Vor wenigen Monaten noch bejubelten die ägyptischen Aufständischen den Militärrat als Retter. Doch das ist verblasst. Inzwischen verbinden sie die Generäle nur noch mit neuem Machtmissbrauch. Die jetzt aufflammenden Kämpfe auf dem Tahrir-Platz sind die Konfrontation zwischen Armee und Revolutionären, die damals ausgeblieben ist.
Ein Plakat auf dem Tahrir-Platz zeigte unlängst einen Januskopf: Die rechte Gesichtshälfte gehörte dem im Februar gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak, die linke dem Chef des regierenden Militärrates, Mohammed Hussein Tantawi. Für die jungen Liberalen ist der Feldmarschall zur neuen Fratze ägyptischen Machtmissbrauchs geworden. Im Februar war er noch als Retter der Revolution bejubelt worden. So weit ist es gekommen.
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Die ägyptische Generalität hat sich historische Verdienste erworben, als sie im Frühjahr den weltfremden Mubarak aus dem Amt gejagt und eine Eskalation verhindert hatte. Aber sie hat Kredit verspielt, ob aus politischer Unfähigkeit, Gier oder Machtstreben, ist gleichgültig. Sie hat Ägypten nicht befriedet.
In der Schlacht um den Tahrir-Platz findet nun die Konfrontation zwischen Armee und Revolutionären statt, die damals ausgeblieben ist. Nur ist der Einsatz eine Woche vor dem geplanten Wahlbeginn für ein neues Parlament schwindelerregend hoch, die Optionen für einen glücklichen Ausgang aber geschwunden. Duldet die Armee die Revolutionäre, ist dies der Beweis, dass der Staat sein Machtmonopol nicht durchsetzen kann. Wie soll das Land unter diesen Umständen jetzt wählen?
Fegt die Armee die Demonstranten hinweg in Kairo, in Alexandria, Suez und Assuan und wo sonst Menschen gegen den Militärrat marschieren, löst sie wahrscheinlich neue Proteste aus und verstärkt das Klima des Aufruhrs. Die Wahlen und ihre Bedeutung für die künftige Verfassung geben der Auseinandersetzung eine beispiellose Schärfe. Es geht nicht nur um Tantawi. Es geht um die Zukunft Ägyptens. Sie ist in diesen Tagen, bestenfalls, ungewiss.
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(SZ vom 21.11.2011/fran)
Reiseknigge: Türkei
Als neutraler Beobachter kommen einem die westlichen Kommentierungen mittlerweile manchmal doch sehr interessiert und wenig neutral vor. Wir würden uns sicherlich gerne irgendwie westlich geprägte Demokratien vorstellen, aber wir machen die Rechnung wohl ohne den Wirt . Vor rund einer Woche war die große Demonstration durchweg islamistisch geprägt, sodass bei Wegfegung des Militärrates auch eine solche Regierung wahrscheinlich sein wird.
Das kann, aber muss nicht wie im Iran enden. Liberal oder wie auch immer im Westen gewünscht, wird die Sache m.E. aber auf keinen Fall. Es wäre schon gut, wenn es halbwegs wie in der Türkei würde.
Es wird über Ägypten gesprochen. Und im Nu kommen aus den immer gleichen Ecken die Bemerkungen zu Israel. In der Schule hieß das in der Regel: Thema verpasst.
Darüber hinaus ist es doch zu komisch, die Verfechter gegen die Existenz Israels und unglaubhaften Verfechter palestinänsischer Rechte haben es etwas gegen arabische Revolten, die ihrerseits für ihre überfälligen Menschenrechte kämpfen und ihr Leben auf's Spiel setzen. Diese Geo-Politik-Geister schlugen sich für die arabischen Despoten mit fragwürdigen Argumenten betreffend ihres Feinbildes "Westen", indem sie sich in ihren Pantoffeln bestens eingerichtet haben.
Zu Komisch.
Zitat: "Die Araber können Israel leicht aussitzen, lange kann sich so ein gewaltsam errichtetes, künstliches Kolonial-Konstrukt nämlich nicht halten"
Das glauben viele Araber/Palästinenser offensichtlich seit 1948, also seit über 60 Jahren. Fragt sich nur noch, was man als "lange" bezeichnet ?
Naiv sind wohl eher Sie, wenn Sie Ihre Lebensumstände mit denen der Völker in den arabischen Ländern vergleichen, dazu auch noch jämmerlich.
Wie viele Zeitgenossen aus dem Westen, so wie Sie, wollen uns erzählen, dass in der Freidhofsruhe vor den Revolten das bessere Model sehen oder sahen, Hauptsache sie und auch Sie können ihr/Ihr Leben so gestalten, wie sie/Sie es wollen.
In Ägypten, wie in Tunesien, oder auch in Lybien, wie auch später Syrien, wird sich kein absolutisches Despotenregime, ob nun militärisch oder islamistisch, mehr halten können, wie ehemals. Die Zeiten sind endgültig vorbei. Der Weg in eine bessere Zukunft wird zwar ein langer, langwieriger Weg sein, aber kein Weg zurück. In Arabien hat die Heute-Zeit begonnen.
....ich sag mal so, Israel hat seit 1987 den Bau oder Besitz von Atombomben weder explizit eingeräumt noch dementiert. Jeder weiß aber Bescheid. Und die Gegner suchen seitdem nicht nur nach Wahrheiten, sondern auch nach neuen Identitäten.
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