Online-Überwachung Rüstungsfirma entwickelt "Google für Spione"

Auch aus dem Hause Raytheon: ein Verteidigungszeppelin

(Foto: Reuters)

Um sechs Uhr morgens im Fitnessstudio: Die Rüstungsfirma Raytheon hat eine Software entwickelt, die soziale Netzwerke auswertet. Der Konzern verspricht, dass er so herausfinden kann, ob eine Person die nationale Sicherheit gefährde.

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast - und vielleicht sogar, was du im nächsten Sommer tun wirst: Der US-Rüstungskonzern Raytheon hat eine Software entwickelt, die verspricht, Social-Media-Daten einzelner Personen auszuwerten, um so Bewegungsprofile zu prognostizieren. Der Guardian zeigt ein Firmenvideo, in dem der Konzern die Suchmaschine anpreist.

Raytheon war bisher als Fabrikant von Flugabwehrsystemen wie dem Patriot und den umstrittenen Drohnen bekannt. Das Unternehmen, das zu den größten Rüstungskonzernen der Welt gehört, macht aber auch in Elektronik.

Die Suchmaschine trägt den Namen "Riot", abgekürzt für "Rapid Information Overlay Technology" und sammelt dem Video zufolge Informationen von Plattformen wie Facebook, Twitter oder Foursquare. Die Software sei bisher nicht an Kunden verkauft worden, allerdings habe Raytheon sie 2010 der US-Regierung und Unternehmen zu Forschungszwecken überlassen, zitiert der Guardian Raytheon.

Ziel sei es gewesen, ein nationales Sicherheitssystem aufzubauen, das "Billionen von Daten" analysieren könne. Im Dezember habe Raytheon ein Patent auf "Riot" angemeldet, schreibt der Guardian. "Riot" diene demzufolge dazu, anhand von Social-Media-Daten zu ermitteln, ob eine Person ein Risiko für die nationale Sicherheit darstelle - eine Art "Google für Spione" also. Im April soll es auf einer Sicherheitskonferenz der US-Regierung und der Industrie vorgestellt werden.

Mit wenigen Klicks erlaubt das Programm dem Firmenvideo zufolge, umfassende Informationen über das private Umfeld einer Person zu ermitteln - von den Freunden bis hin zu den Orten, an denen sich ein Mensch aufhält. So enthielten Fotos, die Nutzer posten, oft automatisch Informationen über den Breiten- und Längengrad, an denen sie entstanden.

Im Video zeigt ein Mitarbeiter von Raytheon die Suchmöglichkeiten anhand seines Kollegen "Nick". Er verfolgt ihn durch seine Foursquare-Check-ins ins Fitnessstudio. Sehr oft hat er Anfang der Woche um sechs Uhr morgens öffentlich in der App gepostet, dass er jetzt vor Ort ist. "Wenn wir Nick also jemals erwischen wollen, dann gehen wir einfach montags um sechs Uhr ins Fitnessstudio", erklärt der Mitarbeiter.

Die Daten aus dem Beispiel sind für Computerinteressierte relativ leicht technisch auslesbar. Die Raytheon-Suchmaschine fasst sie nur komfortabel zusammen.

In vielen Ländern, so der Guardian, sei es legal, Daten von öffentlichen Seiten für die Strafverfolgung zu nutzen. Datenschützer melden dennoch Bedenken gegen die Software an. Nutzern sozialer Medien sei oftmals nicht klar, dass die Informationen, die sie mit ihren Freunden teilten, unter Umständen auch für die Regierung einsehbar seien.

Raytheon verteidigt "Riot". Das Programm lasse es zu, Daten zu analysieren, ohne dass dadurch sensible Daten wie Sozialversicherungsnummern, Bankkonten oder andere Informationen über die finanzielle Situation offengelegt würden.