Neues SZ-Projekt Besser mitreden - willkommen im Democracy Lab

Welche Themen sind Ihnen wichtig? Wie gelingt konstruktiver Dialog? Machen Sie mit bei unserem Projekt Democracy Lab!

(Foto: Illustration Lisa Bucher; Bearbeitung SZ)

Der politische Diskurs in Deutschland ist ruppig geworden. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir im Wahljahr herausfinden, wie wir ihn verbessern können. Und starten ein Experiment.

Von Peter Lindner, Sebastian Gierke, Sabrina Ebitsch, Jan Heidtmann und Bernd Kastner

Die Welt ist in Wallung. Und viele Deutsche sind es auch. Terrorgefahr, Populisten, die Wahl Donald Trumps oder die vielen Flüchtlinge, die ins Land gekommen sind, treiben die Menschen um. Es wird viel geschimpft, geschmäht, gehetzt oder auch gelogen - nicht nur im Netz. Der Ton ist ruppiger geworden, die Diskussionen unversöhnlicher. Das schadet der Demokratie.

"Die liberale Demokratie und das politische, normative Projekt des Westens, sie stehen unter Beschuss", konstatierte Alt-Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Abschiedsrede Anfang des Jahres. Er bezog sich auf jene, die Zweifel an unserer Staatsform säen, die die Rückkehr ins Nationale propagieren, die ausgrenzen und die politische Debatte mit aggressiven Parolen vergiften. Gauck plädierte für eine Kommunikation, die mehr Menschen einbezieht - und setzte damit zum Auftakt des Wahljahres den richtigen Ton.

Besser mitreden - im Democracy Lab der SZ

Was muss sich in Deutschland ändern? Darüber wollen wir im Wahljahr mit Ihnen diskutieren - machen Sie mit beim Democracy Lab. Mehr zum SZ-Projekt finden Sie hier.

Wir müssen reden - so viel steht fest. Wie aber kommen wir alle wieder besser miteinander ins Gespräch? Das wollen wir im SZ Democracy Lab herausfinden, einem Diskurs-Experiment zur Bundestagswahl. Dabei reisen wir quer durch die Republik und gehen auch online der Frage nach, was sich aus Ihrer Sicht in Deutschland ändern muss. Und wir wollen konstruktive Debatten über die von Ihnen gesetzten Themen organisieren - im Netz und bei Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Republik.

Die Möglichkeiten des Austausches sind heutzutage durch die sozialen Medien nahezu unbegrenzt, der Wortschwall schwappt aus allen Ecken. Mit einer Gesprächskultur, wie sie für die Demokratie essenziell ist, hat das jedoch oft wenig zu tun.

Vor allem die Bereitschaft, andere Sichtweisen zu akzeptieren, fehle häufig, meint der Philosoph Daniel-Pascal Zorn. Die Debattenkultur verändere sich zum Schlechteren, das lasse sich überall beobachten, in den sozialen Medien, auf der Straße, an der Universität. Man gehe lieber davon aus, dass man selbst schon richtig liegt. Das führe zwar zu Debatten. Produktiv seien diese aber nicht. Und die "Das-wird-man-doch-wohl-noch-sagen-dürfen"-Fraktion verschiebt die Grenzen des Sagbaren weiter.

Doch wie gelingen Debatten in einer fragmentierten, polarisierten Welt, in der die Distanz zwischen Bürgern und Politikern, zwischen Bürgern und Medien und, ja, zwischen Bürgern und Bürgern zu wachsen scheint? Darauf wollen wir Antworten finden in unserem Democracy Lab. Das Projekt besteht aus zwei Etappen:

1. Zuhören und Themen finden

Am Anfang eines jeden guten Gesprächs steht nicht das Reden, sondern die Bereitschaft, sich auf den anderen einzulassen und ihm zuzuhören. Unser Projekt beginnt deshalb auch mit dem Zuhören: Wir wollen zwölf Tage durch die Republik reisen und mit Ihnen - und Nicht-SZ-Lesern - das Gespräch suchen. An ausgewählten Orten laden wir Sie ein, sich mit Redakteurinnen und Redakteuren der SZ auszutauschen:

Stationen der SZ-Deutschlandreise

27. Juni: München, Tollwood-Festival, 15 Uhr

28. Juni: Wolfratshausen, Marktstraße, 10 Uhr

29. Juni: Gelsenkirchen, Hochstraße, 10 Uhr

30. Juni: Gelsenkirchen, Bahnhofstraße, 10 Uhr

1. Juli: Worms, Obermarkt, 10 Uhr

2. Juli: Mannheim, Luisenpark, 10 Uhr

3. Juli: Bremen, Grasmarkt, 10 Uhr

4. Juli: Bremerhaven, Platz vor der "Großen Kirche", 10 Uhr

5. Juli: Frankfurt an der Oder, Oderturm, 10 Uhr

6. Juli: Beeskow, Marktplatz, 10 Uhr

7. Juli: Jena, Holzmarkt, 10 Uhr

8. Juli: Ronneburg (Thüringen), 10 Uhr, Schmölln (Thüringen), 14 Uhr

SZ-Reporterteams wollen in den jeweiligen Regionen außerdem herausfinden, welche politischen Themen Sie kurz vor der Bundestagswahl besonders bewegen. Unsere Leitfrage lautet: Was muss sich in Deutschland ändern? Die Gespräche, Eindrücke und Erlebnisse arbeiten wir anschließend in Beiträgen auf.

Um Ihre Meinung bitten wir Sie auch online: Mit dem Tool unten können Sie mit wenigen Handgriffen Ihr persönliches Wahlplakat mit Ihrem wichtigsten Anliegen gestalten.

Hier können Sie übrigens auch anschauen, was andere Teilnehmer schon entworfen haben. Die im Netz und vor Ort gesammelten Vorschläge werten wir aus und stellen besonders häufig genannte, relevante Themen online zur Abstimmung. Jeder kann so mitbestimmen, worüber wir bei der zweiten Etappe diskutieren. Zu jedem der ausgewählten Themen, auf die wir uns fokussieren, erstellen wir ein Dossier mit den wichtigsten Informationen - als Grundlage für die Debatte.

2. Über Lösungen diskutieren

Auch hier verzahnen wir Online und Offline: Im August wollen wir Interessierte bei Diskussionen in mehreren Städten und im Netz mit anderen Menschen ins Gespräch bringen. Im Zentrum stehen die von den Lesern gesetzten Themen. Klassische Podiumsdiskussionen oder Talk-Runden, wie man sie zur Genüge kennt, halten wir dabei für wenig geeignet. Stattdessen wollen wir andere, auch ungewöhnliche Gesprächsformate ausprobieren, bei denen ein echter Diskurs entsteht.

Dabei möchten wir Menschen aus verschiedenen Schichten und Altersgruppen, mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen. Sobald die konkreten Themen feststehen, informieren wir Sie darüber, wie Sie wo mitdiskutieren können.

Im besten Fall lernen wir bei unserem Labor-Experiment nicht nur etwas über die politischen Inhalte, sondern auch über die Frage, wie wir wieder besser miteinander reden und streiten können. Ob das klappt, hängt auch von Ihnen ab. Machen Sie mit!

Dieser Beitrag ist Teil des SZ-Projekts Democracy Lab, in dem wir vor der Wahl über Ihre Themen diskutieren wollen. Lesen Sie mehr dazu:

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