Der Tag zum Nachlesen. Von Thorsten Denkler, Berlin, Michael König, Hannah Beitzer und Marc Widmann

Wulff ist weg, wer wird nun neuer Bundespräsident? Es kursieren bereits mehrere Namen - Kanzerlin Merkel möchte einen Konsenskandidaten finden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat ihr schon abgesagt, anders als Joachim Gauck, der sich bisher nicht äußern will.

Um kurz nach elf Uhr tritt Christian Wulff in Schloss Bellevue vor die Presse und erklärt seinen Rücktritt als Bundespräsident.

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[] Die Begründung: Wulff sagt, er habe nicht mehr das nötige Vertrauen der Bürger. "Aus diesem Grund wird es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist. Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen." (Wulffs Erklärung im Wortlaut.)

[] Die Reaktion der Kanzlerin: Kurze Zeit später gibt auch Angela Merkel ein Statement ab und erklärt, bei der Auswahl eines Nachfolgers auf SPD und Grüne zugehen zu wollen. Sie bedauert Wulffs Entscheidung und zollt ihm Respekt. Innerhalb von nur eineinhalb Jahren muss bereits zum zweiten Mal ein Staatsoberhaupt gefunden werden. (Merkels Erklärung im Wortlaut.)

[] Was passiert nach Wulff: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Für Süddeutsche.de berichten Thorsten Denkler (@thodenk), Berlin, und Michael König (@michikoenig).

20:09 Uhr Gauck: "Ich begleite das nicht mit positiven Gefühlen"

Joachim Gauck hält eine Lesung im Theater Koblenz, zahlreiche Kamerateams erwarten ihn. "Ich begleite das nicht mit positiven Gefühlen", sagt Gauck zum Wirbel um die Wulff-Nachfolge. Er habe in einer Veranstaltung mit 300 Schülern von dem Rücktritt erfahren, eine Schülerin habe die Nachricht auf ihrem Handy entdeckt. Ob er zur Verfügung stehe? "Eine Antwort wäre schön für Sie, aber Gauck sagt nichts", sagt Gauck gut gelaunt. Was er denn jetzt von der Kanzlerin erwarte? "Sie soll Deutschland weiter so tüchtig regieren und offen sein für die Idee Europas." Dann sagt er noch, dass er ein glücklicher Mensch sei, gut beschäftigt mit vollem Terminkalender - und dass es ein langweiliger Abend werde für alle, die News erwarten. Und verschwindet im Bühneneingang.

19:50 Uhr De Maizière sagt Merkel ab

(© dapd)

Verteidigungsminister Thomas de Maizière will nicht Bundespräsident werden. Der CDU-Politiker verwies am Freitag in Washington während seines USA-Besuchs darauf, dass er dies bereits in den vergangenen Wochen deutlich gemacht habe. "Meine Äußerung von damals gilt weiter", sagte de Maizière. Im Januar hatte er Spekulationen als "abwegig" bezeichnet, er komme als Nachfolger von Christian Wulff in Betracht. Zum Rücktritt von Wulff sagte de Maizière, der Schritt verdiene Respekt.

18:53 Uhr Gauck: "Sind Sie wegen mir hier?"

Gegen 18.20 Uhr steigt in Koblenz ein fröhlicher Joachim Gauck aus dem Intercity. Er wird hier am Abend eine Lesung halten, Journalisten und Fotografen erwarten ihn schon. "Sind Sie wegen mir hier?", fragt Gauck gutgelaunt. "Ich werden nichts sagen, Sie können ruhig Feierabend machen." Bevor er mit dem Taxi zu seinem Drei-Sterne-Hotel in der Innenstadt aufbricht, zweifelt er noch daran, dass die Reporter den ganzen Abend durchhalten werden. "Die Journalisten haben doch Ameisen im Hintern - halten Sie eine lange Lesung überhaupt durch?"

18:28 Uhr Wulff ist zu Hause

Nach seinem Rücktritt ist Christian Wulff in seinem Wohnort Großburgwedel in der Region Hannover eingetroffen. Zusammen mit seiner Ehefrau Bettina kam er am Freitag kurz nach 18 Uhr an seinem Einfamilienhaus an.

17:31 Uhr Wulff-Ermittlungsverfahren beginnt offiziell um Mitternacht

Das förmlichen Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff beginnt um Mitternacht. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hans-Jürgen Lendeckel. Er wollte aber nicht Stellung dazu nehmen, ob am Wochenende konkrete Aktionen der Staatsanwaltschaft zu erwarten seien. "Mehr werde ich dazu nicht sagen. Auch zum weiteren Fortgang des Verfahrens werde ich mich nicht äußern." Die Justiz will gegen Wulff wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme ermitteln. Im Fokus des Verfahrens steht das dienstlich-private Verhältnis zwischen Wulff und dem Filmfondsmanager David Groenewold. Auch gegen ihn soll ermittelt werden.

17:24 Uhr Gauck noch unentschieden

Joachim Gauck hat sich nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob er nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff erneut zu einer Kandidatur für das höchste Staatsamt bereit ist. "Geben Sie mir einfach noch ein wenig Zeit", sagte er dem Bayerischen Fernsehen.

17:07 Uhr Parteichefs der Koalition beraten heute über die Nachfolge

Die drei Parteichefs der schwarz-gelben Koalition kommen bereits am Freitagabend im Kanzleramt zu ersten Beratungen über die Nachfolge von Wulff zusammen. Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Philipp Rösler (CSU) wollen sich gegen 18 Uhr treffen, um über einen Kandidaten zu sprechen, schreiben die Nachrichtenagenturen afp und dapd unter Berufung auf Koalitionskreise. Am Samstagmorgen kommen dann die Fraktionschefs dazu.

16:59 Uhr Koalition trifft sich am Samstag

Die Spitzen von Union und FDP kommen am Samstagmorgen zu Beratungen über die Nachfolge von Bundespräsident Christian Wulff zusammen. Wie die Nachrichtenagentur dapd aus Koalitionskreisen erfuhr, nehmen an dem Treffen im Kanzleramt die Parteichefs von CDU, CSU und FDP teil sowie die jeweiligen Fraktionschefs und die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt. Angeblich wollen Union und FDP möglichst schon am Wochenende einen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorschlagen, der bei den Oppositionsparteien Akzeptanz finden könnte.

16:02 Uhr Staatsanwaltschaft beginnt Ermittungen am Samstag

Wann endet Wulffs Immunität? Theoretisch ist der Politiker nach seinem Rücktritt nicht länger vor der Strafverfolgung geschützt. Die Staatsanwaltschaft Hannover will aber offenbar sichergehen. Auf dapd-Anfrage teilte ein Sprecher mit, man werde erst am Samstag mit den Ermittlungen gegen Wulff wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung beginnen. Am Freitag bestehe die Immunität noch.

15:27 Uhr Streit über erneute Gauck-Kandidatur im Netz

Guter Kandidat oder "#NotMyPresident"? Joachim Gauck polarisiert. (© dapd)

"Ich bin doch nicht Lena, ich bin 70!", sagte Joachim Gauck 2010 im Interview mit jetzt.de voller Erstaunen darüber, dass er binnen kurzer Zeit Zehntausende Fans bei Facebook angesammelt hatte. Obwohl er, wie er damals einräumte, "bis heute nicht weiß, wie das geht".

Knapp zwei Jahre später ist von Lena keine Rede mehr. Gauck taugt jedoch immer noch als Netz-Thema, wie Platz drei der meistdiskutierten Themen auf Twitter beweist. Seine Facebook-Gruppe hat wieder regen Zulauf. Aber diesmal gibt es auch zahlreiche Gegenstimmen.

Dass Gauck die Occupy-Bewegung einst als "unsäglich albern" bezeichnet hat, wird ihm von einigen Netznutzern ebenso übel genommen wie seine Meinung, "die Speicherung von Telekommunikationsdaten" sei "nicht der Beginn eines Spitzelstaates". Bei den Gegnern der Vorratsdatenspeicherung kommt das ganz schlecht an.

Gerne verlinkt wird nun auch wieder ein Eintrag des Bloggers fefe, der aus seinem Hang zu Verschwörungstheorien keinen Hehl macht und im Juni 2010 anmerkte, Gauck sei Mitglied im Verein Atlantik-Brücke - und daher bei den Neoliberalen zu verorten. Hinzu kommt die Erinnerung an ein Gauck-Zitat aus dem Dezember, wonach Thilo Sarrazin mit seinem Buch Deutschland schafft sich ab "Mut bewiesen" habe.

Die daraus resultierende Ablehnung Gaucks, bei Twitter mit steigender Tendenz, liest sich dann so: "#NotMyPresident", "#NoGauck" und "#OccupyBellevue".

Linktipp: Ein Leser von Zeit Online macht seiner Enttäuschung Luft: "Der Pfarrer Joachim Gauck ist wie eine Jugendliebe, die mittlerweile Glatze und Bauch bekommen hat (...)"

14:40 Uhr Streit um Seehofer-Rede am Aschermittwoch

Politikum am Rande: Nach dem eher überraschenden Aufstieg Horst Seehofers zum deutschen Staatsoberhaupt beeilte sich die CSU mitzuteilen, der bayerische Ministerpräsident werde wie geplant beim Politischen Aschermittwoch der Partei in Passau auftreten.

Allen Nicht-Bayern sei gesagt: Bei diesem Termin ist es üblich, kräftig gegen den politischen Gegner zu ledern. Im vergangenen Jahr hatte Seehofer in Passau gepoltert, die CSU werde sich in der Berliner Koalition "bis zur letzten Patrone" gegen die Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme sträuben.

Passt ein solcher Auftritt zu einem Interims-Bundespräsidenten? Nein, finden Dieter Janecek von den bayerischen Grünen und SPD-Landeschef Florian Pronold und fordern Zurückhaltung von Seehofer. Eine politische Aschermittwochskundgebung sei kein angemessener Rahmen für ein Staatsoberhaupt, sagte Janecek. Sollte Seehofer seine Rede in Passau trotzdem halten, "bietet es sich an, dass er eine Zurückhaltung an den Tag legt, die nicht üblich ist auf solchen Veranstaltungen". Pronold fügte hinzu, Seehofer solle lieber seinen Finanzminister Markus Söder auftreten lassen.

Was beide nicht erwähnen: Im Gegenzug müsste sich auch die Opposition mit Kritik an Seehofer zurückhalten. Stichwort: Würde des Amtes. Für die SPD wäre das misslich: Sie hat für ihren Spitzenkandidaten Christian Ude in Vilshofen extra mehrere Bierzelte aufgebaut, die mit kernigen Sprüchen zur amtierenden Landesregierung gefüllt werden sollen.

14:25 Uhr Grüne begrüßen "Lernprozess" der Kanzlerin

Wie die SPD sind auch die Grünen sind zu raschen Gesprächen über Wulffs Nachfolger bereit. Es sollte so schnell wie möglich ein parteiübergreifender Kandidat oder eine Kandidatin vorgeschlagen werden, sagte Parteichef Cem Özdemir am Freitag in Berlin. "Ich begrüße es, dass die Bundeskanzlerin einen offensichtlichen Lernprozess durchgemacht hat", sagte er. Mit Blick auf einen möglichen Kandidaten sagte Ko-Parteichefin Claudia Roth: "Wir machen jetzt keine Castingshow. Wir machen jetzt nicht Deutschland sucht den Bundespräsidenten."

14:07 Uhr Merkel grenzt Linke bei Gesprächen über Wulff-Nachfolge aus

Die Kanzlerin hat bei ihrem Statement die Linke ausdrücklich nicht erwähnt, auch zur Sondierung eines Nachfolgekandidaten ist die Linkspartei nicht eingeladen. Ein Versehen, wie deren Fraktionschef Gregor Gysi mutmaßte: "Sie hat uns wahrscheinlich versehentlich vergessen. Das kann sie aber noch korrigieren."

Regierungssprecher Steffen Seibert raubte Gysi diese Hoffnung: Merkel sehe keine ausreichende Basis, die Linkspartei in eine Suche nach einen Nachfolger einzubeziehen. Die Koalitionsparteien würden auf die Oppositionspartien zugehen, "mit denen es die größten Übereinstimmungen in den politischen Grundüberzeugungen gibt".

13:57 Uhr FDP-Chef Rösler dankt Wulff

Kurz nach Kanzlerin Angela Merkel ist auch deren Stellvertreter Philipp Rösler vor die Presse getreten. Der FDP-Chef bedankte sich bei Wulff für dessen Arbeit: Wulffs Leistungen für Toleranz und Integration würden sicherlich nicht in Vergessenheit geraten. "Die FDP nimmt die Entscheidung mit größtem Respekt zur Kenntnis." Ungewöhnlich an Röslers Erklärung war der Ort: Rösler lud am Stuttgarter Flughafen zur Pressekonferenz. Genauer gesagt: Terminal 1, "bei Lufthansa", wie er über die Agenturen mitteilen ließ. Eine Anspielung auf die Reiselust des Ex-Bundespräsidenten Wulff?

13:50 Uhr Junge Union Oberbayern will Stoiber als Bundespräsidenten

Geht es nach der Jungen Union Oberbayern, ist Wulffs Nachfolger schon gefunden: Edmund Stoiber. "Unser langjähriger Ministerpräsident ist der richtige Mann für dieses Amt. Gerade jetzt, in krisenhaften Zeiten, brauchen wir einen stabilen Anker mit klaren Werten für einen klaren Kurs", teilten der oberbayerische JU-Bezirksvorsitzende Tobias Zech und sein Stellvertreter Alexander Wegmaier mit. Stoiber sei international anerkannt, verfüge über die notwendige Erfahrung und den Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Wir hätten da noch ein weiteres Argument: Es gäbe endlich wieder neue Versprecher.

13:30 Uhr "Sie haben den Namen vielleicht schon einmal gehört"

Die Nachrichtagentur dpa hat sich bei den amerikanischen Medien umgehört und zeigt sich enttäuscht: "USA nehmen kaum Notiz von Wulffs Rücktritt". Tatsächlich findet sich auf der Website der New York Times eine eher kleine Meldung im unteren Bereich. Die Washington Post fährt das Thema immerhin an vierter Position mit Foto.

Eine Sprecherin des Fernsehsenders CNN habe, so berichtet die dpa, die Wulff-Berichterstattung eingeleitet mit den Worten "Sie haben den Namen vielleicht schon einmal gehört". Um den Zuschauern dann zu erklären, was ein deutscher Bundespräsident so macht. Das sei ein "repräsentatives Amt". Dann wirft sie einen Namen in die Runde, den auch die Amerikaner kennen: Das werde "als Rückschlag für Kanzlerin Angela Merkel gesehen". Gleich darauf widmen sie und ihre Ko-Moderatorin sich wieder dem US-Präsidentschaftswahlkampf.

12:47 Uhr Gabriel zeigt Bereitschaft - Gauck-Fans mobilisieren Anhänger

Joachim Gauck war 2010 der Liebling der Facebook-Nutzer. Jetzt steht seine Kandidatur wieder zur Debatte. (© dpa)

Das war zu erwarten: SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich offen für Gespräche mit Kanzlerin Merkel über einen gemeinsamen Kandidaten gezeigt. "Die SPD steht bereit für einen Neuanfang", sagte er der Online-Ausgabe der Bild. Merkel dürfe nicht erneut aus politischem Kalkül einen schwarz-gelben Kandidaten durchboxen.

Ähnlich klang das schon im Juni 2010, als Rot-Grün bei Merkel um Unterstützung für den Kandidaten Joachim Gauck geworben hatte. Der einstige DDR-Bürgerrechtler hatte damals in kurzer Zeit viele Unterstützer für sich gewonnen. Auch bei Facebook, wo der Gauck-Hype jetzt eine Fortsetzung zu finden scheint. Die Zahl seiner Fans steigt, auf der Pinnwand der Seite finden sich Kommentare wie "Wir wollen Gauck. Noch immer" oder "Wie wäre es jetzt mit Pro-Gauckdemos?"

Weitere (prominente) Gauck-Fürsprecher: der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der ihn als "Option" bezeichnete.

Weniger Freunde hat er bei der Occupy-Bewegung, deren Proteste gegen die entfesselten Finanzmärkte Gauck im Oktober 2011 "unsäglich albern" genannt hatte. Und auch die Linke hat schon erklärt, dass sie Gauck - wie 2010 - nicht wählen wolle: Parteichefin Gesine Lötzsch wies darauf hin, dass sich Gauck für eine Beobachtung der Linken durch den Verfassungsschutz ausgesprochen habe.

12:37 Uhr Die Sorgen der Karnevalisten

Die Kollegin Lena Jakat (@lenajakat) hat Menschen aufgespürt, denen der Rücktritt Wulffs viel Arbeit beschert: Die Mainzer und Kölner Karnevalisten müssen umplanen, was ihre Wagen für die Rosenmontagsumzüge angeht. Man werde den Abbau eines Wulff-Wagens noch heute "zelebrieren", sagte der Leiter des Kölner Umzugs der Nachrichtenagentur dapd. Bislang war Wulff als Hase auf der Schlachtbank zu sehen. Nachdem das Beil nun quasi schon gefallen ist, müssen sich auch die Jecken in Mainz etwas anderes ausdenken. Sie wollten Wulff als lädierten Boxer zeigen, der angeschlagen in den Seilen hängt. Die Realität hat die Satire überholt.

12:17 Uhr Seehofer zollt Wulff "ungeteilten Respekt"

Aushilfs-Präsident: Horst Seehofer, hier bei einer Faschings-Krönung. (© dpa)

Hier spricht das deutsche Staatsoberhaupt: Horst Seehofer hat sich geäußert. Er zolle Wulff seinen "ungeteilten Respekt". Mit seinem Schritt rücke Wulff "die Würde und die Bedeutung des höchsten Staatsamtes an die erste Stelle". Nebenbei rückt  auch Seehofer an die erste Stelle: Der bayerische Ministerpräsident ist als Bundesratspräsident vertretungsweise der erste Mann im Staat.

Weitere Stimmen: Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht von der CDU bezeichnete Wulffs Rücktritt als "folgerichtig", warnte aber vor einer "Vorverurteilung". Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte den Schritt "unvermeidlich": "Deutschland braucht jetzt einen Präsidenten, der sich auf ein breites Vertrauen stützen kann", sagte er. Die Piraten forderten nach Wulffs Rücktritt eine schonungslose Aufklärung aller Vorwürfe gegen ihn.

12:13 Uhr Wulff und Merkel im Wortlaut - Pressestimmen aus dem Ausland

Wer die Rücktrittsrede des Bundespräsidenten in voller Länge lesen möchte, wird hier fündig. Wie Merkel darauf reagierte, steht hier im Wortlaut.

Der Kollege Gökalp Babayigit (@G_Babayigit) sammelt Schlagzeilen ausländischer Medien über den Wulff-Rücktritt. Die Huffington Post schreibt ganz nüchtern: "German president resigns following financial scandal" - Deutscher Präsident tritt in Folge eines Finanzskandals zurück. Der englische Dienst der Nachrichtenagentur Reuters formuliert schärfer: "German president resigns in blow to Merkel" - Deutscher Präsident tritt zurück und versetzt Merkel einen Schlag.

11:51 Uhr Wulff-Nachfolge: Stimmen Sie ab!

Wer wird der schwarz-gelb-rot-grüne Einheitspräsident? Als kleine Anschubhilfe für die von Merkel angekündigte Kandidatenfindung von Union, FDP, SPD und Grünen haben wir eine Umfrage auf die SZ-Facebookseite gestellt.

Derzeit klar in Führung: Joachim Gauck. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler war im Sommer 2010 im dritten Wahlgang Christian Wulff unterlegen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen weniger wahrscheinliche Kandidaten: Der Kabarettist Georg Schramm (Neues aus der Anstalt im ZDF) und die Pastorin Margot Käßmann, bis zu einer Trunkenheitsfahrt Anfang 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

11:42 Uhr Journalistenverband wehrt sich gegen Wulffs Vorwurf

Schnelle Reaktion des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) auf den Vorwurf von Christian Wulff, die Berichterstattung habe ihn und seine Frau "verletzt": Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken weist in einer Pressemitteilung auf die Pflicht der Journalisten hin, "über politische Affären und Skandale kritisch zu berichten". Davon sei "auch das deutsche Staatsoberhaupt nicht ausgenommen".

Die Intensität der Berichterstattung in den letzten Monaten sei die Folge von zahllosen Ungereimtheiten und möglicherweise auch strafrechtlich relevanten Vorgängen von Wulffs Amtsführung. Für die politischen Folgen von Enthüllungen seien nicht die Journalisten verantwortlich.

11:38 Uhr Kanzlerin will mit Rot-Grün über gemeinsamen Wulff-Nachfolger sprechen

(© dpa)

Merkel zollt Wulff Respekt auch dafür, "seine Überzeugung, rechtlich korrekt gehandelt" zu haben, hinter das Amt zurückzustellen. Sie sagt ausdrücklich: über "seine" Überzeugung. Das klingt nicht so, als würde sie ihm glauben.

"Tatsächlich ist es eine Stärke des Rechtsstaats, das er jeden gleich behandelt", sagt die Kanzlerin. Sie kündigt an, CDU und FDP würden sich nun "beraten und auf Sozialdemokraten und Grüne zugehen", um Gespräche zu führen "mit dem Ziel, einen gemeinsamen Kandidaten vorschlagen zu können". Die Linke erwähnt Merkel ausdrücklich nicht. Um 11:33 Uhr endet ihre Pressekonferenz.

11:31 Uhr Merkel bedauert Wulffs Rücktritt

Die Kanzlerin verliest eine kurze Erklärung. Ihr Auftritt dauert kaum mehr als zwei Minuten. Sie habe den Rücktritt Wulffs mit "größtem Respekt und tiefem Bedauern empfunden." Wulff habe "uns wichtige Impulse gegeben" und "deutlich gemacht, dass die Stärke dieses Landes in seiner Vielfalt liegt". Christian Wulff und seine Frau Bettina hätten "dieses Land im In- und Ausland würdig vertreten", dafür gebühre ihnen Dank, lobt Merkel.

11:28 Uhr Merkel erklärt sich - Fragen nicht erwünscht

Die Pressekarawane zieht weiter ins Bundeskanzleramt. Gleich spricht Merkel. Sie hat ihren Italien-Besuch verschoben, um auf Wulffs Rückritt reagieren zu können. Einige Journalisten sind noch ganz außer Atem. Keine halbe Stunde liegt zwischen Wulffs Rücktritt und Merkels Erklärung. Vorne werden gerade die Regeln erklärt. Wichtigster Punkt: Fragen sind nicht zugelassen.

11:21 Uhr Oppermann äußert Respekt für Wulff

Nach den harschen Angriffen im Vorfeld gibt es jetzt lobende Worte aus der SPD. Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, schreibt bei Twitter: "Eine schnörkellose, gelungene Rücktrittserklärung von Christian Wulff. Respekt."

11:14 Uhr "Ich danke vor allem meiner Frau"

Das war's: Christian und Bettina Wulff verlassen den Großen Saal im Schloss Bellevue. (© REUTERS)

Der Rest sind warme Worte: "Ich danke meiner Familie, vor allem meiner Frau, die ich als überzeugende Repräsentantin eines modernen Deutschland wahrgenommen habe." Sie habe ihm "und den Kindern starken Rückhalt" gegeben, lobt Christian Wulff seine Gattin Bettina. Zum Schluss ein Seitenhieb auf die Journalisten: "Ich wünsche allen Bürgern eine gute Zukunft und schließe Sie alle dabei ausdrücklich ein."

Um 11:07 verlässt Christian Wulff den Saal. Seine Amtszeit als Bundespräsident ist zu Ende.

11:09 Uhr "Habe mich stets rechtlich korrekt verhalten"

Bettina Wulff hält Abstand und lächelt fortdauernd, während ihr Mann die schwierigste Rede seiner Karriere hinter sich bringt. Im Hinblick auf den Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover, seine Immunität aufzuheben, sagt Wulff: Die "anstehende rechtliche Klärung" werde zu einer "vollständigen Entlastung" führen.

"Ich habe mich stets rechtlich korrekt verhalten", sagt Wulff. "Ich habe Fehler gemacht, war aber immer aufrichtig." Mit Blick auf die Reporter fügt er hinzu: "Die Berichterstattung hat meine Frau und mich verletzt."

11:04 Uhr Wulff erklärt seinen Rücktritt

Der Auftritt dauert nur vier Minuten. Begleitet vom Blitzlichtgewitter der Fotografen sagt Wulff, Deutschland brauche einen Präsidenten, der sich "uneingeschränkt" seinem Amt widmen könne. Das Vertrauen in seine Person sei jedoch "nachhaltig beeinträchtigt", deshalb sei es ihm nicht mehr möglich, "das Amt so wahrzunehmen, wie es nach innen und außen notwendig ist." Er trete "deshalb heute zurück, um den Weg für eine zügige Nachfolge freizumachen".

11:03 Uhr Presse-Statement im Schloss Bellevue beginnt

Um 11:03 Uhr schwingt die weiße Tür auf. Da kommen sie. Bettina Wulff an der Seite ihres Mannes. Sein Gesicht ernst. Ein schwieriger, aber wohl ein notwendiger Moment im Großen Saal des Schlosses Bellevue. Köhler trat 2010 nebenan im viel kleineren Langhans-Saal zurück. Es war auch ein kleiner, überraschender Rücktritt. Wulff wählt den großen Rücktritt.

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