen. Laut Xinhua rasten zwei Geländewagen in eine Menschenmenge auf einem Gemüsemarkt in der Provinzhauptstadt Ürümqi, der zu der Zeit gut besucht war. Zudem seien Sprengsätze aus den Wagen geworfen worden. Eines der Fahrzeuge sei auf dem Markt explodiert.

Auf dem chinesischen Kurzbotschaftendienst Weibo verbreitete Fotos zeigten auf einer Straße liegende blutende Opfer, Flammen und eine Rauchwolke über Marktständen. Stände waren von der Wucht der Explosionen umgeworfen worden. Im Hintergrund war ein Feuer zu sehen. Unter den Opfern waren viele ältere Leute. Augenzeugen hörten mehrere Explosionen. Dichter Rauch stieg hoch.

Rettungskräfte und Polizei waren vor Ort. Verletzte wurden auch auf Ladeflächen von Lieferwagen gelegt, um in Krankenhäuser gebracht zu werden. In unbestätigten Augenzeugenberichten im Internet hieß es, die zwei Geländewagen seien mit Fahnen und Protestbannern mit Sprüchen bestückt gewesen. Was darauf stand, wurde nicht gesagt.

Staatschef Xi Jinping erklärt Separatisten den Kampf

Erst am Vortag hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zum energischen Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen. Auf einem asiatischen Gipfel in Shanghai forderte der Präsident ein gemeinsames Vorgehen gegen die "drei bösen Kräfte" Separatismus, Extremismus und Terrorismus. Dazu zählt China auch den uigurischen Separatismus oder Widerstandskräfte in Xinjiang. An dem Sicherheitstreffen von 24 Staaten hatte auch Russlands Präsident Wladimir Putin teilgenommen.

Bei einer "Anti-Terror-Kampagne" sind in Xinjiang in den vergangenen Wochen mehr als 200 Menschen festgenommen worden. Ein Gericht in Ürümqi verurteilte erst am Mittwoch 39 mutmaßliche Extremisten wegen der Verbreitung von Terrorvideos und des Aufrufs zur Gewalt zu Strafen von bis zu 15 Jahren Haft. Mit dem Anschlag verschärfen sich die Spannungen weiter. Seit Anfang 2013 sind etwa 300 Menschen der Eskalation der Gewalt sowie Zwischenfällen zwischen Uiguren und Sicherheitskräften zum Opfer gefallen, wie Menschenrechtsgruppen berichteten.

Die nordwestliche Region Xinjiang ist Heimat der muslimischen Minderheit der Uiguren. Diese sehen sich kulturell, sozial und wirtschaftlich benachteiligt und durch die systematische Ansiedlung von ethnischen Han-Chinesen zunehmend an den Rand gedrängt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten sich die Kommunisten das frühere Ostturkestan endgültig einverleibt.

Im März waren bei einem Angriff im Bahnhof von Kunming im Südwesten Chinas mindestens 29 Menschen getötet und mehr als 130 weitere verletzt worden, als mit Messern bewaffnete Männer in die Halle gestürmt waren und Passanten niedergestochen hatten. Im April wurden bei einer Explosion auf einem Bahnhof in Ürümqi zwei Attentäter und ein Zivilist getötet sowie 79 weitere Menschen verletzt.