Rechtsextremismus Mord an linkem Aktivisten schockiert Griechenland

Die rechtsextreme Partei Goldene Morgenröte hetzt in Griechenland schon länger gegen Migranten, Homosexuelle und Linke. Nun hat einer ihrer Anhänger einen linksgerichteten Rapper nach einer politischen Diskussion erstochen. Die Polizei ermittelt.

Es fing angeblich mit einem Gespräch über Fußball an. Olympiakos Piräus spielte in der Champions League gegen Paris Saint-Germain. Doch zwischen den beiden Männern in einem Café in einem Vorort von Athen entbrannte dann offenbar schnell eine hitzige Debatte über Politik.

Was dann passierte, schockiert ganz Griechenland: Einer der beiden, Pavlos Fyssas, wurde beim Verlassen des Cafés offenbar von 15 Männern aufgehalten. Der 34-Jährige ist Hip-Hop-Musiker und in Griechenland unter dem Namen "Killah P" bekannt. Angeblich gehört er der linken Partei Antarsya an. Fyssas' 45-jähriger Gesprächspartner attackierte den Musiker mit einem Messer, berichtet das griechische Portal Ekathimerini. Der 34-Jährige erlag noch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen.

Die Polizei nahm kurz darauf den mutmaßlichen Täter fest. Bei ihm sei ein Messer gefunden worden, heißt es. Die Ermittlungen laufen noch, doch einem Sprecher der Polizei zufolge hat der Festgenommene die Tat bereits gestanden.

Augenzeugen zufolge handelte es sich bei dem mutmaßlichen Täter und den 15 Männern um Mitglieder der griechischen Partei Goldene Morgenröte. Ihre Anhänger wettern in dem Krisenland mit rechtsextremistischen Sprüchen gegen Migranten oder Homosexuelle und sollen für Dutzende rassistische Übergriffe verantwortlich sein. Bei der griechischen Parlamentswahl im vergangenen Jahr errangen die Rechtsextremisten fast sieben Prozent, bei Umfragen rangieren sie auf dem dritten Platz.

Die Polizei durchsucht nun Parteibüros in Athen, berichtet Ekathimerini. Auf einer Pressekonferenz sagte der Minister für öffentliche Ordnung und Bürgerschutz, Nikos Dendias, die Regierung werde Wege suchen, wie die Goldene Morgenröte als verbrecherische Organisation verboten werden könnte. Dendias hatte sich bereits zuvor "sehr beunruhigt" über die Rechtsextremen geäußert.

Die antikapitalistische Partei Antarsya (Antikapitalistische Linke Zusammenarbeit für den Umsturz) und die Kommunistische Partei beschuldigen die Rechtsextremen, einen politischen Mord verübt zu haben. Fyssas sei zum Ziel geworden, weil er sich offen gegen Faschismus engagiert hätte, so der Sprecher der Antarsya. Er wirft nach Informationen von Ekathimerini auch dem Staat Versagen vor: Die Szene vor dem Café habe sich in Anwesenheit von Polizisten ereignet.

Der Sprecher der Goldenen Morgenröte hingegen weist jegliche Verwicklungen der Partei von sich. Dem Sender Skai-Radio sagte er, die Attacke sei nicht politisch motiviert gewesen. Es seien Parteien wie die linke Antarsya, die "ein Klima der Polarisierung und des Krieges" schaffen würden.

Auf Twitter diskutieren mittlerweile viele Griechen unter dem Hashtag #KillahP über den Vorfall und berichten über die Auswirkungen. Der Universitätsdozent Spyros Gkelis berichtet von Auseinandersetzungen vor Büros der Goldenen Morgenröte:

Außerdem soll es Versammlungen gegen die Rechtsextremen geben:

Neben Trauerbotschaften ist auch eine deutliche Wut zu spüren - die Tat dürfte das politische Klima erneut verschärfen.