Randale vor dem G-20-Gipfel Ein verheerendes Scharmützel

Rein rechtlich war die Forderung der Polizei in Ordnung, dass der Schwarze Block seine Vermummung ablegen möge. Und doch wirkt es fast so, als habe man die Gewalt dadurch geradezu herausgefordert.

Kommentar von Jan Heidtmann

Welcome to Hell, Willkommen in der Hölle - man hatte diesen Spruch in den vergangenen Tagen häufig gehört, war seiner bereits etwas überdrüssig geworden. Er wirkte fast schon so wie das Bellen eines Hundes, der dann doch nicht beißen würde. Nun ist er doch wahr geworden.

Zwar wurde Hamburg zwischen Reeperbahn und Elbe nicht zur Hölle, aber die Gewalt brach aus. Steine wurden geworfen, Straßenschilder, Autos brannten und Menschen wurden verletzt. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, massiv auch ihre Wasserwerfer, Demonstranten wurden in die Enge getrieben. Nur wenige Stunden nach Beginn der Demonstration ging schief, was nicht hätte schiefgehen dürfen.

Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora hatte die Demonstration angemeldet und am Abend wieder für beendet erklärt. Die Demonstration war genehmigt gewesen, sogar ohne Auflagen, so wie keine andere Protestveranstaltung bei diesem G-20-Gipfel.

Höllen-Nacht in Hamburg

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In einer Stellungnahme warf Blechschmidt der Innenbehörde vor, "eine massive Kampagne" gegen die Protestierenden zu führen. Zwar lässt sich im Nachhinein kaum mehr sagen, wer die Eskalation ausgelöst hat.

Einer der nach Polizeiangaben eintausend Vermummten des Schwarzen Blocks? Oder die Polizei mit ihren Wasserwerfern? Aber es ist deutlich, dass die harte Linie der Polizeiführung maßgeblich zur Eskalation des Protestes beigetragen hat.

Friedliche Protestierende von einer Armada gut gerüsteter Sicherheitskräfte gestoppt

Die Veranstaltung hatte friedlich begonnen, am Fischmarkt wurde am Nachmittag Musik gespielt, es wurden Reden gehalten. Gegen 18 Uhr setzten sich dann die 12 000 Protestierenden in Bewegung, der Weg sollte vom Fischmarkt über die Reeperbahn bis zu den Messehallen führen. Bis auf 300 Meter hätten sie zu dem Ort, an dem an diesem Freitag der Gipfel beginnt, laufen dürfen - so nah wie keine andere Demonstration an das Zentrum der Veranstaltung.

Dieser Verlauf mag einen Teil der Nervosität bei den Sicherheitskräften erklären. Doch dazu kam erst gar nicht mehr, die Polizei stoppte den Zug, kaum dass er sich in Bewegung gesetzt hatte - mit der Forderung, die Demonstranten im Schwarzen Block sollten ihre Vermummung ablegen.

Tausende friedliche Protestierende mussten stillstehen, vor ihnen eine Armada an gut gerüsteten Sicherheitskräften mit Wasserwerfern und Polizeipanzern. Dieser Auftritt und die Forderung nach Entmummung mögen zwar rein rechtlich in Ordnung gewesen sein - es wirkt aber fast so, als habe die Polizeiführung die Gewalt geradezu herausfordern wollen.

Der Ausgang dieses ersten echten Tests für Polizei und Demonstranten beim G-20-Gipfel zeigt, dass Hamburg die falsche Wahl für das Treffen der mächtigsten Regierungschefs der Welt war.

Die Bilder des Gipfels, die nicht nur den Donnerstagabend, sondern auch diesen Freitag mit beherrschen werden, sind die von diesem Scharmützel. Die Anliegen der friedlichen Demonstranten treten genauso in den Hintergrund wie die Verhandlungen der Weltmächtigen.

So hat die Polizei die Demonstranten gestoppt

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