Sanktionen gegen Jossif Kobson Putins Barde

Der russische Sänger Jossif Kobson steht auf der neuesten Sanktionsliste der EU gegen Russland. Er findet, er sei damit in guter Gesellschaft.

(Foto: REUTERS)
  • Neben Politikern und Separatistenführern steht auf der Sanktionsliste der EU gegen Russland auch der Sänger Jossif Kobson. Kobson darf nun nicht mehr in die EU einreisen.
  • Kobson ist auch Mitglied des russischen Parlaments, der Duma.
  • Der im Donbass geborene Sänger hatte Russlands Präsident Putin nach der russischen Machtübernahme auf der Krim per Brief beglückwünscht.
Von Daniel Brössler, Brüssel

Jossif Kobson hat in seinem Leben als Sänger viele Auszeichnungen erhalten, 1984 den Staatspreis der UdSSR und mehrere Orden wegen seiner "Verdienste um das Vaterland". Die neueste Auszeichnung, so stellt es der patriotische Bass dar, kommt nun aus der Europäischen Union. Die EU hat Kobson, der auch Mitglied des Parlaments ist, der Duma, auf die schwarze Liste jener Personen gesetzt, die nicht mehr einreisen dürfen und deren Vermögen gesperrt wird. "Ich bin stolz darauf, mich in der Gesellschaft von Leuten zu befinden, denen das Schicksal Russlands und meiner Heimat Donbass nicht egal ist", zitiert die Agentur Tass den Sänger.

Was Kobson als gute Gesellschaft preist, sind zwei russische Vize-Verteidigungsminister, ein Mitglied des russischen Generalstabs, die Bosse mehrerer Separatistenverbände sowie Mitglieder der "Regierungen" in den selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Sie gehören zu den 19 Personen auf der neuesten EU-Liste mit Einreiseverboten und Kontensperrungen. Aufgeführt wurden außerdem neun Organisationen, vor allem Separatistenverbände wie die Kosakische Nationalgarde oder das Sparta-Bataillon. Insgesamt umfasst die Liste nun 151 Russen und Ukrainer sowie 37 Organisationen und Firmen.

Kobson, 1937 im Donbass geboren, ist als lautstarker Verfechter des russischen Vorgehens in der Ukraine hervorgetreten. Nach der russischen Machtübernahme auf der Krim gehörte Kobson zu einer Gruppe von Künstlern, die Kremlchef Wladimir Putin brieflich beglückwünschten. Später trat er trotz eines von der Regierung in Kiew verhängten Einreiseverbots in Donezk und Luhansk auf. Mittlerweile firmiert er in Russland als Honorarkonsul der "Volksrepublik Donezk".

Ebenfalls nicht mehr in die EU einreisen darf Andrej Kartapolow, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Generalstabs und Direktor der Hauptabteilung Operationen. "In beiden Funktionen ist er aktiv an der Gestaltung und der Umsetzung der Militärkampagne der russischen Streitkräfte in der Ukraine beteiligt", begründet die EU das Einreiseverbot. Im September hatte Kartapolow Flugrouten und Satellitenbilder präsentiert, die zeigen sollten, dass das malaysische Verkehrsflugzeug MH17 auch ukrainischem Beschuss zum Opfer gefallen sein könnte. Kartapolows Präsentation ließ viele Fragen offen und diente augenscheinlich vor allem dem Zweck, Zweifel daran zu säen, dass die malaysische Maschine von einer russischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu bleibt unbehelligt

Die höchstrangigen Russen auf der neuen EU-Liste sind der Erste Vize-Verteidigungsminister Arkadij Bachin und Vize-Verteidigungsminister Anatolij Antonow. Beiden wird vorgeworfen, an "der Unterstützung der Entsendung russischer Streitkräfte in die Ukraine beteiligt" gewesen zu sein. Deren Chef, Verteidigungsminister Sergej Schoigu, lässt die EU bislang unbehelligt, wiewohl über seine Listung immer wieder spekuliert worden war. Damit würde die EU auf den innersten Führungszirkel rund um Präsident Putin zielen, wofür es vermutlich nicht die notwendige Zustimmung aller EU-Staaten gegeben hätte.

Die Außenminister hatten die neue Liste vor einer Woche genehmigt, aber beschlossen, dass sie erst an diesem Montag veröffentlicht wird und in Kraft tritt. Damit sollte eine Störung der Waffenstillstandsverhandlungen in Minsk verhindert werden. Die Rücknahme des Beschlusses nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes war aber wegen der notwendigen Einstimmigkeit unwahrscheinlich.

Ungeachtet seines Stolzes, auf der EUListe zu stehen, muss der Sänger Kobson nun seine Pläne ändern. Eigentlich hatte er, wie er sagt, zur medizinischen Behandlung in den Westen reisen wollen. Ganz neu sind solche Probleme für ihn allerdings nicht. Wegen Kontakten zu einem Mafiapaten verweigerten ihm die USA 1995 ein Visum.