Schutz vor Antisemitismus Unbedingte deutsche Pflicht

Jeder hat das Recht, Israels Politik zu kritisieren. Das bedeutet aber nicht, dass jüdische Mitbürger beleidigt und geschlagen werden dürfen, während die Polizei danebensteht. Dann haben nicht nur die Beamten versagt, die wegschauen.

Ein Kommentar von Marc Felix Serrao

Es gibt eine Pflicht, die die deutsche Geschichte diesem Volk auferlegt hat: Schützt eure jüdischen Mitbürger. Über so ziemlich alles andere kann man politisch streiten, über diese Pflicht nicht.

In den vergangenen Tagen haben Demonstranten in mehreren deutschen Städten auf Kundgebungen nicht bloß ihren Protest gegen Israels Militäroffensive im Gazastreifen artikuliert, sondern dabei auch antisemitische Parolen gebrüllt. Menschen mit Israelfahnen in der Hand oder mit Kippa auf dem Kopf wurden beleidigt, getreten und geschlagen. Besonders eindrucksvoll ist ein Video aus Berlin. Darauf sieht man, wie ein Mob aus überwiegend jungen Männern erst "Allahu Akbar" und dann "Jude, Jude, feiges Schwein" skandiert. Daneben stehen deutsche Polizisten und tun nichts. Einfach nichts.

Selbstverständlich hat jeder das Recht, Israels Politik zu kritisieren. Aber dieses Gemeinwesen hat auch eine Pflicht den hier lebenden Menschen jüdischen Glaubens gegenüber. Ein Jude, der mit Kippa durch Berlin spaziert, muss sich sicher fühlen können. Tut er es nicht, hat nicht nur die Polizei versagt, die wegschaut. Dann hat die Gesellschaft als Ganzes versagt, Exportvize- und Fußballweltmeister hin oder her. Antisemiten dürfen auf deutschen Straßen keine Bühne bekommen. Heute nicht und nicht in hundert Jahren.