Papst Benedikt XVI. Christen sind "das meistverfolgte Volk"

Papst Benedikt sorgt sich um Christen: Auf dieser Archivaufnahme segnet er an Karfreitag 2012 die Gläubigen.

(Foto: dpa)

Vor Studenten eines römischen Priesterseminars beklagte der Papst die Ausgrenzung vieler Gläubiger auch in christlichen Ländern: "Als Christen sind wir überall verirrt und fremd". Auch in Deutschland sehen sich Vertreter der katholischen Kirche zunehmend ins gesellschaftliche Abseits gedrängt.

Papst Benedikt XVI. hat die Christen als "das meistverfolgte Volk" in der heutigen Welt bezeichnet. Grund dafür sei, dass sie unangepasst seien und sich gegen egoistische und materialistische Strömungen stemmten, sagte das Kirchenoberhaupt vor Studenten eines römischen Priesterseminars laut Bericht der Nachrichtenagentur AFP.

"Als Christen sind wir überall verirrt und fremd", sagte der Papst. Es gebe zwar christliche Länder, doch auch in denen seien die Christen fremd, führte er aus. Sie stünden stets außen vor. "Es scheint heutzutage erstaunlich zu sein, dass man noch glauben und danach leben kann", sagte Benedikt XVI.

"Katholikenphobie" in Deutschland

Auch in Deutschland sehen Vertreter der katholischen Kirche ihren Glauben immer mehr an den Rand gedrängt. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner befürchtet eine "Katholikenphobie" in der deutschen Gesellschaft. Meisner (79) forderte seine Seelsorger in einem Brief zu Tapferkeit im Umgang mit öffentlicher Häme und ungerechtfertigten Vorwürfen auf, bestätigte das Erzbistum am Freitag. Die Kirche in Köln war zuletzt massiv in die Kritik geraten, weil sich dort zwei katholische Kliniken geweigert hatten, eine mutmaßlich vergewaltigte Frau zu behandeln.

Kardinal Meisner, der auch Erzbischof von Köln ist, schreibt in seinem Brief, die Kirche in Köln habe "in der öffentlichen Wahrnehmung einen Sturm erlebt, wie ich ihn in meinen Jahren als Bischof selten erlebt habe". Den tieferen Grund dafür sieht er darin, dass "die Entschiedenheit der katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie" sowie die "deutliche Repräsentanz" durch Papst und Bischöfe "immer stärker polarisieren".

Noch deutlicher war am vergangenen Wochenende der Chef der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller geworden. Er witterte gar eine aufkommende "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche.

Innerkirchliche Kritik an Äußerungen

Die Formulierungen Meisners und Müllers wurden am Freitag auch aus dem eigenen Lager kritisiert. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sagte den Zeitungen der WAZ-Gruppe: "Solche Begriffe sind in der Debatte nicht hilfreich, zumal wenn sie historisch besetzt sind." In der Sache stimme er allerdings zu: "Tatsächlich spüre ich in letzter Zeit eine aggressive Stimmung gegen die katholische Kirche", sagte Overbeck. Er sehe aber auch, dass sich die katholische Kirche diese aggressive Einstellung zum Teil selbst zuzuschreiben habe.

Professor Michael Ebertz von der Katholischen Hochschule Freiburg sagte, die Äußerungen der beiden Kirchenmänner seien ein "Ausdruck von Hilflosigkeit". Seit der Aufdeckung des Missbrauchsskandals müssten die Verantwortlichen in der Kirche erleben, dass sie vor ein gesellschaftliches Tribunal gestellt würden, sagte Ebertz der Nachrichtenagentur dpa.