Neuer Bundespräsident Politiker streiten über Gaucks "wilde Ehe"

Muss ein Bundespräsident in "ordentlichen" Verhältnissen leben? Und was bedeutet das überhaupt? Nach Joachim Gaucks Nominierung für das Amt debattieren Politiker darüber, ob er seine langjährige Lebensgefährtin heiraten und sich von seiner Frau scheiden lassen soll.

Kaum ist er für das Amt des Bundespräsidenten nominiert, wird schon über die "wilde Ehe" Joachim Gaucks mit der Journalistin Daniela Schadt debattiert. Zuerst preschte ein Hinterbänkler vor: "Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", sagte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis der Passauer Neuen Presse.

Eine scharfe Absage für diese Aussage bekam er vom SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz. "Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: Halt den Mund!", sagte Wiefelspütz der Mitteldeutschen Zeitung. "Das ist eine abwegige Diskussion. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten!"

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ermunterte Gauck scherzhaft, Schadt zu heiraten. "Ich unterstelle mal, dass er (Gauck) seine Lebenspartnerin auch liebt. Und da bin ich dann wiederum auch konservativ, die Frau, mit der ich zusammenlebe und auch weiter zusammenleben will, die kann ich doch auch heiraten", sagte er dem Sender N24. Zu dem Einwand, dass Gauck ja noch gar nicht geschieden sei, meinte er: "Das ist ja dann ein Vollzug. Also, ich würde daraus keine Staatsaffäre machen."

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hält diese Diskussionen für unangebracht. "Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos", sagte Westerwelle der Rheinischen Post. Deutschland sei ein "modernes Land".

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sagte: "Wie Herr Gauck sein Privatleben lebt, geht niemanden etwas an. Und es bildet einen Teil der Realität ab, dass auch Unverheiratete zusammen leben. Ich erwarte da von Herrn Geis den entsprechenden Respekt." Gaucks Privatleben sei geordnet, aber eben "anders geordnet".

Selbst der Vorsitzende der Linken, die Gauck nicht mitwählen wollen, meldete sich kritisch im Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. Klaus Ernst kommentierte: "Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu."

Gauck ist seit zwölf Jahren mit der Nürnberger Journalistin Daniela Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Vor seiner Kandidatur 2010 hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, wenn er Präsident werde. Von seiner ersten Frau und der Mutter seiner vier Kinder ist er noch nicht geschieden.