Sebastian Nerz und Bernd Schlömer Zwei ehemalige Piraten-Chefs wechseln zur FDP

Vor drei Jahren löste Bernd Schlömer Sebastian Nerz als Vorsitzenden der Piratenpartei ab, nun schließen sie sich gemeinsam der FDP an. Weil es keinen Sinne mache, "dass sich die liberalen Kräfte zersplittern".

Von Jan Bielicki

Zwei prominente Köpfe der Piratenpartei sind ins Lager der etablierten Politik gewechselt und haben sich der FDP angeschlossen. Sebastian Nerz und Bernd Schlömer, beide einst Bundeschefs der Piraten, haben bereits Mitte Oktober ihre Mitgliedsanträge bei den Freidemokraten abgegeben.

"Es macht keinen Sinn, dass sich die liberalen Kräfte zersplittern", sagte Nerz der Süddeutschen Zeitung. Darum wolle er nun versuchen, sich in und mit der FDP dafür zu engagieren, dass "wirklich liberale Positionen" im Land eine Stimme bekämen, begründete Nerz seinen Parteiwechsel. Die FDP habe sich unter Parteichef Christian Lindner in die richtige Richtung bewegt, "weg vom falschen Fokus auf wirtschaftliche Deregulation". Nerz warb für eine "liberale Sammlungsbewegung", die für einen "modernen und offenen Staat" stehen werde.

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Rückzug nach heftigen Flügelkämpfen

Der 35-jährige Tübinger war von Mai 2011 bis April 2012 Bundesvorsitzender der Piraten. In seiner Amtszeit zog die Partei in die Landesparlamente von Berlin und dem Saarland ein. Als stellvertretender Bundeschef gehörte Nerz auch unter seinem Nachfolger Schlömer zur Parteiführung.

Mit Schlömer, heute 44, an der Bundesspitze gelangten die Piraten auch in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein in die Landtage, verpassten aber im Herbst 2013 den Einzug in den Bundestag klar. Dazu hatten auch heftig und öffentlich ausgetragene Flügelkämpfe zwischen einem eher liberalen und einem linken Parteilager beigetragen. Danach zogen sich Schlömer und Nerz, die beide den liberal-realpolitischen Kräften innerhalb der Piratenpartei zugerechnet wurden, aus der Parteiführung zurück.

Wie das Engagement die beiden ehemaligen Chef-Piraten in der FDP aussehen wird, ist noch ungewiss. Er stehe jedenfalls bereit, "wenn ich gebraucht werde", sagte Nerz.

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