Parlamentswahl in Frankreich Frankreichs Parlament wird jünger, weiblicher, vielfältiger

Mitglieder der Partei "La Republique en Marche" freuen sich nach Bekanntgabe der Ergebnisse der der Finalrunde der franzlischen Parlamentswahl.

(Foto: dpa)
  • Nach der Parlamentswahl werden drei Viertel der Sitze in der französischen Nationalversammlung neu besetzt - viel mehr als gewöhnlich.
  • Der Altersdurchschnitt sinkt auf 48 Jahre.
  • Außergewöhnlich hoch ist auch der Anteil der Frauen: 38 Prozent der Abgeordneten sind weiblich.
Von Lilith Volkert

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird nicht müde zu betonen, dass er die Politik seines Landes rundum erneuern möchte. Nach dem Sieg seiner Partei La République en Marche (LRM) bei der Parlamentswahl werden nun schon erste Veränderungen sichtbar. Drei Viertel der am Sonntag gewählten 577 Abgeordneten kommen neu ins Parlament. Das sind ungewöhnlich viele. In der Regel werden nur 120 bis 270 der Sitze neu besetzt, diesmal sind es 429.

La République en Marche hat gezielt Politik-Neulinge für die Parlamentswahl aufgestellt. Außerdem ist es französischen Politikern seit Kurzem untersagt, mehrere Mandate gleichzeitig wahrzunehmen. Deshalb haben sich vergleichsweise viele Abgeordnete zurückgezogen, um sich etwa ihrem Amt als Bürgermeister zu widmen.

Doch auch von den 354 Parlamentariern, die erneut angetreten sind, wurden nur 148 wiedergewählt. Politische Schwergewichte wie die bis Mitte Mai amtierende Bildungsministerin Najat Vallaut-Belkacem oder Ex-Arbeitsministerin Myriam El Khomri verloren ihren Wahlkreis - zum Teil an politische Anfänger. Ex-Premierminister Manuel Valls (Parti Socialiste) ist diesem Schicksal äußerst knapp entgangen. Er setzte sich mit 139 Stimmen Vorsprung gegen seine linksextreme Konkurrentin durch.

Noch nie gab es so viele Frauen in der Nationalversammlung

Das künftige Parlament wird deutlich jünger, weiblicher und vielfältiger sein als die bisherigen. Die neuen Abgeordneten sind im Durchschnitt 48 Jahre alt - fünf Jahre jünger als in den vergangenen fünf Jahren. 223 Frauen werden im Palais Bourbon sitzen. Mit 38,7 Prozent sind das mehr als jemals zuvor. Zuletzt gab es 155 weibliche Abgeordnete. Die Partei von Präsident Emmanuel Macron und ihre Verbündeten entsenden knapp zur Hälfte Frauen, die Republikaner und der Front National nur ein Viertel.

Die Vielfalt wird auch in beruflicher Hinsicht größer: Deutlich mehr Lehrer, Angestellte und Unternehmer werden in Zukunft über Frankreichs Gesetze entscheiden.

Jüngster Abgeordneter ist der 23-jährige Ludovic Pajot vom Front National. Wie seine Parteichefin Marine Le Pen gewann er sein Mandat im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais. Mit 79 Jahren ist Bernard Brochand der älteste Abgeordnete. Der Republikaner sitzt seit 2001 in der Nationalversammlung. Das Magazin Capital berichtete kürzlich, dass er dort vor allem durch Abwesenheit glänzt. Das mag auch an seinem Nebenjob gelegen haben: 13 Jahre lang war Brochand zusätzlich Bürgermeister von Cannes.

Erstmals sind auch drei korsische Nationalisten im Parlament. Michel Castellani, Jean-Félix Acquaviva und Paul-André Colombani von der Partei Pè a Corsica streben eine größere Eigenständigkeit der Insel Korsika an.

Nun liegt es an den Abgeordneten, auch tatsächlich eine "neue" Politik zu machen. La République en Marche veranstaltet am kommenden Wochenende erst einmal ein Einführungsseminar für seine siegreichen Kandidaten. Dabei soll nicht nur der Zeitplan der angestrebten Reformen besprochen werden. Den Neulingen wird auch erklärt, wie der politische Alltag im Palais Bourbon im Detail funktioniert.

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