Neues Video von Whistleblower Snowden "Sie beschränken unsere Freiheit zu denken"

"Wer lügt, dem passiert nichts. Wer die Wahrheit sagt, wird verfolgt": Bei seinem ersten Auftritt seit zwei Monaten kritisiert Whistleblower Edward Snowden die US-Regierung scharf. Seine Gesprächspartner in Moskau: ehemalige US-Agenten.

"Die Überwachung bringt nicht mehr Sicherheit, sondern weniger": Mit drastischen Worten hat sich der US-Whistleblower Edward Snowden zu Wort gemeldet. In den ersten öffentlich gemachten Videoaufnahmen seit August warnt er vor der Staatsspionage, die wie "eine Art riesiges Netz ganze Bevölkerungen unter Überwachung stellt".

Das Video wurde während eines Abendessens gedreht. Snowden spricht zu einer Gruppe von vier ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeitern, die ihm am Donnerstag in Moskau einen Preis verliehen hatten. Bei dem Gespräch trägt Snowden einen schwarzen Anzug und ein blaues Hemd ohne Krawatte.

In den Ausschnitten des Gesprächs erhebt Snowden erneut schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung. "Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Justiz sich weigert, hochrangige Offizielle zu bestrafen, die den Kongress vor laufenden Kameras belogen haben", sagt er. "Zugleich lassen sie sich von nichts dabei aufhalten, diejenigen Menschen zu verfolgen, die die Wahrheit sagen."

Auf der ganzen Welt werde den Menschen inzwischen klar, dass Geheimdienstprogramme "uns nicht mehr Sicherheit geben, sie schwächen unsere Wirtschaft, unsere Länder, sie beschränken unsere Freiheit zu reden, zu denken, zu leben und kreativ zu sein, Beziehungen zu haben", sagt Snowden in dem Video weiter.

Der US-Whistleblower hatte im Juni damit begonnen, den Zeitungen Washington Post und Guardian Informationen über umfangreiche Überwachungsprogramme zuzuspielen, mit denen die NSA und andere Geheimdienste massenhaft Telefonate und E-Mails überwachen. Wegen der Enthüllungen wird der 30-Jährige von den USA per Haftbefehl gesucht.

Der Informatiker hatte sich zunächst nach Hongkong abgesetzt und war dann mit einem ungültigen Reisepass nach Moskau geflogen. Dort saß er wochenlang im Transitbereich des Flughafens fest, bevor ihm Russlands Regierung im August für ein Jahr Asyl gewährte.