Erfolg der Faschisten in Griechenland Stimmen des Hasses

Sie wollen die Grenze zur Türkei verminen, ausländische Supermärkte aus dem Land schmeißen und begleiten Rentner mit Bürgerwehren zum Einkaufen. Nun ziehen die Neonazis der "Goldenen Morgenröte" mit Hetze gegen Einwanderer ins griechische Parlament ein. Chrysi Avgi verstört durch herrisches, offen faschistisches und rassistisches Auftreten, doch auch etablierte Parteien springen auf den Zug auf.

Von Kai Strittmatter, Athen

Vielleicht die bemerkenswerteste Pressekonferenz am Abend der Wahl in Griechenland war die der Chrysi Avgi, der "Goldenen Morgenröte". Nicht nur weil ihr Führer, Nikos Michaliolakos, flankiert von zwei muskulösen Glattrasierten, beim Ablesen seiner Rede mehrfach über das "vici" in "veni, vidi, vici" stolperte, bevor er sich für "wicki" entschied.

Verstörendes Feuerwerk: Anhänger der rechtsextremen "Chrysi Avgi" (Goldene Morgenröte) feiern ihren Wahlerfolg in Thessaloniki.

(Foto: Reuters)

Nicht nur, weil er die Politiker der alten Parteien "Verräter" nannte und eine Botschaft für sie hatte: "Sie sollten sich jetzt fürchten. Wir kriegen Sie." Nicht nur, weil er den Sieg den "mutigen Schwarzhemden" seiner Partei widmete, sondern vor allem, weil die Partei die "Konfrontation", die sie der "tyrannischen" Presse versprach, an dem Abend gleich in die Tat umsetzte.

Das Video von dieser Pressekonferenz ist seither eines der meistgeklickten vom Wahlabend. Man sieht einen Skinhead in den Raum kommen, in dem die wartenden Journalisten sitzen. Dann ertönt der gebellte Ruf "Aufstehen!", auf Altgriechisch. Ordner der Partei zerren die Journalisten in die Höhe, die dem Befehl nicht gleich Folge leisten, und als eine Journalistin sich weigert, da wird sie des Saales verwiesen. Es gehe um "Respekt" vor dem Führer, blaffen die Ordner.

Die Zeitung To Vima schrieb hernach: "Diese Partei mag das demokratische System benutzt haben für ihren Aufstieg, aber sie hat keinerlei Respekt vor der Demokratie." Und weiter: "Viele, die am Sonntag für Chrysi Avgi gestimmt haben, haben schon am Tag danach eine Gänsehaut bekommen. Viele wussten nicht wirklich, was sie da taten."

21 Sitze, fast sieben Prozent. Eine Partei, die sich offen nationalsozialistisch nennt, zieht in das Parlament jenes Landes, das bis heute stolz darauf ist, Widerstand gegen Hitlers Truppen geleistet zu haben wie kaum ein anderes. Eine Partei, die für "Nation, Rasse und Volk" kämpft und deren Führer im Athener Stadtparlament mit Hitlergruß auftrat (Nein, kein Hitlergruß, erklärte Michaliolakos hinterher: Hitler habe seinen Arm stets im 90-Grad-Winkel von sich gestreckt, er hingegen bevorzuge 75 Grad).