NSU-Morde Geheimdienst-Kontrolleure fordern Akten über V-Leute an

Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz bei den Morden der Terrorgruppe NSU? Das parlamentarische Kontrollgremium verlangt nun Einsicht in die umfangreichen Akten über zwei Informanten aus der rechten Szene. Einer von ihnen war im April überraschend gestorben.

Im Zusammenhang mit den Vorgängen um die rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ist vieles ungeklärt, auch was die Rolle von V-Männern angeht. Die Geheimdienst-Kontrolleure im Bundestag fordern nun Akten des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) zu zwei Informanten aus der rechten Szene an.

Das Parlamentarische Kontrollgremium habe sich am Mittwoch mit Blick auf den Tod des V-Mannes "Corelli" von BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen und Generalbundesanwalt Harald Range ausführlich über mögliche Zusammenhänge mit der Mordserie des NSU berichten lassen, teilte der Vorsitzende Clemens Binninger (CDU) in Berlin mit.

Zur Fortsetzung seiner Beratungen habe das Gremium einstimmig beschlossen, umfangreiche Aktenbestände des BfV zu den V-Leuten "Corelli" und "Tarif" anzufordern. "Die Akten werden zeitnah gesichtet, damit sich die Mitglieder des Gremiums ein eigenes Bild über den Sachverhalt machen können", sagte Binninger.

Der vom Verfassungsschutz "Corelli" getaufte Mann war im April tot in seiner Wohnung gefunden worden. Nach Behördenangaben starb er an Diabetes. Der V-Mann hatte jahrelang Informationen aus der rechten Szene geliefert. Bei der NSU spielte er eine undurchsichtige Rolle. Später war eine CD aufgetaucht, die darauf hindeutete, dass er mehr von dem Trio und dessen Taten gewusst haben könnte als angenommen - und zwar schon zwei Jahre vor dem Auffliegen des NSU.

Der damalige Neonazi und Informant mit dem Decknamen "Tarif" will dem BfV 1998 einen Tipp auf das untergetauchte Neonazi-Trio gegeben haben. Dem Neonazi-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe wird die zwei Jahre später begonne Mordserie des NSU angelastet. Die Originalakte zu "Tarif" war in einer viel kritisierten Schredderaktion im Jahr 2011 vernichtet worden.

Nachdem sie von der Polizei entdeckt worden waren, hatte Mundlos zunächst Böhnhardt und dann sich selbst erschossen. Zschäpe steht derzeit in München vor Gericht.