NSA-Abhöraffäre Merkels reiselustiger Schatten

  • Im Oktober 2011 fliegt Kanzlerin Angela Merkel zu einem Besuch nach Vietnam. Schon damals hat sie die Euro-Krise im Gepäck.
  • Die mitreisenden Journalisten aber auch die vietnamesischen Gastgeber fragen sie danach.
  • Was Merkel nicht weiß, auch die NSA interessiert, was die Kanzlerin über Griechenland und den Euro denkt - die Agenten hören ein Gespräch mit einem oder einer Vertrauten ab.
  • Laut einem Bericht nennt sie zwei Alternativen zur Lösung der Krise.
Von Nico Fried

Am Sonntag, 9. Oktober 2011, diskutiert Angela Merkel im Kanzleramt mit Nicolas Sarkozy. Seit rund einem Jahr weitet sich die Euro-Krise aus. Griechenland steht damals schon da, wo es knapp vier Jahre später noch immer stehen wird: vor dem Abgrund. Die deutsche Kanzlerin und der französische Präsident suchen nach einer ganz großen Lösung, um die Euro-Zone auch für den Fall abzusichern, dass Griechenland pleitegeht. Sarkozy, so hält es ein Reporter fest, sagt in der anschließenden Pressekonferenz siebenmal, dass er sich mit Merkel einig sei. Die Kanzlerin selbst betont die Entschlossenheit, die Euro-Zone vor einem Fiasko zu bewahren. Doch konkrete Lösungen präsentieren die beiden nicht.

Angela Merkel in einer Limousine nach ihrer Ankunft in Vietnam im Jahr 2011. Während ihres Besuchs spricht sie mit einem Mitarbeiter über die Euro-Krise. Das Gespräch ist vertraulich. Eigentlich.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am nächsten Tag fliegt die Kanzlerin nach Vietnam. Trotz der Euro-Krise wollte sie diese Reise nicht absagen - es wäre schon das dritte Mal gewesen. So waren Angela Merkel in einem Fall zum Beispiel die Atom-Katastrophe in Fukushima und ihre eigene Energiewende dazwischen gekommen. Und so landet sie am Montag, 10. Oktober, in Hanoi gewissermaßen mit der Euro-Krise im Gepäck. Die Journalisten, die sie begleiten, fragen danach. Auch ihre vietnamesischen Gesprächspartner, der Premierminister, der Parlamentspräsident, der Vorsitzende des Volkskongresses. Was Merkel nicht weiß: Es gibt noch ganz andere Neugierige, die gerne erfahren wollen, wie die Kanzlerin über die Zukunft Griechenlands und der gemeinsamen europäischen Währung denkt.

Was die NSA erfuhr: Die Kanzlerin war angeblich unsicher, was die Lösung sein könnte

Am Dienstag, 11. Oktober, belauscht der amerikanische Geheimdienst NSA offenbar ein Gespräch Merkels mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin. In einem Bericht in englischer Sprache, der eine Woche später über diese Unterhaltung angefertigt wird, steht zu lesen, Merkel habe dieses Gespräch mit einer oder einem "personal assistant" geführt. Merkel hat eine persönliche Assistentin, die sie auf der Vietnam-Reise auch begleitet hat. Denkbar ist, dass die Kanzlerin die Unterhaltung mit ihr geführt hat und dabei in welcher Form auch immer abgehört wurde.

Anhand bestimmter Kennungen auf dem Bericht ist jedoch anzunehmen, dass es sich um ein belauschtes Telefonat Merkels handelte. Wer genau dann mit "personal assistant" gemeint gewesen sein könnte, ist jedoch unklar. Es könnte zum Beispiel Merkels Büroleiterin Beate Baumann gewesen sein, die in Deutschland geblieben war. Wenn Merkel im Ausland unterwegs ist, wird sie meistens vom stellvertretenden Leiter des Kanzlerbüros begleitet, während Baumann in Berlin die Stellung hält. Merkel steht dann kontinuierlich im Kontakt mit Baumann, meistens per SMS, aber auch in Telefonaten.

Merkel soll in dem Gespräch bekannt haben, dass sie unsicher sei, welches die beste Lösung für Griechenland wäre. Als die zwei Alternativen habe sie einen Schuldenschnitt, umgangssprachlich im Englischen wie im Deutschen auch "Haircut" genannt, oder eine sogenannte Transferunion erwähnt.

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