Terrormiliz Deutsche als IS-Folterknechte in Syrien

Fighters of the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) stand guard at a checkpoint in the northern Iraq city of Mosul Fighters of the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) stand guard at a checkpoint in the northern Iraq city of Mosul, June 11, 2014. Since Tuesday, black clad ISIL fighters have seized Iraq's second biggest city Mosul and Tikrit, home town of former dictator Saddam Hussein, as well as other towns and cities north of Baghdad. They continued their lightning advance on Thursday, moving into towns just an hour's drive from the capital. Picture taken June 11, 2014. REUTERS/Stringer (IRAQ - Tags: CIVIL UNREST POLITICS CONFLICT)

(Foto: REUTERS)
  • Deutsche sind an Folterungen in IS-Gefängnissen beteiligt. Das berichtet ein 27-Jähriger Mann aus Deutschland, der in IS-Gefangenschaft war, dem BKA.
  • Demnach kommt es in IS-Gefängnissen zu brutaler Gewalt. Der Generalbundesanwalt hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet.
Von Georg Mascolo

Der Generalbundesanwalt geht dem Verdacht nach, dass sich deutsche Dschihadisten an der Folterung von Geiseln des Islamischen Staates beteiligen. So sollen sie als Wächter in Gefängnissen des IS arbeiten, in denen auch die später enthaupteten amerikanischen, britischen und japanischen Geiseln einsaßen.

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Hintergrund dieser Ermittlungen sind nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR detaillierte Angaben eines 27-jährigen Deutschen, der bis zum Juni des vergangenen Jahres selber in verschiedenen Gefängnissen des IS saß, darunter in einer Haftanstalt im syrischen Aleppo. Er kam unter bisher ungeklärten Umständen frei.

Deutsche Geisel lernte James Foley kennen - und dessen Mörder "Jihadi John"

In seinen Vernehmungen berichtete der junge Deutsche, dass er in seiner fast einjährigen Haft viele der später hingerichteten Geiseln - unter ihnen die Amerikaner James Foley und Steven Sotloff - kennengelernt habe. Eine Exekution einer Geisel habe er selber beobachten müssen; sie sei erschossen worden. Auch sei er dem berüchtigten Henker "Dschihadi John" begegnet. Britische Behörden wollen ihn inzwischen als den in Kuwait geborenen Mohammed Emwazi, einen studierten Informatiker, identifiziert haben. Der junge Deutsche, der von Terrorismus-Experten des Bundeskriminalamtes vernommen wird, soll über ein außerordentlich gutes Gedächtnis verfügen.

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Nach seinen Angaben sind deutsche Islamisten nicht nur als Wächter, sondern auch als Folterer in den IS-Gefängnissen aktiv. Bei einem von ihnen handelte es sich nach den bisherigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft um Philip Bergner, einen der bekanntesten deutschen Islamisten. Der zum Islam konvertierte frühere Pizzabote aus dem nordrhein-westfälischen Dinslaken ging im Sommer 2013 nach Syrien und soll inzwischen bei einem Selbstmordanschlag nahe der irakischen Stadt Mossul gestorben sein. Die Bundesanwaltschaft lehnte unter Verweis auf laufende Ermittlungen eine Stellungnahme ab.

Scheinhinrichtungen, Waterboarding, Psycho-Terror

In den Gefängnissen des IS kommt es nach Schilderungen von Ex-Geiseln zu schwersten Brutalitäten. Wie im US-Gefangenenlager Guantanamo lassen die Wärter ihre Häftlinge orangefarbene Overalls tragen und foltern sie mit dem sogenannten Waterboarding. Auch komme es immer wieder zu Scheinhinrichtungen mit nicht geladenen Pistolen. IS-Angehörige wie "Dschihadi John" sollen Häftlingen in allen Einzelheiten die bevorstehende Exekution mit dem Säbel beschrieben haben.

Der IS sitzt auf dem Trockenen

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Der Reporter der spanischen Tageszeitung El Mundo, Javier Espinosa, schilderte dies in einem Bericht über sein 194 Tage dauerndes Martyrium so: "Er strich den Säbel über meinen Hals. Spürst du ihn? Kalt, nicht wahr? Stellst du dir schon den Schmerz vor, wenn ich zuschlage? Ein unvorstellbarer Schmerz." Mindestens eine der Geiseln soll so schwer gefoltert worden sein, dass sie den Verstand verlor. Der junge Deutsche wurde nach seinen Angaben geschlagen und getreten.

Während viele der Geiseln inzwischen vor laufender Kamera hingerichtet wurden, kam es nach Recherchen der New York Times in mindestens 15 Fällen angeblich nur deshalb zur Freilassung, weil vor allem europäische Länder Lösegeld zahlten.