Nationalistische Verbündete Putins rechte Freunde

Russlands Mann in Sofia: Wolen Siderow, Gründer und Chef der rechtsextremen Partei Ataka

(Foto: AFP)

Ataka in Bulgarien, Front National in Frankreich, Jobbik in Ungarn: Der Kreml hat zu vielen nationalistischen Parteien in Europa ausgezeichnete Kontakte - und nutzt sie für seine Zwecke.

Von Florian Hassel, Sofia

Wenn Wolen Siderow auf den Westen schimpft, kennt er keine Gnade. Seit Bulgarien Lidl-Supermärkte, Shell-Tankstellen und Raiffeisen-Banken ins Land gelassen hat, dazu Weltbank und Internationalen Währungsfonds, ist die Heimat "kolonial versklavt". So jedenfalls sieht es Siderow, Chef der Partei Ataka (Angriff).

"Nach dem Mauerfall lebten wir in der Illusion, der Westen wolle nur das Beste. Das war ein Irrtum: Tatsächlich kamen sie unter dem Deckmantel der westlichen Demokratie alle nur zu uns, um zu rauben und zu plündern", sagt Siderow, der mit seinem scharfgeschnittenen Gesicht etwas von einem Falken hat und sein Büro im Zentrum von Sofia mit einer unkonventionellen Mischung aus Ikonen und Ölbildern, antiken Gewehren und Säbeln schmückt.

Bulgariens Politiker seien an dem Zustand mitschuldig, schließlich träten - außer ihm - alle regelmäßig zum Rapport beim US-Botschafter in Sofia an. Als Teil des Osmanischen Reiches habe Bulgarien einst unter dem "türkischen Joch" gelitten, sagt Siderow, heute leide sein Land unter der "oligarchischen Weltmafia", sprich: USA und EU. Auch im eigenen Land sieht er Feinde, "vor allem zigeunerische Diebe, Vergewaltiger und Mörder". Siderows Rezept: mehr Polizisten, eine Aufrüstung der Armee, die Verstaatlichung zentraler Industriezweige, Religionsunterricht in der Schule sowie Volksabstimmungen über einen Austritt aus Nato und EU.

"Wir Bulgaren fühlen uns traditionell mit Russland verbunden", sagt der Parteichef

Nur für ein Land hat Siderow, der mit seiner 2005 gegründeten Ataka-Partei im Parlament ein wichtiger Machtfaktor ist, immer gute Worte übrig: "Wir Bulgaren fühlen uns traditionell mit Russland verbunden." Ohne Atakas Duldung wäre im Sommer 2013 eine moskaufreundliche Regierung nicht ins Amt gekommen; zuletzt stimmte Ataka Anfang April für ein Gesetz, die eine Erdgaspipeline des Gazprom-Konzerns durch Bulgarien der EU-Aufsicht entziehen soll. Und falls Bulgarien bei einer weiteren Zuspitzung der Ukraine-Krise schärfere EU-Sanktionen gegen Russland mittragen sollte, will Siderow "alles für den Sturz dieser Regierung tun".

Seine russlandfreundliche Botschaft verbreitet Ataka im ärmsten EU-Land mit einem für eine kleine Partei erstaunlichen Aufwand. Im ganzen Land werben Plakate mit Siderows Konterfei für Atakas Fernsehsender Alfa - ein Luxus, den sich sonst keine Partei leisten kann. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Russland Ataka finanziert. Siderow bestreitet dies: "Wir haben nie Geld von Russland oder von russischen Firmen bekommen und tun dies auch heute nicht." Ataka bekomme nur Geld vom Staat, etwa 1,6 Millionen Euro im Jahr.

Ein Diplomat in Sofia ist nicht überzeugt: "Allein die Werbekampagne der letzten Monate kostet schon mehrere hunderttausend Euro - von den Kosten für den Fernsehsender ganz zu schweigen." Fest steht, dass Ataka Moskau bedingungslos unterstützt und Parteichef Siderow dort auch bei besonderen Anlässen zu Gast ist, so beim 60. Geburtstag von Präsident Wladimir Putin Anfang Oktober 2012. Empfangen wurde Siderow von Parlamentspräsident Sergej Naryschkin, wie Putin ein KGB-Veteran.