Nordkoreas Diktator Kim Jong Il ist tot Schändliches Erbe des skrupellosen Exzentrikers

Bei seiner Geburt, so geht die Legende, soll ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein: Kim Jong Il blieb der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, umso mehr Mythen ranken sich um sein Leben. Nordkoreas verstorbener Diktator galt als Playboy mit Vorliebe für Tänzerinnen, Cognac und Hollywoodfilme. Er trieb das Atomprogramm voran, während Hunderttausende Landsleute verhungerten. Porträt eines exzentrischen Herrschers.

Mit seinen toupierten Haaren, den Plateauschuhen und seinen aus der Mode gekommenen Blouson-Anzügen wurde Kim Jong Il gern belächelt. Doch Nordkoreas Staatschef war ein ebenso geschickter wie rücksichtloser politischer Machtmensch, der trotz Hungersnöten in seinem Land im Luxus lebte und ein Atomprogramm entwickeln ließ.

Am Samstag starb Kim Jong Il an einem Herzinfarkt. Erst zwei Tage später wurde die Nachricht vom Tod des als "Geliebten Führer" bezeichneten Diktators in den Staatsmedien verbreitet. Bereits seit mehreren Jahren war es mit Kims Gesundheit bergab gegangen. Im Jahr 2008 erlitt er einen Schlaganfall, in dessen Folge seine linke Körperhälfte beeinträchtigt war. Außerdem hatte er Berichten zufolge Nierenprobleme, Diabetes und Bluthochdruck.

Doch Genaues wusste kaum jemand: Kims Gesundheitszustand wurde wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Allein Kims Entscheidungen erschienen in den vergangenen Monaten immer irrationaler, etwa der dem Norden angelastete Angriff auf die südkoreanische Korvette Cheonan im März 2010 in südkoreanischen Gewässern, bei dem 46 Marinesoldaten starben und der Beschuss der südkoreanischen Insel Yonpyong durch das nordkoreanische Militär im November 2010, bei dem vier Menschen getötet und zahlreiche Häuser zerstört wurden.

Nordkorea wies jegliche Verantwortung von sich. Laut CIA-Chef Leon Panetta wollte Kim Jong Il mit solchen riskanten Aktionen die Glaubwürdigkeit seines Sohnes Kim Jong Un in militärischen Belangen unter Beweis stellen.

Denn Kim Jong Il baute seinen jüngsten Sohn, der 1983 oder 1984 geboren wurde, als Nachfolger auf. Kim Jong Il selbst hatte einst seinen Vater Kim Il Sung an der Staatsspitze abgelöst. Eine monarchistische Thronfolge war erfunden, schon damals vollkommen unüblich und der reinen Lehre widerstrebend für ein kommunistisches Regime. Umso bizarrer erschien der Staat nun seinen Nachbarn und der Welt. Als der Begründer Nordkoreas 1994 starb und der Sohn drei Jahre später offiziell seine Nachfolge antrat, wurde der Führerkult auf ihn übertragen.

Um die "Große Sonne der Nation" ranken sich seitdem zahlreiche Mythen. So sollen nach offizieller Darstellung nach seiner von einer Schwalbe angekündigten Geburt am 16. Februar 1942 in einem Partisanen-Camp auf dem heiligen Berg Paekdu in Korea ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein.

Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Ausbildungslager der Roten Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, von wo aus sein Vater eine Einheit im Kampf gegen die japanischen Besatzer Koreas führte.

Atombombe versus Millionen Verhungerte

Unter Kim sollen Schätzungen zufolge zwischen 1996 und 1999 rund eine Million Nordkoreaner verhungert sein. Dennoch fand der Machthaber stets ausreichend Ressourcen, um das Atomprogramm seines Landes voranzutreiben und die Welt 2006 sogar mit Berichten über den ersten Atomwaffentest des Landes zu erschrecken. Notwendige wirtschaftliche Reformen lehnte Kim hingegen stets ab, um die Kontrolle über das Land nicht zu verlieren. Mit Propaganda, Personenkult und gefürchteten Arbeitslagern festigte er seine Macht.

Auch Besucher des weitgehend abgeschotteten Landes und Flüchtlinge zeichneten ein weniger schmeichelhaftes Bild des Staatschefs: Er galt als Playboy mit Vorliebe für Schauspielerinnen und Tänzerinnen, französischen Cognac und westliche Filme - er soll eine Sammlung von 20.000 Hollywood-Filmen besessen haben.

Der Öffentlichkeit bliebt Kim zeitlebens weitgehend unbekannt. Am liebsten zeigte er sich bei Militärparaden und Besuchen in Schulen, Fabriken und Militärstützpunkten. Kim, der seine Mutter im Alter von neun Jahren verlor, soll in der DDR zunächst als "Wirtschaftsexperte" ausgebildet worden sein, bevor er 1964 ins Zentralkomitee der Partei der Arbeit Koreas in Pjöngjang aufgenommen wurde.

Später wurde er Leiter der Propagandaabteilung. 1980 machte ihn sein Vater zur "Nummer zwei" in der Partei. Zu Lebzeiten seines Vaters soll Kim Jong Il für diverse Anschläge verantwortlich gewesen sein. So soll er das Bombenattentat auf den südkoreanischen Präsidenten und Militärdiktator Chun Doo Hwan 1983 im birmanischen Rangun geplant haben, bei dem 17 südkoreanische Regierungsmitglieder getötet wurden.

Auch für den Anschlag auf ein südkoreanisches Verkehrsflugzeug 1987 (Korean-Airlines-Flug 858), bei dem alle 115 an Bord Menschen starben, wurde er verantwortlich gemacht. In welche Richtung sich Nordkorea nach Kims Tod bewegt, ist offen - zu unbekannt ist der junge Nachfolger Kim Jong Un.

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