Protestaktion für Palästina Israel stoppt Anreise von Aktivisten

In Paris abgefangen, von Tel Aviv aus zurückgeschickt: Mit Hilfe einer Schwarzen Liste hat Israel die Einreise Hunderter pro-palästinensischer Aktivisten verhindert - die zeigen sich empört.

Etwa 200 pro-palästinensischen Aktivisten ist die Einreise nach Israel verweigert worden. Die Männer und Frauen seien bereits auf den Flughäfen ihrer Heimatländer daran gehindert worden, an Bord der Flugzeuge zu gehen, berichtete der israelische Rundfunk.

International wird gegen den Umgang Israels mit den Palästinensern protestiert, wie hier in Rom diese Woche - doch im eigenen Land wollen die Israelis Demonstrationen pro-palästinensischer Aktivisten verhindern.

(Foto: dpa)

Auf der schwarzen Liste mit einem Einreiseverbot sollen die Namen von 342 Aktivisten stehen. Israel hatte diese Liste an internationale Fluggesellschaften mit der Aufforderung übergeben, diese Personen nicht zu transportieren. Eine umstrittene Maßnahme: "Israel hat seine Grenzkontrolle nach Europa verlegt und die Fluggesellschaften kooperieren dabei", kritisierte Sophia Deeg vom "Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel" gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Diese willkürlichen Kontrollen richteten sich gegen unbescholtene europäische Bürger.

Mehrere Teilnehmer der Initiative "Willkommen in Palästina" berichteten im sozialen Netzwerk Twitter, dass sich Fluggesellschaften geweigert hätten, sie abzufertigen. Daraufhin protestierten Aktivisten beispielsweise auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle gegen das Reiseverbot. Dutzende wütende Fluggäste belagerten hier Schalter der deutschen Lufthansa. Zuvor war ihnen am frühen Freitagmorgen der Check-in für eine Verbindung in Richtung Tel Aviv verwehrt worden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Zu ähnlichen Protesten kam es in Paris an Schaltern der italienischen Gesellschaft Alitalia. Zwei US-Bürger, die am Freitagmorgen auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv eingetroffen waren, seien zurückgeschickt worden, sagte der israelische Polizeisprecher Mickey Rosenfeld.

Auch in Berlin wurde eine Aktivisten an der Abreise nach Israel gehindert. Die Lufthansa habe der Frau am Donnerstag telefonisch mitgeteilt, dass sie nicht mitgenommen werde, sagte Sophia Deeg vom Koordinationskreis. Die Betreffende ist demnach Dokumentarfilmerin, eine britische Staatsbürgerin, die schon lange in Deutschland lebt. "Die Frau ist total empört, dass sie nicht einreisen darf", sagte Deeg.

Am Flughafen in Genf verursachten Aktivisten Störungen im Flugverkehr. Nachdem etwa 30 Aktivisten der Einstieg ins Flugzeug verweigert wurde, hätten einige versucht, die Sicherheitskontrollen zu überwinden, berichtete die Nachrichtenagentur SDA. Die Flughafenverwaltung habe deshalb um sechs Uhr die Kontrollen für 45 Minuten geschlossen, bestätigte ein Sprecher des Flughafens. Dies habe zu Verzögerungen im Flugbetrieb geführt.

Die Teilnehmer der Initiative "Willkommen in Palästina" wollten nach Angaben der Organisatoren eine Woche lang mit palästinensischen Familien im Westjordanland verbringen und Flüchtlingslager besuchen. Israel glaubt hingegen, dass die Aktivisten an Demonstrationen und Protesten teilnehmen wollen. Die geplante Aktion sollte die Hilfsflotte für den Gaza-Streifen flankieren, die von griechischen Behörden im Hafen von Athen festgesetzt wurde.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies den Vorwurf zurück, geradezu hysterisch auf die Ankunft von unbewaffneten pro-palästinensischen Aktivisten zu reagieren. Jedes Land habe das Recht, Provokateuren die Einreise zu verbieten, sagte Netanjahu der Tageszeitung Jediot Achronot.