Nach Fukushima Japanisches Gericht stoppt Neustart von Atomreaktoren

Um diese Reaktoren geht es: Nummer vier (vorne) und Nummer drei (dahinter) des Kraftwerkes in Takahma.

(Foto: REUTERS)
  • Ein japanisches Bezirksgericht untersagt dem Atomkonzern Kansai, zwei Reaktoren wieder hochzufahren.
  • Zur Begründung heißt es, die Reaktoren seien nicht ausreichend gegen Erdbeben geschützt - zudem seien die neuen Sicherheitsstandards unlogisch.
  • Die japanische Regierung unter Shinzo Abe will die Atomkraftwerke des Landes nach der Fukushima-Katastrophe Schritt für Schritt wieder in Betrieb nehmen.

Anwohner stellten Antrag gegen Neustart der Reaktoren

Ein japanisches Gericht hat die Wiederinbetriebnahme zweier Atomreaktoren gestoppt. Mit dem Urteil reagiere das Bezirksgericht in der Präfektur Fukui auf einen Antrag von Anwohnern nahe des Atomkraftwerks Takahama, erklärte ein Justizbeamter.

Die japanische Atomregulierungsbehörde (NRA) hatte angesichts neuer Sicherheitsstandards erst im Dezember den Neustart der Reaktoren 3 und 4 des Kraftwerks genehmigt. Das Gericht urteilte nun, die Sicherheit der Reaktoren könne nicht gewährleistet werden. Die Reaktoren könnten bereits durch ein Erdbeben von geringerer Stärke beschädigt werden als in den Sicherheitsstandards dargelegt. Die neuen Standards seien zudem unlogisch, berichtete der Sender NHK unter Berufung auf das Gericht.

Die Regierung hält an ihren Plänen jedoch fest. Japan werde Atomkraftwerke wie vorgesehen ans Netz nehmen, die den Auflagen der Aufsichtsbehörde NRA entsprächen, erklärte ein Regierungssprecher.

Kansai kritisiert Urteil als "inakzeptabel"

Der Kraftwerksbetreiber Kansai Electric Power nannte das Urteil "inakzeptabel" und kündigte an, dieses anzufechten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace dagegen lobte die Entscheidung des Gerichts und erklärte, das Urteil könne Signalwirkung für weitere derartige Fälle in Japan haben.

Der Rechtsstreit könnte zu jahrelangen Verzögerungen führen und bei Kansai weitere Verluste von Hunderten Millionen Dollar verursachen. Der Konzern wird voraussichtlich das vierte Jahr in Folge einen Verlust ausweisen.

Kernschmelze im März 2011

Nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom März 2011 waren die japanischen Atomkraftwerke schrittweise vom Netz genommen worden. Bei der Naturkatastrophe war das Atomkraftwerk Fukushima im Nordosten Japans so schwer beschädigt worden, dass es zur Kernschmelze kam.

Für Regierungschef Shinzo Abe ist die Rückkehr zur Atomenergie, die vor der Katastrophe rund ein Drittel des japanischen Energiebedarfs deckte, ein wichtiger Schritt, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.