Nach dem Amoklauf in Aurora 31.500 Tote jedes Jahr

Die NRA wirft Obama vor, sich für einen Vertrag der Vereinten Nationen zur weltweiten Waffenkontrolle stark zu machen, um damit als Trick letztlich das verfassungsmäßige Recht der US-Bürger auf Waffen einschränken zu können.

Die Aktivisten der anderen Seite geben Obama jedoch schlechte Noten für sein bisheriges Engagement für ein schärferes Waffenrecht. Im US-Bundesstaat Virginia zum Beispiel kann jeder über 18 Jahren Gewehre kaufen, Pistolen ab einem Alter von 21 Jahren - solange der Käufer kein illegaler Einwanderer oder vorbestraft ist. Abgesehen von Maschinengewehren werden Waffen in Virginia, das an die Hauptstadt Washington grenzt, zudem nicht registriert.

Die Anti-Waffen-Aktivisten verweisen deshalb bei ihrem Kampf für schärfere Waffengesetze auf Statistiken: Nach Behördenangaben erleiden in den USA im Laufe eines Jahres rund 100.000 Menschen Schussverletzungen, darunter viele Kinder. Mehr als 31.500 Menschen werden im ganzen Land jährlich durch Waffengewalt getötet.

Keine Mehrheit für Reformen

Auch wenn Medien wie die New York Times, Salon oder der Atlantic Monthly eine Debatte über das Waffenrecht fordern - die Diskussion dürfte keine großen Resultate hervorbringen. Inzwischen gibt es für eine Verschärfung auch keine Mehrheit unter den Bürgern mehr: Sprachen sich Umfragen zufolge 1990 noch 78 Prozent der Amerikaner für eine stärkere Kontrolle des Waffenverkaufs auf, wollten 2011 nur noch 43 Prozent strengere Gesetze.

Statt über Schusswaffen zu sprechen, wird deshalb erst einmal über die Sicherheit in Filmsälen diskutiert. Mehrere Kinos haben ihre Vorkehrungen verschärft. Die Kinokette AMC, eine der größten in den USA, teilte mit, dass in ihren Sälen Gesichtsmasken und Waffenattrappen bis auf weiteres verboten seien.

"Nichts ist passiert"

Damit entwickelt sich die Debatte weg vom Waffenrecht, ähnlich wie nach dem Columbine-Massaker 1999, das nicht einmal 40 Kilometer von Aurora stattfand. Seitdem beschäftigen viele Schulen deutlich mehr Sicherheitspersonal oder greifen auf Hilfsmittel wie Metalldetektoren und Sicherheitskameras zurück, um keine Schusswaffen in die Schule gelangen zu lassen.

Matt Bennett, Mitgründer des Thinktanks "Third Way", zieht deshalb im Gespräch mit der Washington Post ein ernüchterndes Fazit. "Nichts ist passiert, als einer Kongressabgeordneten [Gabrielle Giffords, d. Red.] in den Kopf geschossen wurde. Nichts passiert, wenn ein Dutzend junger Menschen in einem Kino erschossen werden. Das ist eine furchtbare Wahrheit, aber so ist es."