Reaktionen auf Bahn-Job Viele halten Pofallas Karriere für einen Witz

Mitte November saß Ronald Pofalla noch als Kanzleramtsminister im Bundestag. Nun wechselt er offenbar zur Deutschen Bahn.

Aus dem Kanzleramt zur Bahn, ein Scherz? Während die Satire-Website Postillon für Verwirrung sorgt, wird die Kritik am neuen Job von CDU-Politiker Ronald Pofalla lauter. Transparency International spricht vom "Verfall politischer Sitten", die Grünen sind empört und viele fordern eine Karenzzeit für Ex-Minister.

20 Jahre lang war Ronald Pofalla ein enger Mitarbeiter von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nun wechselt der 54-Jährige offenbar als Chef-Lobbyist zur Deutschen Bahn. Dabei hatte der CDU-Politiker Ende des Jahres seinen Ausstieg aus der Spitzenpolitik damit begründet, mehr Zeit für seine Familie haben zu wollen - und womöglich war er es auch leid, als Kanzleramtschef ständig "Merkels Prügelknabe" zu sein.

Doch aus der Kritik kommt Pofalla so schnell nicht heraus. Kurz nach der Bekanntgabe des Seitenwechsels machten die ersten Spaßvögel Witze über die Pannen der Bahn und Pofallas Versuch, im Sommer die NSA-Affäre herunter zu spielen (mehr hier: "Pofalla erklärt Bahn-Verspätungen für beendet"). In den sozialen Netzwerken und der Berliner Polit- und Medienblase sorgte hingegen ein Schabernack der Ein-Mann-Satireseite "Der Postillon" für Aufsehen. Hier wurde die wortgleiche Meldung ebenfalls verbreitet - allerdings vordatiert auf den 1. Januar und versehen mit "Wie der Postillon am Mittwochmorgen erfuhr ..."

Nicht jedem Leser war sofort klar, dass sich Satiriker Stefan Sichermann nur einen ziemlich guten Scherz erlaubt hatte. Sie unterstellten verschiedenen Medien, beim Postillon abgeschrieben - und diesen nicht als Quelle genannt zu haben.

Außerhalb der Satire-Welt stieß die Nachricht von Pofallas Wechsel zur Deutschen Bahn auf heftige Kritik. Die Nichtregierungsorganisation Transparency Deutschland sprach von einem "Verfall politischer Sitten". Pofalla werde sein Bundestagsmandat zurückgeben müssen, sagte der Geschäftsführer Christian Humborg dem Kölner Stadt-Anzeiger. Auch die Website abgeordnetenwatch.de warf die Frage auf, wie der 54-Jährige einen Vorstandsposten, der mit mehr als einer Million Euro dotiert sei, mit seinem Abgeordnetenmandat vereinbaren wolle.

Ulrich Kelber (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium, sagte der Passauer Neuen Presse: "Da entsteht der Eindruck, dass der bisherige Kanzleramtsminister gezielt gekauft wird." Schließlich sei Pofalla "nicht als Technikvorstand" im Gespräch, sagte der Sozialdemokrat. Den Berichten zufolge soll Pofalla für politische Kontakte in Berlin und vor allem in Brüssel zuständig sein.