Neue Erkenntnisse zu Zwickauer Terrorgruppe Hinweise auf Verbindung zu Umfeld von getöteter Polizistin

Neue Wende im Fall der in Heilbronn ermordeten Polizistin: Die 24-Jährige könnte Opfer einer gezielten Tat geworden sein - offenbar gibt es Verbindungen zwischen dem Zwickauer Neonazi-Trio und der Familie der Beamtin. Indes sind immer mehr mögliche Unterstützer der Terrorzelle im Visier der Ermittler. Mittlerweile gibt es ein Dutzend Verdächtige und Beschuldigte.

Von Thorsten Denkler und Doris Mosandl

Die Zahl der möglichen Unterstützer des Zwickauer Neonazi-Trios steigt. Nach Angaben von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gibt es derzeit im Umfeld des Terror-Trios "ein Dutzend Verdächtige und Beschuldigte". Es gebe "immer neue Hinweise und Erkenntnisse".

Eine überraschende Wende gibt es vor allem im Fall um die vor viereinhalb Jahren in Heilbronn ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter. Inzwischen gilt es als wahrscheinlich, dass zwischen ihr und dem Zwickauer Neonazi-Trio doch eine engere Verbindung besteht, als bisher angenommen.

Wie sueddeutsche.de von Teilnehmern des Bundestags-Innenausschusses am Montag erfuhr, hatte der Stiefvater der aus Thüringen stammenden Beamtin Kontakt mit Uwe Mundlos, einem der Mitglieder der Terrorgruppe. Demnach gehörte dem Stiefvater der Polizistin eine Kneipe in Thüringen, die als Treffpunkt der rechten Szene galt. In diesem Zusammenhang soll Uwe Mundlos den Gastwirt wegen einer dort geplanten Veranstaltung angesprochen haben.

Die Informationslage ist bisher allerdings sehr verworren. Zwar sprach auch das Bundeskriminalamt (BKA) davon, dass es sich um einen gezielten Mord gehandelt haben könnte. Allerdings war dort nicht von einem Kontakt zwischen dem Stiefvater und Uwe Mundlos die Rede. Aus Kreisen des BKA heißt es lediglich, dass eine Person "aus dem familiären Umfeld" der Polizistin versucht habe, einen Gasthof anzumieten. Diese Kneipe sei dann aber an einen der nun Beschuldigten gegangen.

Auch Innenminister Friedrich bestätigte, dass es eine Verbindung zwischen der Polizistin und der Neonazi-Gruppe geben könnte. In einem ersten Statement vor der Presse sprach er von einer möglichen "Beziehungstat". Auf Nachfrage relativierte er seine Aussage und sprach von einem missverständlichen Begriff: Den Ermittlungen zufolge gebe es einen "Bezug" zwischen der Beamtin und dem Trio. "Das kann auch eine Racheaktion zur Bestrafung von Verwandten dieser Polizisten gewesen sein", sagte Innenausschussmitglied Wolfgang Wieland (Grüne).

Die aus Thüringen stammende Polizistin Michèle Kiesewetter war am 25. April 2007 in Heilbronn auf einer Festwiese mit einem Kopfschuss getötet worden. Ihr damals 24 Jahre alter Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma. Er kann sich nach wie vor nicht an den Überfall erinnern. Die Täter wurden nie gefasst. Nach der Enttarnung der Neonazi-Gruppe wurde allerdings die Dienstwaffe der Polizistin in dem Wohnwagen des Trios gefunden.

Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) um Beate Z., Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wird für die Tötung der Polizistin sowie für die Mordserie an neun Geschäftsleuten türkischer und griechischer Abstammung zwischen 2000 und 2006 verantwortlich gemacht.