Suizid der Zwickauer Terroristen Stoff für die Konspirologen

Was hat die rechtsextremen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den Doppelsuizid getrieben? Eine Zeugenaussage wirft Licht auf die Motive der beiden Männer, die gemeinsam zehn Morde begangen haben. Weder diese Aussage noch der Obduktionsbericht werden jedoch die kursierenden Verschwörungstheorien beenden können.

Von Hans Leyendecker

"Was treibt zwei Personen zum Suizid?" Diese Frage stellte vor zweieinhalb Wochen der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, in einer der vielen Sitzungen in Berlin. Seine Antwort auf die Frage war damals eher eine Mutmaßung: Die Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die am 4. November in einem Wohnmobil tot aufgefunden worden waren, hätten sich offenbar nach einem Banküberfall "in die Enge getrieben gefühlt, weil die Polizei auftauchte". Das "hatten sie vorher auch noch nicht so erlebt. Sie haben dann wohl planvoll gehandelt".

Inzwischen hat der in Untersuchungshaft einsitzende Holger G. ausgesagt, für beide Männer sei klar gewesen, dass sie nicht in die Hand der Sicherheitsbehörden geraten wollten. Sie hätten ihm schon nach ihrer Flucht 1998 erklärt, dass sie in diesem Fall gemeinsam sterben wollten. Holger G., der von den zehn Morden und den anderen Straftaten der Killer nichts geahnt und nichts gewusst haben will, obwohl er 2002 oder 2003 als Kurier ihnen eine Waffe gebracht haben soll, hatte über all die Jahre Kontakt mit den Killern. Das letzte Mal waren sie im Herbst dieses Jahres bei ihm.

Die Selbstmord-Theorie deckt sich auch mit dem Ergebnis der Obduktion. Danach hat Mundlos seinen Komplizen Böhnhardt zunächst mit einem Schuss in die Schläfe getötet und sich dann selbst umgebracht. Die Tatwaffe war eine Pumpgun. Böhnhardt hielt im Tod eine Waffe in der Hand, aus der kein Schuss abgefeuert worden war.

Aber weder die Zeugenaussage noch der Obduktionsbericht werden vermutlich das Geraune um das Ende der beiden Neonazis beenden können. In Gazetten wird weiter über "mysteriöse Umstände" des Todes gemunkelt und behauptet, ein "Suizidmotiv" sei "nicht erkennbar". Ähnliche Formulierungen finden sich auch in Zuschriften an die Ermittlungseinheit "Trio", die den Fall auch mit Hilfe einer Öffentlichkeitsfahndung aufzuklären versucht.

Die Unübersichtlichkeit des Monstrums, das sich "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) nannte, ziehe die Konspirologen an, meint ein Fahnder. Kern der meisten auf diesem Weg vorgebrachten Verschwörungstheorien sei die Vermutung, dass einer der Nachrichtendienste doch stärker involviert gewesen sein müsse als bisher vermutet. Um die vorgebliche Komplizenschaft mit den Killern nicht auffliegen zu lassen, seien die beiden Mörder womöglich erschossen worden, lautet die Theorie.

Große Fälle wie der Fall NSU üben eine magische Anziehungskraft aus - dabei schreibt in aller Regel die Realität die schlichteren Drehbücher.