NSU-Prozess Ärger mit einem renitenten Szene-Zeugen

  • Im NSU-Prozess sagt ein Zeuge über seine Zeit in Ludwigsburg aus. Er gehörte dort zur rechten Szene und verkehrte in den gleichen Kreisen wie die Neonazis Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe.
  • Markus F. bestreitet aber trotz erdrückender Belege, Kontakt zu den mutmaßlichen NSU-Terroristen gehabt zu haben.
  • In Heilbronn nahe Ludwigsburg soll das Trio 2007 eine Polizistin erschossen haben.
Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

F. redet undeutliches Sächsisch, nuschelt, antwortet pampig

Warum fuhren die NSU-Terroristen 2007 ausgerechnet nach Heilbronn, um dort eine Polizistin zu erschießen? In der Nähe, in Ludwigsburg, kannten die untergetauchten Neonazis früher ein paar Leute, mit denen sie Partys feierten. Man besuchte sich gegenseitig, ging auf Konzerte. Das war in den neunziger Jahren und rund um die Jahrtausendwende. Ob es später noch Kontakte der Ostdeutschen nach Baden-Württemberg gab, ist unklar. Ein wichtiger Zeuge in diesem Zusammenhang tritt am Mittwoch im NSU-Prozess auf: Markus F.

Der 40-jährige Textilreiniger kommt aus Chemnitz. Anfang der Neunziger war er nach Stuttgart gezogen, um dort seine Lehre zu machen. In Heilbronn hat er Verwandte, in Ludwigsburg besuchte er damals die Berufsschule. Dort lernte er den rechten Musiker Michael E. kennen, der zu jener Clique gehörte, in der sich auch Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe bewegt haben sollen. Es gibt mehrere Personen, die das bezeugt haben. Nun sitzt Markus F. auf dem Zeugenstuhl und weiß angeblich von nichts.

Das Gericht muss sich wieder einmal mit einem renitenten Szene-Zeuge herumärgern. Markus F. redet undeutliches Sächsisch, nuschelt, antwortet pampig. Auf Fotos von der Clique erkennt er angeblich nur sich selbst und Michael E., der bereits tot ist. Ansonsten: nichts und niemanden. Er weiß nichts. Kennt niemanden. Hat keine Ahnung, wo und wann die Bilder gemacht wurden.

"Gesoffen"

Er habe viel getrunken damals, sagt der Zeuge. "Gesoffen." Dass dies bereits als Erklärung für die Erinnerungslücken reicht, ist schwer zu glauben.

Markus F. bestreitet nicht, zur rechten Szene gehört zu haben. Für ihn habe das bedeutet, dass er viel getrunken und sich oft geprügelt habe, "mehr kann ich dazu ooch nicht sagen". Ob er denn Beate Zschäpe kenne? "Nicht, dass ich wüsste." Was das bedeute? "Ich weiß es nicht." Vielleicht, so fügt er hinzu, kenne er sie von früher, aber er wisse das einfach nicht mehr.

Als das Trio Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt Anfang 1998 untertauchte, fand die Polizei in der von Beate Zschäpe angemieteten Garage eine Kontaktliste, die Uwe Mundlos angefertigt haben soll. Auf der Liste stand auch die Nummer von Markus F., aber natürlich sagt der, er habe Uwe Mundlos nicht gekannt. Die Belege für das Gegenteil sind erdrückend, aber den Zeugen scheint das gar nicht zu kümmern. Eine Vernehmung beim BKA bezeichnete er einmal als "Affen-Veranstaltung".

Auch wenn Richter Götzl ihn scharf ermahnt, er müsse die Wahrheit sagen und dürfe nichts verschweigen, bleibt der Zeuge bei seiner Linie. Manchmal antwortet er schon mit "Nein" auf Fragen, bevor sie überhaupt zu Ende gestellt worden sind.