Rebellen-Fahrzeug Toyota-Hilux Auf der Pritsche

IS-Kämpfer und ihre Fahrzeuge an der syrisch-irakischen Grenze. Die Aufnahme soll im Juni 2014 entstanden sein.

(Foto: AP)

IS-Kämpfer und Taliban, somalische Piraten und libysche Milizionäre - alle fahren Toyota Hilux. Warum Aufständische in aller Welt besonders gerne den japanischen Geländewagen nutzen.

Von Luisa Seeling

Ob Tundra oder Wüstensand - mit dem Toyota Hilux lässt sich widriges Gelände sogar mit schweren Lasten bezwingen, behauptet zumindest der Hersteller. Diese Qualitäten wissen auch die Kämpfer des Islamischen Staats (IS) in Syrien und Irak zu schätzen: Auf Fotos und Videos, die ihren Vormarsch dokumentieren, ist der Hilux oft zu sehen. Und nicht nur dort.

Afghanische Taliban, somalische Piraten, libysche Milizionäre - sie alle schätzen das Fahrzeug, das der US-Sicherheitsexperte Andrew Exum im US-Magazin Newsweek das "fahrende Pendant zum AK-47" nannte. Die Zeitschrift hatte einmal die Länder aufgelistet, in denen schon Toyota-Pick-ups in bewaffneten Konflikten eingesetzt wurden: Libyen, Sudan, Pakistan, Ruanda, Liberia, Irak und Somalia waren etwa dabei. Pick-ups sind das Kriegsfahrzeug des kleinen Mannes und vor allem der Hilux ist zu einem Symbol der asymmetrischen Kriegsführung geworden.

Günstiger und einfacher zu reparieren

Seit 1968 hat der japanische Autokonzern nach eigenen Angaben mehr als 13 Millionen Hilux verkauft. Warum aber schwören Rebellen auf der ganzen Welt auf dieses und ähnliche Modelle? Neben Allradantrieb und Untersetzungsgetriebe punkten die Wagen auch mit ihrer Wattiefe, die beim Hilux bei 700 Millimetern liegt. Diese bezeichnet die maximale Gewässertiefe, die ein Auto durchfahren kann, ohne Schaden zu nehmen.

Pritschenwagen wie der Hilux halten Lasten von bis zu einer Tonne aus - im Bürgerkrieg also vor allem Kämpfer mit Maschinengewehren oder Panzerabwehrraketen, die auf die Ladefläche montiert werden. Toyota-Pick-ups sind zudem günstiger als vergleichbare Modelle anderer Marken, weil konsequenter auf einfache Technik gesetzt wird. Sie können daher leichter repariert werden als Autos mit ausgefeilter Bordelektronik.

Kurdische Peschmerga-Kämpfer auf dem Weg zur Front nach Mossul

(Foto: AFP)

Wie robust der Hilux ist, hat auch die britische Motorshow "Top Gear" getestet. Moderator Jeremy Clarkson ließ dazu einen zunehmend zerbeulten Hilux durch eine Scheune jagen, mit der Abrissbirne malträtieren und durch den Schlick schleifen, um am Ende einzuräumen: "pretty much unkillable", ziemlich unkaputtbar.

In Militärkreisen hat sich für solche umgerüsteten Zivilfahrzeuge der Begriff "Technical" eingebürgert. Der Ausdruck stammt aus dem somalischen Bürgerkrieg Anfang der Neunzigerjahre. Damals durften Nichtregierungsorganisationen kein eigenes Wachpersonal mitbringen, weshalb sie Einheimische anheuerten und mit Pritschenwagen ausstatteten - bezahlt mit "technical assistance grants".

400 Pritschenwagen entschieden den "Toyota-Krieg"

Der Name "Technical" ist allerdings irreführend: Längst sind Pick-ups zum festen Bestandteil von Kriegen geworden. Sie gelangen auf verschiedenen Wegen in Krisengebiete: Einige sind reguläre Käufe, andere werden im Westen als gebraucht ausrangiert und nach Afrika und Nahost weiterverkauft. Zuweilen sind es aber auch westliche Regierungen, die Rebellen mit den Fahrzeugen ausstatten.

So wie im "Toyota-Krieg" 1987 zwischen Libyen und Tschad. Libyens Armee war überlegen, bis Frankreich seinem Verbündeten Tschad 400 Toyota-Pritschenwagen lieferte, aufgerüstet mit Panzerabwehrraketen des Typs Milan. Schon nach wenigen Wochen musste sich Machthaber Muammar al-Gaddafi trotz großen Panzeraufgebots auf einen Waffenstillstand einlassen.

Unkaputtbare Kämpfer

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