Pläne der EU-Kommission Weg mit der Plastiktüte

Gerade wenn Plastiktüten nichts kosten, werden sie oft weggeworfen und nicht recycelt. Das will die EU-Kommission mit einem neuen Vorschlag verringern.

Etwa 200 Plastiktüten verbraucht jeder EU-Bürger im Jahr, oft werden sie achtlos weggeworfen. Wegen der enormen Umweltbelastung will die EU-Kommission die Verwendung der Tüten eindämmen. Dabei soll auch ein komplettes Verbot möglich werden.

Auf dem Nachhauseweg ein kurzer Halt beim Supermarkt, es wird mehr als gedacht - also wird schnell zur günstigen Plastiktüte gegriffen: Damit könnte es bald vorbei sein. Die EU-Kommission will wegen der enormen Umweltbelastung die Verwendung von Plastiktüten eindämmen. Am Montag will Umweltkommissar Janez Potocnik den Entwurf für eine Richtlinie vorstellen. Sie soll helfen, den Verbrauch zu verringern.

Dem Papier nach hätten die EU-Staaten selbst die Wahl, Plastiktüten ganz zu verbieten. Bisher geht das nicht. In der Richtlinie 94/62/EG heißt es: "Die Mitgliedstaaten dürfen in ihrem Hoheitsgebiet das Inverkehrbringen von Verpackungen, die dieser Richtlinie entsprechen, nicht verbieten." Diese Vorgabe will Potocnik nun abschaffen. Dafür müssen aber die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen. Zudem werden die Staaten zu neuen Steuern oder Abgaben auf Plastiktüten ermutigt.

Das Problem sind Gratis-Tüten

In Deutschland gibt es seit den siebziger Jahren Plastiktüten in Supermärkten nicht mehr gratis. Heute kosten sie oft etwa 10 Cent. Dennoch schätzt die Umwelthilfe, dass allein hierzulande 10.000 Tüten verbraucht werden - pro Minute. Das Umweltbundesamt (UBA) fordert, eine Bezahlpflicht auch in Kaufhäusern, Elektro- oder Bekleidungsgeschäften einzuführen. In Irland ist durch eine Abgabe von 22 Cent je Tüte der Verbrauch pro Bürger und Jahr von 328 auf 21 zurückgegangen. In Deutschland sind es laut EU-Zahlen derzeit jährlich 71 Tüten.

Doch in vielen EU-Ländern werden Tüten umsonst abgegeben, gerade in Osteuropa und in Portugal liegt der Verbrauch nach Zahlen der EU-Kommission bei mehr als 500 Tüten pro Bürger und Jahr. Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten: Für eine Reihe von Ländern gibt es nur Schätzwerte.

Plastiktüten landen in Flüssen und Meeren

Wichtige Elemente im Kampf gegen die Plastikflut sind eine Mehrfachbenutzung und ein gutes Kreislaufwirtschaftssystem, damit Plastik stärker wiederverwertet wird. Sonst landen Tüten oft in Flüssen oder Meeren und zersetzen sich nach sehr langer Zeit in immer kleinere Mikropartikel. Über Fische, die das Plastik mit Nahrung verwechseln, können so Weichmacher und andere Zusatzstoffe in der menschlichen Nahrungskette landen.

Es wird geschätzt, dass etwa 80 Prozent des Meeresmülls von der Landseite kommen. Daten zu Abfällen an deutschen Ostseestränden deuteten darauf hin, dass sich die kostenlosen Tüten häufiger finden lassen als kostenpflichtige Tüten, sagte Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA).

Insbesondere den leichten Einweg-Tüten sagt die EU-Kommission den Kampf an. Bestehende Regelungen zum Umweltschutz sollen verstärkt werden. In Italien dürfen seit Anfang 2011 beispielsweise nur noch biologisch abbaubare Plastiktüten ausgegeben werden, diese allerdings kostenlos. Umwelt-Experten schlagen vor, ein konkretes europaweites Ziel zur Reduzierung von Plastiktüten festzulegen - ähnlich wie beim Treibhausgas-Ausstoß. Ein Vorschlag ist, dass 2020 jeder EU-Bürger im Schnitt jährlich nur noch etwa 40 Plastiktüten verbrauchen soll. Bisher sind es 198 Stück.