Neue Partei "Alternative für Deutschland" Europa als globaler Schwächling

Das mit dem Nobelpreis soeben ausgezeichnete Friedensprojekt wäre am Ende. Ein politischer wie wirtschaftlicher Zerfallsprozess würde eingeleitet, der Binnenmarkt zerbräche infolge einer Kettenreaktion der innereuropäischen Verteilungskämpfe, der Protektionismus kehrte zurück und träfe unsere Exportwirtschaft hart. Es käme ein Interessen-Wettlauf des Rette-sich-wer-kann in Gang.

Und selbst wenn das alles friedlich zustande käme, so stünde am Ende die historische Selbstverschweizerung Europas. In einer Welt, in der sich XXL-Supermächte neu formieren, in der sich Amerika von uns abwendet, in der Asien, Arabien und Rußland dynamisch bis aggressiv die Konkurrenz zu uns suchen, schösse sich Europa ins Knie und würde ein globaler Schwächling.

Großbritannien könnte nurmehr versuchen sich als Riesen-Singapur durchzuschlagen, Frankreich würde vollends argentinisieren und Deutschland zum politischen Mittelständler verzwergen.

Der Euro als wichtigste Klammer

Unser Euro-Europa mag umständlich und demokratiedefizitär sein. Und doch ist es das beste, was wir auf unserem kriegsgeschundenen Kontinent seit Jahrhunderten organisiert haben. Eine Schuldenkrise der Staaten, wie wir sie jetzt erleben, hätte in früheren Zeiten zwangsläufig zu Krieg geführt. Heute wird die destruktive Energie im EU-System zivilisiert. Der Euro ist dessen wichtigste Klammer.

Kaum ein anderer Staat profitiert von dieser Friedensordnung mehr als das Zentralstück dieses wirren Europas, als eben Deutschland. Darum liegt es im bürgerlichen und nationalen Interesse, den Lockrufen der Neo-Nationalisten nicht zu folgen. Denn gerade für Wertkonservative ist das europäische Haus der Ort unserer kulturellen, geistigen und christlichen Herkunft. Ohne die Achtung dieser gemeinsamen Herkunft gibt es keine gute Zukunft.

Wolfram Weimer gehört zu den profiliertesten konservativen Publizisten und Verlegern. Er ist Gründungsherausgeber des Magazins Cicero und war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt sowie des Nachrichtenmagazins Focus. In seinem Verlag erscheinen der Wirtschaftskurier und die Börse am Sonntag.