Tibetischer Buddhismus Dalai Lama will Dalai Lama abschaffen

Das geistige Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama.

(Foto: AP)

Das geistige Oberhaupt der Tibeter macht den Papst Benedikt: Er tritt zwar nicht zurück, aber der Dalai Lama erklärt sich für verzichtbar. Irgendwann ende jede Tradition.

  • Die fünf Jahrhunderte währende Dalai-Lama-Tradition solle nach seinem Tod enden, sagt das geistliche Oberhaupt der Tibeter in einem Interview. Ein Nachfolger solle für ihn nicht mehr bestimmt werden.
  • Er lobt den Reformprozess in China und kritisiert Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

450 Jahre sind genug

Dass Religionsführer sich selbst manchmal für gar nicht so wichtig halten, hat Papst Benedikt XVI. vorgemacht. Nun äußert sich der Dalai Lama ähnlich: "Die Institution des 'Dalai Lama' wurde zu etwas Wichtigem wegen der politischen Macht", sagte der 79-Jährige in einem Interview der Welt am Sonntag. "Diese gibt es heute nicht mehr." Seit 2011 sei er pensioniert. "Damit enden auch fast fünf Jahrhunderte der Dalai-Lama-Tradition - und das geschieht freiwillig. Politisch denkende Menschen müssen daher einsehen, dass die rund 450 Jahre währende Institution des Dalai Lama ausgedient haben sollte."

Dalai Lama will 113 Jahre alt werden

Auch einen geistlichen Nachfolger benötige man nach seinem Tod nicht mehr: "Der tibetische Buddhismus ist nicht abhängig von einem Individuum. Wir haben eine sehr gute Organisation mit hervorragend ausgebildeten Mönchen und Gelehrten."

Noch ist das allerdings weit weg: Der Friedensnobelpreisträger sagte, er sei zuversichtlich, mindestens 100 Jahre alt zu werden. Seinen Träumen zufolge werde er sogar 113.

Lob für Xi Jinping, Schelte für Putin

Der oberste tibetische Mönch, der 1959 aus Tibet geflohen war, ist zuversichtlich, eines Tages wieder in seine Heimat zurückkehren zu können. China könne sich nicht länger abschotten. Dem neuen Staatspräsidenten Xi Jinping traut er die Öffnung des Landes zu: "Er möchte eine harmonischere Gesellschaft schaffen als jene, die es unter seinem Vorgänger Hu Jintao gab." Der Dalai Lama lobte Xi dafür, dass er den Buddhismus bei einem Besuch im März in Paris als "wichtigen Teil der chinesischen Kultur" bezeichnet hatte. Die Weltgemeinschaft müsse China dabei helfen, ein demokratisches Land zu werden.

Kritik übte der Dalai Lama an Russlands Präsidenten Wladimir Putin: "Herr Putin war erst Präsident, dann Premierminister, dann wieder Präsident. Das ist ein bisschen zu viel. Es zeigt, dass er eine sehr egozentrische Einstellung hat: Ich, ich, ich!"