Obamas Rede zur zweiten Amtszeit Bessere Aussichten für Obamas Pläne

Die politischen Gegner reagierten erwartungsgemäß reserviert. Obamas Rede habe sie mehr an einen Wahlkampfauftritt als an einen Staatsakt erinnert, sagte die republikanische Senatorin Susan Collins zu Politico: "Vielleicht war dies das Ende der Kampagne und wir können uns nun um die Regierungsarbeit kümmern." Senator John McCain vermisste ein Angebot zur Zusammenarbeit. Noch ärgerlicher reagierte der einflussreiche Abgeordnete Darrell Issa: "Wir hatten gehofft, dass er diesen Tag nutzen würde, um sich an alle Amerikaner zu wenden. Das hat er eindeutig nicht getan."

Es stimmt: Der Adressat der Rede war vielmehr jene bunte Koalition aus Schwarzen, Hispanics, Asiaten, Homosexuellen und Frauen, die dem Demokraten die Wiederwahl ermöglicht hat. Der Erfolg vom 6. November und die Änderungen in der US-Gesellschaft haben in Obama die Überzeugung wachsen lassen, dass immer mehr Bürger seine Werte teilen.

Und der Präsident will die perfekte Maschinerie des Wahlkampfs mit den Millionen E-Mail-Adressen nutzen, um die Republikaner vor sich herzutreiben: Am Samstag wurde mit "Organizing for Action" (OFA) eine neue Organisation gegründet, die unbegrenzt Spenden sammeln darf, um Obamas Anliegen zu unterstützen. Geführt wird der Nachfolger von "Organizing for America" und "Obama for America" von Jim Messina, dem Strategen der Wiederwahl (Details hier).

Treffen ja - aber nicht in der Mitte

In der Washington Post bringt es Dan Balz auf den Punkt: Obama habe den Konservativen klargemacht, dass er weiterhin bereit sei, auf sie zuzugehen - nur würden sie sich nicht zwingend in der Mitte treffen. "Die Botschaft war weniger 'Lasst uns gemeinsam beratschlagen' als 'Folgt mir'", so die Bilanz des erfahrenen Reporters.

Natürlich ist Obama Realist genug, um zu wissen, dass er wohl nicht alle sechs Punkte seiner Agenda wird durchsetzen können. Aber die jüngsten Kämpfe im Haushaltsstreit hätten den Republikanern gezeigt, dass der US-Präsident in einer guten Position ist und die Mehrheit der Wähler die Konservativen als Grund für den Stillstand in Washington ansehen.

Folglich, so vermutet Balz, werden es sich die Republikaner genau überlegen, bei welchem Thema sie blockieren und bei welchem sie zu Kompromissen bereit sind. Stimmt diese Theorie, dann könnte sich der plötzlich so progressive Obama 2016 über einige Erfolge seiner zweiten Amtszeit freuen.

Linktipp: Die Antrittsrede von Barack Obama können Sie in einem interaktiven Special nachlesen - versehen mit vielen Hintergrund-Informationen auf der Website der New York Times.