Protest gegen neue EZB-Zentrale Frankfurt wird zur belagerten Stadt

Bestgeschütztes Gebäude am Main: Polizisten rüsten sich für die Demonstrationen von Blockupy (Archiv).

(Foto: dpa)
  • Die EZB weiht in Frankfurt am Main ihre neue Zentrale ein - gerade einmal 25 Gäste sind geladen.
  • Polizei und Behörden erwarten zehntausend Demonstranten aus ganz Deutschland.
  • Die Blockupy-Bewegung hat zu Protestveranstaltungen in der gesamten Stadt aufgerufen.
  • Die Sicherheitsexperten von CDU und Grünen wollen, dass die Polizei Großeinsätze professioneller absolviert und Deeskalation übt.
  • Vor knapp eineinhalb Jahren hatte sich die Frankfurter Polizei im Umgang mit Demonstranten viel Kritik eingehandelt.
Von Susanne Höll, Frankfurt

Die Europäische Zentralbank weiht am Mittwoch offiziell ihr neues Refugium ein, jene zwei ineinander verdrehten Türme im Frankfurter Ostend. Dass EZB-Präsident Mario Draghi in Feierlaune ist, kann man wahrlich nicht behaupten. Jede Eckkneipe würde eine pompösere Einweihungsparty geben als die größte und bedeutsamste Bank des Kontinents.

Gerade einmal 25 Gäste sind geladen, auch für die allermeisten Journalisten bleiben die Türen geschlossen. Ganz kleiner protokollarischer Bahnhof. Draghis Zurückhaltung hat gute Gründe: Es steht nicht besonders gut um den Euro und Europa, die Auseinandersetzungen in der Griechenland-Krise erreichen immer neue wirtschaftlich und politische Tiefpunkte.

Eine große Sause mit Musik, Perlwein und Häppchen für Banker und Staatsführer passt nicht wirklich in die Zeit. Und da sind dann noch die Kapitalismuskritiker von Blockupy, die seit Jahren eine große Demonstration zur offiziellen Eröffnung planen und die Bank an diesem Ehrentag am liebsten lahmlegen würden.

Polizei und Behörden erwarten zehntausend Demonstranten

Falls Draghi glaubte, mit der Mini-Zeremonie die EZB-Skeptiker zu besänftigen, ist er enttäuscht worden. Polizei und Behörden erwarten zehntausend Demonstranten aus ganz Deutschland und etlichen anderen europäischen Ländern, von denen die meisten erfahrungsgemäß zwar laut und keck, aber grundsätzlich friedliebend sein dürften.

Aber es werden sich, das weiß man aus Erfahrung, auch Rabauken auf den Weg machen. Und sie alle werden in der Innenstadt empfangen von etlichen tausend Polizisten, zusammengezogen aus Hessen und anderen Bundesländern. Frankfurt wird spätestens von Mittwoch an eine belagerte Stadt sein, in der bestenfalls ein Großteil des öffentlichen Leben zum Stillstand kommt. Schlimmstenfalls gibt es Randale, zerbrochene Scheiben, verletzte Demonstranten und Polizisten, Provokationen auf beiden Seiten. Alles schon passiert in der Banken-Stadt.

Blockupy hat zu Protestveranstaltungen in der gesamten City aufgerufen, "Mahnwachen" nennen sie das. Gern hätten sie auch direkt vor dem Eingang der EZB demonstriert, das aber haben die Behörden verboten, 100 Meter Abstand verordnet. Vor dem hohen Stahlzaun zum EZB-Gelände werden zusätzlich Absperrgitter mitsamt Stacheldraht installiert. Polizeibusse parken seit dem Wochenende vor der EZB und in der gesamten Innenstadt, man will für allfällige Sponti-Aktionen gewappnet sein. In den Depots stehen Wasserwerfer bereit. Die Zugänge zum EZB-Viertel, Wohn- und Arbeitsort Tausender Menschen, werden gesperrt, nur mit Personalausweis kommen die Anwohner durch.