Tote bei Explosion in Linienbus Weiterer Anschlag erschüttert Wolgograd

Es ist das zweite Attentat innerhalb von zwei Tagen: Nach dem Selbstmordanschlag im Bahnhof von Wolgograd kommen bei einer Explosion in einem Bus mindestens 14 Menschen ums Leben. Die Olympischen Spiele in Sotschi sieht Russland aber nicht in Gefahr.

Bei einer Explosion in einem Linienbus in der südrussischen Stadt Wolgograd sind nach übereinstimmenden Medienberichten mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens zehn weitere seien verletzt worden, teilte das Zivilschutzministerium nach ersten Erkenntnissen mit. Die New York Times berichtet von mindestens 15 Toten und etwa 23 Verletzten.

Nach Angaben der Ermittler soll es sich erneut um einen Selbstmordanschlag gehandelt haben. Die sterblichen Überreste eines mutmaßlichen Täters seien am Anschlagsort entdeckt worden, teilte die Ermittlungsbehörde des Landes mit. Demnach gibt es außerdem Anhaltspunkte dafür, dass der Anschlag vom Montagmorgen sowie das Attentat vom Sonntag miteinander in Verbindung stehen. Die Bombe habe eine Sprengkraft von mindestens vier Kilogramm TNT gehabt und sei mit Metallstücken gefüllt gewesen. "Die Teile waren identisch mit dem Inhalt der Bombe am Sonntag im Bahnhof von Wolgograd", sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde.

Bei dem Selbstmordanschlag am Sonntag waren mindestens 17 Menschen getötet worden.

Zum Zeitpunkt der Explosion am Montagmorgen sei der Bus der Linie N15, die von einer Plattenbausiedlung in das Stadtzentrum führt, voll besetzt gewesen, sagte ein Mitglied der Rettungskräfte. Die Detonation habe das Fahrzeug völlig zerstört. "Der Knall war kilometerweit zu hören."

Russland und IOC sehen keine Gefahr bei Olympischen Spielen

Trotz der beiden Anschläge sieht Russland die Sicherheit der Olympischen Winterspiele in Sotschi nicht gefährdet. "Was die Wettkämpfe betrifft, sind alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Zusätzliche Schritte werden nicht unternommen", sagte der Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russlands, Alexander Schukow, der Agentur Interfax.

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht keine Gefahr. "Leider ist der Terrorismus ein globales Phänomen, von dem keine Region ausgenommen ist, weshalb die Sicherheit bei den Spielen die oberste Priorität für das IOC ist", teilte das IOC mit. Bei den Olympischen Spielen liege die Sicherheit in der Verantwortung der lokalen Behörden. "Wir haben keinen Zweifel daran, dass die russischen Behörden sie gewährleisten werden", heißt es laut sid.

Präsident Wladimir Putin beauftragte am Montag den Inlandsgeheimdienst FSB, sich in die Ermittlungen einzuschalten. Der Präsident habe sich dazu mit FSB-Chef Alexander Bortnikow beraten, teilte der Kreml mit.

Die Olympischen Spiele gelten als Putins Prestigeprojekt. Wolgograd ist etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt. Die südrussische Stadt ist eine wichtige Industriemetropole und ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt am Unterlauf der Wolga. Im Zweiten Weltkrieg war Stalingrad, wie die Stadt bis 1961 hieß, völlig zerstört worden.

Innenministerium verschäft Kontrollen

Bereits nach dem Anschlag vom Sonntag hatte das russische Innenministerium landesweit verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angekündigt. Alle Bahnhöfe und Flughäfen würden stärker bewacht, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Die Polizeipräsenz werde erhöht und die Kontrollen verschärft.

Kremlchef Putin forderte am Sonntag die Ermittler auf, die Hintermänner der Tat so schnell wie möglich zu enttarnen und zu verhaften, wie ein Kremlsprecher mitteilte. Die Islamisten im Kaukasus werfen Putin eine "blutige Besatzungspolitik" im Konfliktgebiet vor.