Nach der Katastrophe von Fukushima Japan denkt über Atomausstieg nach

Kehrtwende in der Energiepolitik? Vier Monate nach dem Super-GAU in Fukushima-1 deutet die japanische Regierung einen Ausstieg aus der Atomenergie an. "Wir müssen eine Gesellschaft entwickeln, die darauf verzichten kann", fordert Ministerpräsident Naoto Kan. Dafür müsse Japan stärker auf Alternativen setzen - und Energie sparen.

In Japans Regierung zeichnet sich offenbar eine neue, kritischere Haltung zur Atomenergie ab. Das Land müsse sich unabhängiger von Atomstrom machen, sagte Ministerpräsident Naoto Kan. "Wir müssen eine Gesellschaft entwickeln, die auf Atomenergie verzichten kann." Das mit der Kernkraft verbundene Risiko sei zu groß.

Der Wunsch nach einer Kehrtwende in der Energiepolitik ist die Folge der Krise, die die Katastrophe von Fukushima-Daiichi ausgelöst hat.

Der Ministerpräsident forderte, dass Japan erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie sowie Biomasse entwickeln müsse. Der zweite Pfeiler der japanischen Energiepolitik solle das Energiesparen sein. Im Mai hatte die Regierung bereits angekündigt, in Zukunft mehr auf erneuerbare Energien zu setzen. Darüber geht Kan nun hinaus: Irgendwann könne man dann auf Atomkraft verzichten, erklärte er. Noch sei es aber zu früh, einen Termin für einen Atomausstieg zu nennen.

Kan äußerte sich überzeugt, dass die japanische Wirtschaft in Folge von Energieeinsparungen und dezentraler Stromversorgung die Energieengpässe in diesem Sommer meistern werde.

Der Ministerpräsident ist erst seit einem Jahr im Amt und hat bereits angekündigt, er sei bereit, zurückzutreten, sobald die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima-1 unter Kontrolle sei und es Erfolge beim Wiederaufbau der Katastrophenregion gebe.

Japans Atompolitik steht seit dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März und der folgenden partiellen Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi stark in der Kritik. Durch die Naturgewalten war die größte Atomkatastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren ausgelöst worden.

Zuvor hatten die AKWs 30 Prozent des Energiebedarfs der drittgrößten Volkswirtschaft abgedeckt. Und man hatte geplant, diesen Anteil bis zum Jahr 2030 auf 53 Prozent zu erhöhen. Als Folge der Natur- und Atomkatastrophe leidet Japan dagegen nun unter einer massiven Stromknappheit. Wegen des Ausfalls des Katastrophenkraftwerks Fukushima-1 und der Überprüfung zahlreicher Nuklearanlagen sind derzeit nur 19 der landesweit 54 Reaktoren in Betrieb. Der Atomanteil an der Stromversorgung lag im Juni bei 18 Prozent.

Dass Fukushima-1 durch den Tsunami so schwer beschädigt wurde, hängt möglicherweise mit damit zusammen, dass für die Anlage 25 Meter der Steilküste abgetragen wurden. Wie die Zeitung The Japan Times berichtet, ließ der Betreiber den Bauplatz auf diese Weise planieren, um die Betriebskosten der Kühlwasserpumpen niedrig zu halten. Diese Pumpen leiten Wasser aus dem Meer zu den Reaktoren. "Wenn ich mir die Lage jetzt ansehe, meine ich, das es falsch war, so viel vom Hügel abzutragen", sagte ein ehemaliger Tepco-Angestellter der Zeitung.