Die SPD will sich im Streit um die Wehrpflicht nicht mit Guttenbergs Vorschlag einer Freiwilligen-Armee abspeisen lassen. SPD-Experte Rainer Arnold hält den Vorschlag auch sicherheitspolitisch für unverantwortlich.
Gut abgekupferte Idee oder fataler Vorschlag: Die Pläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zur Reform der Bundeswehr rufen bei den Experten der anderen Bundestagsfraktionen ein geteiltes Echo hervor.
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Einsatz unter deutscher Flagge: Die Bundeswehr umfasst derzeit knapp 250.000 Soldaten. (© dpa)
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Der Verteidigungsexperte der SPD, Rainer Arnold, kritisiert Guttenbergs Vorschlag als "Placebo", die Grünen begrüßen Guttenbergs Reformplan. Nach SZ-Informationen plant Verteidigungsminister Guttenberg, die Bundeswehr auf 165.000 Soldaten zu schrumpfen und die Wehrpflicht auszusetzen. Wer dennoch Wehrdienst leisten möchte, soll das aber dürfen. Die Experten in Guttenbergs Ministerium rechnen im Falle dieser Reform mit jährlich 7500 Freiwilligen.
"Wenn Guttenberg bei uns abkupfert, ist das eine gute Idee", sagte der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, zu sueddeutsche.de. Seine Partei plädiere schließlich schon seit 2004 für diese Reform. Nouripour sieht in Guttenbergs Plänen faktisch eine Abschaffung der Wehrpflicht. Die Komponente mit den Freiwilligen nutze Guttenberg lediglich, um konservative Parteifreunde zu überzeugen. Redlich sei das aber nicht.
In der Union gibt es massive Vorbehalte gegen eine Aussetzung der Wehrplicht. CSU-Chef Horst Seehofer kündigte bereits Widerstand gegen die Pläne Guttenbergs an.
Verteidigungsexperte Arnold kritisiert die Pläne Guttenbergs scharf. Für 7500 Rekruten lohne sich der ganze Aufwand nicht, sagt er zu sueddeutsche.de, das sei nur ein Placebo, um Befürworter der Wehrpflicht ruhigzustellen. Derzeit leisten mehr als 32.000 Männer ihren Grundwehrdienst ab, weitere 26.000 haben ihn freiwillig verlängert.
7500 Personen seien auch zu wenige, um genügend Nachwuchs zu rekrutieren, so der SPD-Politiker. "Wir müssen ein gesellschaftliches Paket schnüren, damit sich noch mehr freiwillig melden."
Elke Hoff, sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, sicherte Guttenberg ihre Unterstützung zu. Die Truppe müsse schnell, flexibel und beweglich sein und vor allem einsatzfähiger werden. "Deswegen ist eine Aussetzung der Wehrpflicht unvermeidlich", ließ die Verteidigungsexpertin mitteilen.
Neben Änderungen bei der Wehrpflicht will Guttenberg nach SZ-Informationen auch die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten von derzeit 195.000 auf 156.000 senken. Insgesamt bestünde die Bundeswehr dann nicht mehr aus knapp 250.000 Soldaten, sondern höchstens aus etwa 165.000.
Auch damit ist der SPD-Sicherheitsmann Arnold nicht einverstanden. "Mit so einer Personalstärke kann Deutschland keinen ernsthaften Beitrag zur Bündnissicherheit liefern", kritisiert Arnold. Wenn ein wirtschaftsstarkes Land wie Deutschland sich "abmeldet", sei das sicherheitspolitisch nicht zu verantworten. Es bestehe die Gefahr, dass sich kleinere Länder im Osten dann stärker an den USA orientierten. "Das ist fatal für die europäische Entwicklung."
Der Deutsche Bundeswehrverband erwartet von der Bundesregierung Gegenleistungen, sollte die Reform tatsächlich so durchgesetzt werden. "Wenn die Armee kleiner ist, muss sie auch feiner sein - sie braucht also eine bessere Ausstattung", sagte Sprecher Wilfried Stolze. Um die Bundeswehr für Freiwillige attraktiv zu machen, brauche es eine Anschubfinanzierung von einer Milliarde Euro.
Die Pläne Guttenbergs hätten bei ihrer Umsetzung auch Auswirkungen auf den Zivildienst, denn wenn junge Männer nicht mehr zum Wehrdienst eingezogen werden, könnte auch niemand mehr zum Zivildienst verpflichtet werden, wie derzeit 40.000 junge Männer. Dies könnten die sozialen Einrichtungen nach Einschätzung des Vereins "Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer" bewältigen. Ihr Geschäftsführer Peter Tobiassen sagt, dass zwischen 1999 bis 2000 die Zahl der Zivildienstleistenden um 48.000 gesunken sei. Damals habe man das auch abfedern können. Allerdings hält er es für notwendig, mehr Plätze für ein freiwilliges soziales Jahr zu schaffen. Davon gebe es zu wenig. "Es ist ein Skandal, dass wir es uns leisten, Leute abzuweisen, die bereit sind, sich für ein Taschengeld zu engagieren."
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(sueddeutsche.de mit Informationen von dpa und apn/gba)
Die Ärzte in München
http://www.unmoralische.de/bundeswehr/wehrbeauftragte.htm
Die brauche doch mit der Wehrpflicht doch nur Menschen zum kommandieren sonst nichts!Die Bundeswehr ist rechtslastig und das ändert die Wehrpflicht nicht sondern nur die unabhängige Kontrolle !Wie das rechte Bild einiger Soldaten aussieht haben die Skandale und der Bericht des Wehrbeauftragten gezeigt!Bürger in Uniform ist eine Phantasie die sich nie durgesetzt hat in dieser Gesellschaft von Befehl und Gehorsam!
Das zeigen doch all die Vorfälle!
Ich gestehe Ihnen gerne zu, daß das dritte Reich gemeinwohlorientierte Ansätze so stark diskretitiert hat, daß es schwer ist, unvoreingenommen über gemeinwohlorientierte verpflichtende Dienste zu diskutieren.
Ich habe trotzdem diesen Versuch gemacht, weil ich die wachsenden Integrationsdefizite, die Erziehungsdefizite sehe, die offenbar Eltern und Schule alleine nicht verkleinern können. Ich sehe auch die wachsende Egomanie bei dem Kampf um die Aneignung von "Verdienst".
Trotzdem sollten wir uns trauen gemeinwohlverpflichtende Ansätze zu diskutieren. Denkverbote haben noch niemanden weitergebracht, sie haben schlimmstenfalls dazu geführt, daß sie von Demagogen als "neues" Denken dann genutzt wurden, um ihre abartigen Ziele mit eigentlich sozial Nützlichem zu bemänteln.
Als ob sich der Wehrpflichtige beschweren würde. Die meisten, die ich kenne, wollten dort nur schnell die Gammelzeit hinter sich bringen. Selbst der letzte Berufssoldat von heute wurde Jahre bis Jahrzehnte nach dem Krieg geboren. Der "Bürger in Uniform" war anfangs wichtig, als noch so mancher Altnazi in der Offiziersriege war - irgendwelche Offiziere mussten wir ja nehmen.
@alk:
Warum soll denn der Ami uns verteidigen, wenn wir seinem Bündniss nicht helfen? Wir können nicht sagen: "Wasch mich, aber mach mich nicht nass." Auf gut deutsch: "Verteidige mich im Ernstfall, aber lass mich ja in Ruhe mit der Bündnisspflicht." Entweder man gehört zu einem Bündniss oder macht einen auf Schweizer, wobei sich das Deutschland als große Industrienation nicht leisten kann.
Wenn alte Männer wie Herr Seehofer die Wehrpflicht wollen, dann sollen sie halt am Hintern der Welt Deutschland verteidigen. Wir in der jungen Generation haben in der Politik keine Stimme, sollen aber für alles den Hintern hinhalten.
archi47 hört sich ein bisschen wie 1947 an.
Seit wann brauchen pauschal alle freien Bürger dieses Landes einen geregelten Tagesablauf, der von einer allgemeinen Dienstpflicht fürs Gemeinwohl eingetrichtert werden soll? Hört sich ein bisschen nach dem /guten/ alten Arbeitsdienst an den ein gewisser Herr A. Hitler auch dazu nutzte Werte in eine Gesellschaft von oben einzutrichtern. Nein Ironie beiseite es ist unerhört die Bundeswehr als eine Art Erziehungsanstalt zu verstehen oder (miss/ge) brauchen zu wollen.
Laut GG ist sie zur Verteidigung und falls notwendig bei Naturkatastrophen im Einsatz.
Da Verteidigung mittlerweile als Weltbefriedung verstanden wird, schließlich verteidigt sich Deutschland auch am Hindukusch und in Afghanistan und Afrika als Beobachter.
Aber wer bei dieser Fülle an Aufgaben daherkommt und behauptet die Jugend lernen dort Werte...
wer bitte schön lernt dort Werte? 1. Gehen im Verhältnis zu einem Jahrgang nicht einmal die Hälfte hin, vgl. 3 Kommentar und 2. Ist es nicht der Job der Einheit pathologische Zustände der Gesellschaft auszubessern.
Und die Lehren aus Weimar, also ein bisschen mehr historisch Genauigkeit täten dem Vergleich gut. Wer war damals in der Reichswehr und wer ist es heute?
Wie alt war die Republik im Vergleich zu heute?
Sind andere westliche Demokratien ohne Wehrpflicht von ständigen Demokratieanfeindungen aus der eigene Armee heimgesucht?
(USA, Frankreich....) NEIN NEIN NEIN.
Ich stimme dem 3. Kommentar erneut zu.
Politik ist von allem heimgesucht nur nicht von Vernunft und der Bereitschaft auch unbeliebte Entscheidungen zu treffen.
Baut den Staatsapparat ab, schafft die Wehrpflicht ab, senkt den Wehretat, nehmt Abschied vom Atomstrom und senkt langfristig das Staatsdefizit!
Paging