Öl-Leck in Arkansas Schwarzer Stinkefinger für Exxon

Journalisten müssen draußen bleiben: Der Ölkonzern Exxon Mobil versucht, im Süden der USA die Folgen eines Pipelinelecks zu verschleiern. Reporter werden mit Haftstrafen bedroht, es gilt eine Flugverbotszone. Trotzdem gibt es Bilder und Videos der Umweltverschmutzung - weil Aktivisten sich wehren.

Von Josh Groeneveld

Alyssa Martinez' ausgestreckter Mittelfinger glänzt pechschwarz, ihre ölverschmierte Hand ist einem Laubwald entgegengestreckt. Die Aufnahme stammt aus dem Umland der Kleinstadt Mayflower im südlichen US-Bundesstaat Arkansas. Martinez hatte das Bild am Samstag getwittert: "This is for Exxon".

Exxon Mobil, Adressat der Geste, ist ein US-amerikanischer Mineralölgigant. Am 29. März 2013 bildete sich in dessen 65 Jahre alter Pegasus-Pipeline im Erdboden unter Mayflower ein Riss. Der austretende Teerschlamm ergoss sich in Stadt und umliegende Natur, 22 Häuser mussten evakuiert werden. Erst nach zwölf Stunden stellte der Betreiber die von Illinois an die Golfküste von Texas führende Pipeline ab. Nur scheibchenweise machte Exxon Mobils Angaben zum entstandenen Schaden: Anfangs war von mehreren hunderttausend Litern ausgetretenen Rohöls die Rede, schließlich bezifferte das Unternehmen die Menge auf etwa 556.000 bis 794.000 Liter. Die staatliche Behörde der USA für Umweltschutz, die Environmental Protection Agency (EPA), schätzt aber, dass mehr als eine Million Liter Öl aus dem Leck sickerten.

Repressionen gegen Reporter

Journalisten hält der Konzern gezielt vom Ort des Geschehens fern. Als die Reporterin Lisa Song für das gemeinnützige Nachrichtenportal Inside Climate News versuchte, mit Verantwortlichen der EPA und des Verkehrsministeriums zu sprechen, drohte ihr ein Exxon-Sprecher mit Verhaftung für unerlaubtes Betreten des Katastrophengeländes. Ein Reporter des National Public Radio bekam während seiner Berichterstattung ebenfalls Arrest angedroht. Eine Journalistengruppe in Begleitung des untersuchenden Staatsanwalts Dustin McDaniel wurde von örtlichen Ordnungshütern aufgehalten - Exxon Mobil hätte entschieden, dass sie nicht erwünscht seien. Die Journalistin Song beschrieb die Lage in Mayflower in einem Artikel so:

"Tightly controlled by ExxonMobil, which was responsible for the spill, access to even the parking lot is not permitted. A security guard now stops anyone without a red lanyard and ID badge from passing into the gated compound. [...] The stakes are high and Exxon is running the show here, with federal agencies so far publicly invisible. The phone number of the command center in Mayflower goes to an ExxonMobil answering service based in Texas, and each day it is Exxon that distributes a unified command press release - which contains the logos of Exxon, Faulkner County and the city of Mayflower - with official updates on the progress of the cleanup."

Exxon Mobil übernimmt in der Kleinstadt demnach die Aufgaben staatlicher Behörden. Laut Jay Carney, dem Sprecher des Weißen Hauses, liegt die Koordination vor Ort im Falle einer Ölkatastrophe aber bei der EPA.

Flugverbotszone über Mayflower

Zu Songs Geschichte vom alles kontrollierenden Ölkonzern passt auch ein von der Bundesluftfahrtbehörde der USA, der Federal Aviation Agency (FAA), seit 1. April diesen Jahres verhängtes Flugverbot im Fünfmeilenradius um Mayflower. Kein Flugzeug darf bis auf Weiteres in diesem Umkreis niedriger als 305 Meter tief fliegen.

Laut Gavin Lesnick von der Arkansas Democratic Gazette teilte die FAA mit, dass Luftverkehr nur unter Aufsicht eines gewissen Tom Surhoff erlaubt sei. Surhoff ist laut seinem LinkedIn-Profil Berater für Luftverkehr bei Exxon Mobil. Das Unternehmen streitet via Twitter ab, mit der Flugverbotszone Berichterstattung verhindern zu wollen und verweist auf in der Tat existierende Videos auf YouTube. Luftbilder wie die von Videojournalist Adam Randall lassen hier das Ausmaß der Umweltkatastrophe erahnen, liefern aber keine Detailaufnahmen.

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