Porträt Kurt Waldheim - UN-Chef und umstrittener Präsident Österreichs

Kurt Waldheim ist am Donnerstag im Alter von 88 Jahren verstorben. Er war Generalsekretär der Vereinten Nationen und ehemaliger österreichischer Bundespräsident. Seine Wahl zum Staatsoberhaupt hatte Österreich wegen seiner NS-Vergangenheit in eine jahrelange Isolation geführt.

Mit Kurt Waldheim ist eine der schwersten politischen Krisen in der Nachkriegsgeschichte Österreichs verbunden. Als Generalsekretär der Vereinten Nationen gewann er zwar zunächst internationales Ansehen. Als Bundespräsident aber manövrierte der ehemalige Offizier der deutschen Wehrmacht sich und sein Land wegen seines vergesslichen Umgangs mit der eigenen Vergangenheit in die jahrelange Isolation.

Waldheim wurde als Sohn eines Lehrers am 21. Dezember 1918 in Niederösterreich geboren. Er studierte Jura und absolvierte eine Diplomatenausbildung. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er zur Wehrmacht eingezogen und diente als Offizier zuerst in Rußland und später auf dem Balkan.

1945 trat er in den Auswärtigen Dienst ein und war unter anderem UN-Botschafter Österreichs. Von 1968 bis 1970 war der parteilose Politiker Außenminister.

Bereits 1971 wurde er von der konservativen Volkspartei (ÖVP) für die Bundespräsidentenwahl nominiert. Waldheim verlor zwar, gewann aber im selben Jahr als Nachfolger U Thants das Amt des UN-Generalsekretärs. Während seiner zwei Amtszeiten (1972 bis 1981) war er wiederholt als Vermittler bei internationalen Konflikten aktiv.

Nachdem er 1985 erneut von der ÖVP als Präsidentschaftskandidat aufgestellt worden war, brach in Österreich eine heftige Debatte über seine Rolle als Wehrmachtsoffizier aus, in die auch einflußreiche jüdische Organisationen in den USA eingriffen.

Waldheim-Äußerungen wie "Ich kann mich nicht erinnern" oder "Ich habe nur meine Pflicht getan" gossen weiter Öl ins Feuer. Weite Teile des politischen Österreichs reagierten jedoch angesichts des Drucks aus dem Ausland mit einer Art "Wagenburg-Mentalität" und dem Slogan "Jetzt erst recht".

Waldheim gewann die "Protest-Wahl" im Juni 1986 gegen seinen sozial-demokratischen Gegenkandidaten Rudolf Streicher, blieb aber während seiner gesamten sechsjährigen Amtszeit international isoliert.

1987 setzte die US-Regierung ihn auf eine "Rote Liste", was einem Einreiseverbot gleichkam. Danach konnte er nur in den Vatikan und zu antiisraelischen Diktatoren in den Nahen Osten reisen.

Ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit verzichtete Waldheim auf eine neue Kandidatur. Im politischen Leben Österreichs spielte er danach keine Rolle mehr, blieb aber ein stets gern gesehener Gast bei großen politischen Veranstaltungen.