Reform der US-Streitkräfte Amerika rüstet ab

US-Soldaten in Südkorea bei einer Luftschutzübung: Die Zahl der Männer und Frauen vor allem bei der US Army soll deutlich sinken.

Sparzwang im Pentagon: Die USA planen ihr kleinstes Heer seit dem Zweiten Weltkrieg - dafür gibt es mehr High-Tech.

Von Nicolas Richter, Washington

Ein gutes Jahrzehnt nach dem Terror vom 11. September 2001 soll das US-Militär wieder deutlich schrumpfen. Verteidigungsminister Chuck Hagel plant offenbar, die Zahl der Männer und Frauen in der US Army - dem Heer - auf bis zu 440 000 zu senken, dies wäre der niedrigste Stand seit Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Außerdem soll sich die Luftwaffe einer ganzen Flotte von Flugzeugen entledigen, die im Kalten Krieg angeschafft worden waren. Hagels Vorhaben gilt als erster aggressiver Vorstoß, neue gesetzliche Sparvorgaben einzuhalten und die Streitkräfte in ein neues militärisches Zeitalter zu führen. Das Pentagon wollte die Pläne am Montag in Washington vorstellen, die New York Times hatte bereits zuvor über Einzelheiten berichtet.

Die Schrumpfung insbesondere der Landstreitkräfte trägt den politischen Prioritäten von Präsident Barack Obama Rechnung. Er hatte vor seiner Wahl im Jahr 2008 versprochen, Amerikas militärische Abenteuer zu beenden. Obama hat seitdem sämtliche US-Soldaten aus dem Irak heimgeholt; bis Ende des Jahres soll auch der Abzug aus Afghanistan weitgehend beendet sein. Der Etatentwurf aus dem Pentagon trägt auch deutlich die Handschrift Hagels, der seit einem Jahr Verteidigungsminister ist und als langjähriger Kritiker von militärischem Interventionseifer gilt.

Nach dem Rückzug folgt der Sparkurs

Die Stärke der US Army lag am Ende des Zweiten Weltkriegs bei sechs Millionen Mann, während des Vietnamkriegs immerhin noch bei 1,6 Millionen. Nach dem Ende des Kalten Krieges sank die Zahl der Soldaten, bis sie im sogenannten "Krieg gegen den Terror" wieder stieg und 2011 den letzten Höchststand mit knapp 570 000 Männern und Frauen erreichte.

Im Zeitalter hoch technisierter Kampfeinsätze mit Drohnen, Präzisionsraketen, Elite-Einheiten und Cyberangriffen definiert das Pentagon nun den Begriff Truppenstärke neu. Insgesamt werden weniger Männer und Frauen in den Landstreitkräften dienen, dafür sollen sie besser ausgerüstet und ausgebildet werden.

Im Pentagon heißt es, mit der angestrebten Zahl von 440 000 Heeres-Soldaten seien die USA nach wie vor in der Lage, jeden Feind deutlich zu schlagen. Allerdings wäre es in Zukunft nur noch schwer möglich, über längere Zeit ganze Länder zu besetzen oder sogar, wie zuletzt im Irak und in Afghanistan, zwei Länder gleichzeitig.

Republikaner befürchten geschwächtes Ansehen

Hagels Pläne dürften umgehend in die Kritik geraten, insbesondere durch die Republikaner. Die außenpolitischen Falken der konservativen Partei werfen Obama seit Langem vor, ein Bild der Schwäche abzugeben. Eine verkleinerte US-Armee könnte Feinde demnach ermutigen, die USA herauszufordern.

Allerdings hat das Pentagon kaum eine andere Wahl, da das vom Parlament beschlossene Spargebot, Sequester genannt, das Militär besonders hart trifft und eine größere Armee nach dem Ende zweier Kriege schwer zu rechtfertigen ist. Obama und das Parlament haben sich zuletzt auf einen Verteidigungshaushalt in Höhe von 496 Milliarden Dollar pro Jahr geeinigt. Der Betrag dürfte in Zukunft weiter sinken.

Neben dem Heer soll auch die Luftwaffe sparen und offenbar ihre Flotte von A-10-Kampfflugzeugen aufgeben. Diese Maschinen sollten einst im Falle einer möglichen Invasion sowjetischer Streitkräfte in Westeuropa deren Panzer vernichten. Ein ähnliches Szenario gilt heute als unwahrscheinlich. Das Pentagon investiert stattdessen lieber in die Entwicklung neuer Maschinen, wie des umstrittenen Kampfflugzeugs F-35, das erheblich teurer ist als geplant.