Nordkorea Nordkorea verhaftet US-Studenten

Wenn er einen Ausländer in die Finger bekommt, benutzt er diese gerne als Faustpfand: Diktator Kim Jong Un.

(Foto: REUTERS)
  • In Nordkorea ist ein US-Student festgenommen worden, ihm könnte wegen Spionage der Prozess gemacht werden.
  • Das Regime hat in der Vergangenheit immer wieder Ausländer inhaftiert, um sie später für Gegenleistungen wieder freizulassen.
  • Nach dem jüngsten Atomwaffentest Nordkoreas sind die Beziehungen zwischen Pjöngjang und Washington derzeit besonders angespannt.

Aktivitäten im Dienste der US-Regierung

Nordkorea hat einen US-Studenten unter dem Vorwurf "feindlicher Aktivitäten" festgenommen. Der junge Mann von der Universität von Virginia sei mit einem Touristenvisum eingereist, um die "Fundamente der Einheit" des Landes zu erschüttern, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Dabei habe der Student "unter der Anleitung der US-Regierung" gehandelt. Welche konkreten Vorwürfe gegen den Studenten Frederick Otto Warmbier erhoben werden, wurde nicht mitgeteilt. Auch war nicht klar, wann der US-Student ins Land gelangte.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, Washington habe Kenntnis von den Berichten über die Festnahme des Studenten. Da diesem Aktivitäten im Dienste der US-Regierung angelastet werden, könnte ihm in Nordkorea wegen Spionage der Prozess gemacht werden.

Gefangene Ausländer Faustpfand bei Verhandlungen

In Nordkorea wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Ausländer festgenommen, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und dann nach Gegenleistungen ausländischer Regierungen wieder freigelassen. Häufig versucht Pjöngjang, die Gefangenen als Faustpfand in Verhandlungen um Konzessionen oder Besuche ranghoher Politiker einzusetzen.

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Im Dezember war ein 60-jähriger kanadischer Priester in Nordkorea wegen Vorwürfen der Aufwiegelung zu lebenslanger Haft mit Zwangsarbeit verurteilt worden. Wenn gegen Ausländer unter dem Vorwurf "feindlicher Aktivitäten" ein Prozess eröffnet wird, versucht Pjöngjang, die Beschuldigten zu öffentlichen Geständnissen zu bewegen. Sie können dann auf eine mildere Strafe oder eine vorzeitige Entlassung hoffen.

Im November 2014 war der aus Südkorea stammende US-Bürger Kenneth Bae freigelassen worden, der im April 2013 zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Bevor Bae und sein Landsmann Matthew Miller freigelassen wurden, war US-Geheimdienstkoordinator James Clapper in geheimer Mission nach Nordkorea gereist.

Angespannte Lage nach Atomwaffentest

Die USA haben keine diplomatischen oder konsularischen Beziehungen mit Nordkorea. In Pjöngjang kümmert sich die schwedische Botschaft mit eingeschränkten konsularischen Mitteln um inhaftierte US-Bürger. Nach dem jüngsten Atomwaffentest Nordkoreas sind die Beziehungen zwischen Pjöngjang und Washington derzeit besonders angespannt. Pjöngjang behauptet, Anfang des Monats erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet zu haben und löste damit internationale Empörung aus.

Atomexperten bezweifeln allerdings, dass es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Die USA fordern eine harte Reaktion des UN-Sicherheitsrats sowie schärfere Sanktionen.

Der Atomtest verschärfte die Lage auf der koreanischen Halbinsel. Südkorea schaltete seine alten Lautsprecheranlagen an der Grenze wieder an, um die nordkoreanische Bevölkerung mit lauter Musik und südkoreanischer Propaganda zu beschallen. Nordkorea schickte binnen einer Woche fast eine Million Flugblätter mit politischer Propaganda an heliumgefüllten Ballons befestigt über die Grenze.