Palästinenser: Blockade durch Israel Deutsche Juden schicken ein Schiff nach Gaza

Neues Kapitel in der Seeschlacht um den Gaza-Streifen: Ein Schiff aus Deutschland soll die israelische Blockade brechen und Hilfsgüter zu den Palästinensern bringen.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Um Gaza wird eine Seeschlacht geführt, mit Waffen, mit Waren und mit Worten. Im aufgewühlten Meer will keine Ruhe einkehren, seit die israelische Marine in der vorigen Woche ein Hilfsschiff für das abgeriegelte Palästinensergebiet enterte und neun Aktivisten tötete. Israels Regierung steht unter Druck, doch sie stellt sich stur: keine internationale Untersuchungskommission, sondern nur eine armeeinterne, keine Aufhebung der Blockade. In Jerusalem hofft man darauf, dass sich die Wogen irgendwann wieder glätten.

Aber damit ist kaum zu rechnen. Denn die Aktivisten wollen die internationale Aufmerksamkeit nutzen und mit immer neuen Schiffen Israel in die Defensive zwingen. Nun soll auch aus Deutschland ein Boot mit Hilfsgütern in die Gewässer vor Gaza geschickt werden - von einer Gruppe deutscher Juden. "Wir wollen mit unserer eigenen Stimme sagen, wir sind da", sagt Edith Lutz, die schon seit Jahren gegen die israelische Blockade des Gaza-Streifens kämpft. 2008 war sie an Bord eines Schiffes der Organisation "Free Gaza", das nach einigem Ringen tatsächlich den Hafen des abgeriegelten Palästinensergebiets anlaufen durfte. Daraus entstand die Idee des "jüdischen Schiffs für Gaza", das nun im Juli mit 15 oder 16 Aktivisten an Bord in See stechen soll. "Das Schiff steht schon im Mittelmeer bereit, die Hilfsgüter warten bei mir im Haus", sagt Lutz. Neben Medizin oder Babynahrung sind auch Instrumente dabei für die Kinder von Gaza.

Als Jüdin, die sich für Palästinenser einsetzt, hat sie sich daran gewöhnt, von allen Seiten angefeindet zu werden. "Das ist das Schicksal, wenn man Brücken bauen will", meint sie. Doch derzeit kommen vor allem positive Reaktionen, und auch aus anderen Ländern wollen sich Juden an der Aktion für Gaza beteiligen. Eine Konfrontation wie beim Sturm auf die türkische Mavi Marmara soll aber vermieden werden. Den israelischen Behörden hat Edith Lutz über die Botschaft in Berlin angeboten, ihr Schiff auf See zu kontrollieren. "Wir verstehen ja die Sicherheitsprobleme", sagt sie, "und wir wollen auch Brücken nach Israel bauen." Für sie ist das "jüdische Schiff für Gaza" auch ein Beitrag dazu, "die Flut an Schiffen, die noch kommen wird, in vernünftige Bahnen zu lenken."

Im Windschatten solcher Hilfsaktionen segeln auch manche unter ganz anderer Flagge. So will jetzt die Regierung in Teheran zwei Schiffe nach Gaza schicken. Der iranische Rote Halbmond soll sie mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern beladen. Doch damit nicht genug: Die iranischen Revolutionsgarden, so hieß es, stünden bereit, die Flottille zu eskortieren. Ähnlich provokante Vorschläge waren zuvor schon aus der Türkei zu hören gewesen. In Israel wurde das bereits als "kriegerischer Akt" verurteilt. Die Folgen eines solchen Kräftemessens auf See wären dramatisch.

Derzeit wird rund um den Gaza-Streifen an allen humanitären und militärischen Fronten aufgerüstet, und Mäßigung ist nicht in Sicht. Angesichts all der Hilfs- und sonstigen Schiffe, die bald Kurs auf Gaza nehmen könnten, arbeiten sogar einige Israelis schon daran, den Spieß einfach umzudrehen. Die Nationale Studentenunion will eine "Friedensflotte" in die Türkei entsenden. Sie soll, so heißt es in Tel Aviv, "humanitäre Hilfe zu den unterdrückten Menschen im türkischen Kurdistan und zur armenischen Minderheit bringen".